Till Eulenspiegel ist der Protagonist eines mittelniederdeutschen Volksbuchs. Die Germanistik spricht heute von einem Schwank- bzw. Prosaroman. Laut dieser Schwanksammlung war Eulenspiegel ein umherstreifender Schalk des 14. Jahrhunderts, der sich dumm stellte, tatsächlich aber gerissen war und seinen Mitmenschen immer neue Streiche spielte. Das Volksbuch erschien erstmals um 1510 bei dem Straßburger Verleger und Drucker Johannes Grüninger. Das Buch, dessen Verfasser unbekannt blieb, wurde bereits im 16. Jahrhundert zu einem Bestseller und in mehrere Sprachen übersetzt.
Nach der Überlieferung wurde Till Eulenspiegel im Jahr 1290 oder 1300 in Kneitlingen am Elm geboren und in dem Nachbardorf Ampleben in der Schlosskapelle seines Taufpaten Till von Uetze getauft. Eulenspiegel wird in späteren Illustrationen oft mit Attributen wie einer Narrenkappe dargestellt. Allerdings ist er nicht einfach als ausgewiesener Narr anzusehen. In den Geschichten scheint er vielmehr seinen Mitmenschen an Intelligenz, Durchblick und Witz überlegen. Eulenspiegels Streiche ergeben sich oft daraus, dass er eine bildliche Redewendung wörtlich nimmt. Laut der gereimten mittelniederdeutschen Inschrift auf einem Gedenkstein aus der Mitte des 16. Jahrhunderts starb Till Eulenspiegel im Jahr 1350 in Mölln.
Insgesamt 95 kurze und kürzere Kapitel stellen das Leben Eulenspiegels dar. Insgesamt ist unsicher, wie viele der Kapitel in der nicht erhaltenen Urausgabe vorhanden waren; fest steht jedoch, dass einige der Geschichten nachträglich hinzugedichtet wurden. Die ersten Kapitel beziehen sich auf Herkunft und Kindheit der Figur. In der neunten Geschichte verlässt Eulenspiegel seine Mutter, um auf seine lebenslangen Wanderungen zu gehen. Er geht verschiedensten Berufen nach, jedoch nur, um am Ende jeder Geschichte weiterzuziehen; so bereist er fast den gesamten europäischen Kontinent. Längere Aufenthalte bilden die Ausnahme, wie beispielsweise bei einem Pfarrer, bei dem er auf seinen anfänglichen Reisen arbeitet, oder der Aufenthalt beim König von Dänemark. In den letzten Historien (ab Hist. 90) wird sein Sterben und Tod erzählt.
Seit der Wiederentdeckung des Volksbuchs und dem Beginn einer Kinder- und Jugendbuchkultur im deutschen Verlagswesen gibt es wohl weit über hundert meist illustrierte Adaptionen des Stoffs, die den Inhalt des Originals sprachlich modernisieren, inhaltlich kürzen und neu akzentuieren. Eine dieser Adaptationen ist von Erich Kästner, der 12 Geschichten auswählte und diese in eine moderne Sprache übersetzte. Kästners Auswahl wird des Öfteren im Deutschunterricht in Grundschulklassen eingesetzt.
So wurde auch mir im Grundschulalter der Eulenspiegel-Stoff über die Kästner-Adaption näher gebracht. Ich weiß nicht mehr, ob ich damals in der 2. oder 3. Klasse war, ich erinnere mich aber noch daran, wieviel Freude mir die Lektüre bereitete. Wir haben damals selbst kleine Eulenspiegel-Kurzgeschichten verfasst, Bilder gemalt und über Eulenspiegels Art gesprochen. Das hat mir damals sehr viel Spaß gemacht. Ich wünschte, ich hätte noch meine Aufzeichnungen aus der Zeit. Inwiefern der Text schlecht gealtert ist – Kästners Text ist von 1938 – kann ich nicht einschätzen, da die Lektüre so weit zurückliegt, ich wäre aber offen dafür, das Buch nochmals zu lesen. Ich halte es in guter Erinnerung!