Imho eine solide, kurzweilige und schnell runtergelesene Lektüre für alle Neulinge im Bylle-Kosmos. Die Autorin zeigt auch in diesem Buch, dass sie das Spiel mit den wechselnden Perspektiven ausgezeichnet beherrscht.
So springt die Geschichte abwechselnd zwischen Erzählungen der beiden Hauptfiguren Anna und Max hin und her: zwei Kindern an der Schwelle zur Jugendlichkeit, beide Trennungskinder, emotional durch ihre jeweiligen Erziehungsberechtigten vernachlässigt und demnach verkopfte Träumer*innen, die nichts lieber wollen, als nur noch weg. Raus aus den immergrauen DDR-Bauten, raus aus dem alten Leben, raus aus dem Winter. Regelrecht „hin zur Sonne“ würde Casper jetzt sagen, denn ja, es trägt die beiden nicht nur ins Warme, sondern vor allem weiter nach Osten. Ging ja nicht anders.
Und genau das machen sie auch, mit so einigen Irrungen und Wirrungen, wo man als erwachsene* lesende Person da sitzt mit einer Gedankenmischung aus „ja, das hätt ich mir denken können“ und „ok, krass, hätt ich nicht gedacht“.
Wer nach emotionalen und friemeligen Kloppern wie GRM und RCE an dieses Buch kommt, wird sich denken, dass das Buch für Bylle-Verhältnisse thematisch sehr seicht ist, dennoch findet sich in „habe ich dir schon erzählt…“ die selbe Hoffnungslosigkeit und Tristesse im Leben der Jugendlichen wie in ihren Flagship-Werken. Nur eben bisschen unterschwelliger. Dazwischen sind die Kids auch happy und haben einfach nur Teenie-Gedanken und das darf absolut sein.
Unterm Strich kein Buch, wo man hinterher erstmal tagelang in ein Motivationsloch fällt, denn Scheiße passiert hier auch, nur eben nicht ganz so düster. Sibylle Berg light. Und ich mags. (: