„Das hier waren Peanuts. Er hatte zig Millionen – so was wie hundertvierzig Millionen – in Grundstücke investiert. Alles mit geborgtem Geld – und beliehen mit Aktien, die keinen Cent wert waren. Das wird nie zurückgezahlt. Dann ist da noch der Betrug – Sweetman und seine Kumpels haben Millionen von Bank zu Bank verschoben, um die Rechnungsprüfer im Dunkel n zu lassen, haben Transfers als Einzahlungen abgeschrieben, um den Aktienkurs anzukurbeln. Schließlich hätten wir da noch die Steuertricks – der Kerl hätte eine Enzyklopädie über >Wie bescheiße ich am besten< verfassen können.“ (S. 116)
Der Bulle
Dublin kurz nach der Bankenkrise. Leer stehende Gebäude, nicht fertig gebaute Hüllen, geplatzte Träume. Nur nicht für die Banker. Zumindest für die meisten. Einen hat es doch erwischt, ermordet in seinem eigenen Haus. Detective Sergeant Bob Tidey ermittelt. Gleichzeitig erhält er von einer alten Bekannten, Maura Cody, einer früheren Nonne, einen Anruf. Ein Wagen wurde in ihrer Straße geparkt. Einer Seitenstraße, kaum Verkehr, unbekannte Männer. Ein Fluchtwagen? Tidey meldet es weiter und der Wagen wird observiert.
Tidey ist lange im Dienst, hat einiges gesehen. Und er weiß, dass Recht nicht immer unbedingt etwas mit Gerechtigkeit zu tun hat. Doch der Bulle liegt ihm. Besonnen und pragmatisch geht er an seine Fälle, schreckt aber eben auch nicht davor zurück, für eine alte Frau alles mal kurz liegen zu lassen. Ein einsamer Wolf, ja, aber einer, der es nicht gerne ist. Seine Exfrau lässt ihn ab und an in sein altes Leben zurück, seine Vorgesetzten verpassen ihm zwar gerne einen Maulkorb, wissen aber, was sie an ihm haben.
Der Dieb
Vincent Naylor ist gerade aus dem Knast entlassen und richtet sich sein Leben ein. Eine neue Freundin ist gefunden, er wohnt in einer Wohnung in einem leer stehenden Apartmenthaus. Kein Luxus, aber auch keine Miete, nur ein wenig Schmiergeld. Außerdem wird sich das schon bald ändern, denn Vincent hat einen todsicheren Plan, um gemeinsam mit Noel, seinem Bruder und zwei weiteren, an massig viel Geld heranzukommen: Übernahme eines Geldtransporters. Und der Plan klappt hervorragend, bis Noel und einer der anderen beim Fluchtwagen ankommen und er fürchterlich in die Brüche geht.
Vincent Naylor, jemand, der von sich behauptet nicht jähzornig zu sein, sich zurückhalten zu können, seine Wut unter Kontrolle zu haben – und doch ist er genau weil er sich nicht zurückhalten konnte, eingefahren. Doch jetzt ist er ja draußen und alles wird anders. Mit diesem einen, letzten Coup. Damit kommt so viel Geld in die Kasse, dass man es sich danach gemütlich machen kann. Und der Plan ist schließlich absolut narrensicher. Doch als sein geliebter Bruder, der sich gerade ergeben wollte, von einem Polizisten beim Fluchtwagen erschossen wird, sieht Naylor rot. All seine Wut bricht sich Bahn und er begibt sich in einen beispiellosen Amoklauf.
Mit Makeln
Keiner der Beteiligten ist über Fehl und Tadel erhaben. Tidey lässt sich in einem Gerichtsprozess bei der Falschaussage erwischen, auch wenn er nur keine Lust hatte, einen Streit zu schlichten, erhält er dafür natürlich eine Rüge. Der tote Banker hatte sowieso Dreck am Stecken, aber als Banker gehört das ja zum guten Ton – welcher von denen hat denn damals in der Krise nicht mitgemischt? Doch höchstens die kleinen Rädchen ganz unten im Getriebe. Doch auch Maura Cody, als Nonne eigentlich untadelig, erhob damals ihre Hand zur „Erziehung“ der Waisenkinder. Jeder kämpft mit seinen eigenen Dämonen, manche können diese besiegen, andere verlieren.
Sieg und Niederlage
Die Schlacht mag vielleicht gewonnen sein, der Krieg noch lange nicht. Der Autor beleuchtet die irische Gesellschaft, zwischen Religion und Kapitalismus, und dies grelle Licht zeigt, keiner ist hier der Gewinner. Alle haben verloren. Brüder, Moral, Geld – was spielt letztendlich keine Rolle. So gesehen, ein düsterer, irischer Noir mit nur wenig Aussicht auf Hoffnung, wenn auch Tidey einen kleinen Funken im Dunklen aufrecht erhält. Zwei Fälle, die an sich erst mal nur den Detective gemein haben, zufällig verknüpft, die in einem Alptraum enden. Und doch hat der Krimi wenig mit dem Mainstream gemein, es geht nicht um Ermittlungen, es geht um Hintergründe, Schuld, Reue und Wut. Um das Leben. So wie es eben manchmal ist. Hart und ungerecht. Noir.
Fazit:
Ein Buch wie ein wütender Hornissenschwarm. Es trifft einen und piesackt jede Stelle im Körper, so wie ein Noir das auch machen soll. Düster, packend und gewaltig!