Ein Paar sucht Zuflucht in einem Schrank und findet eine Gegenwelt zur eintönigen Wirklichkeit. Während seine Frau sich endlosen Meditationen hingibt und hin und wieder eine leichte Mahlzeit zubereitet, spielt D. am Computer Gott, erschafft und vernichtet Welten, bis schließlich alles aus den Fugen gerät. Was die Unordnung eines Hotelzimmers über einen Menschen erzählt, das weiß das Zimmermädchen mit der rosaweißen Schürze im Hotel Capital. Chaos erfährt auch die kleine Bankangestellte Krystyna, die im traum wiederholt den Liebesschwüren eines gewissen Amos lauscht, bis sie sich schließlich auf die Suche nach ihm macht. Liebe und Tod, Traum und Mythos - diese sieben Geschichten der polnischen Literaturnobelpreisträgerin erzählen von einer Welt, die uns in all ihrer Fremdheit doch immer vertaraut ist: unser Unbewusstes.
Olga Nawoja Tokarczuk is a Polish writer, activist, and public intellectual. She is one of the most critically acclaimed and successful authors of her generation in Poland. She was awarded the 2018 Nobel Prize in Literature as the first Polish female prose writer for "a narrative imagination that with encyclopedic passion represents the crossing of boundaries as a form of life".
For her novel Flights, Tokarczuk was awarded the 2018 Man Booker International Prize. For Flights and The Books of Jacob, she won the Nike Awards, Poland's top literary prize, among other accolades; she won the Nike audience award five times.
Her works have been translated into almost 40 languages, making her one of the most translated contemporary Polish writers. The Books of Jacob, regarded as her magnum opus, was released in the UK in November 2021 after seven years of translation work, followed by release in the US in February 2022. In March that year, the novel was shortlisted for the 2022 International Booker Prize.
I'm not very sure of the publishing history of this little volume. I'm informed that the first three stories originally appeared in Poland in 1998 under the title Szafa. Given that at least two of the other four have been lifted from Flights, I might be inclined to think that I was a fool to splash out eighteen Euros on an admittedly beautiful cloth bound, but very slim edition which gave me only five stories new to me, that's ooh, what, three euros sixty each?
But then they are little jewels. Worth every cent and more.
A single string on an instrument: it sets up reverberations in the body, oscillations in the ear, touches the nerve endings. Tokarczuk can do that: her stories shimmer and swing and hint at worlds beneath and beyond, Matryoshka dolls nestled inside each other, each more delicate and intricate than the one before.
A wardrobe that offers dark, warm security. A kind of super self-isolation.
A hotel that encompasses the whole of life.
And my very favourite: Sauermehlsuppe, the one that caused a shout of joy, a sense of wonder that Tokarczuk can sum up how community works in the smallest space. Two women are searching for the father of the younger one's baby. Gradually we learn that there are multiple candidates, a reproach is made to her mother, she should have paid more attention. But how? She asks. Her daughter is a child in the body of a grown woman. Which shifts the idea of who-should-have-paid-attention more than somewhat. In the meantime a tourist on his way to a skiing holiday in Austria barges in to the local shop, looking for the Slavic speciality, do you have it here in tins or bottles? The sourdough soup? Because my wife (getting impatient out in the big flashy car) can't imagine Christmas without it, and we have rented an apartment with kitchen so we could have it, and we get it in tins up in the North...
My shout of laughter came when Matuszek, ahead of this obnoxious loudmouth in the queue, buys the single bottle of Sauermehlsuppe left in the shop. And it's Matuszek who takes responsibility too. To his wife's horror, for they have been trying for a baby for twenty years.
Wunderbare Sammlung von Erzählungen, die großartig und berührend sind. Das Interpretieren der einzelnen Erzählungen und deren Metaebene zu entdecken hat mich beglückt.
Ob sie die gesamte Welt umfassen, oder nur einen Gegenstand behandeln, die hier versammelten Kurzgeschichten von Olga Tokarczuk versprühen immer ein Gefühl von Magie und Mysterium. Das alltägliche Leben wird zu einem unberechenbaren, aber wunderschönen Abenteuer, jede Handlung zu einer Möglichkeit.
"Der Schrank" ist ein toller Einstiegspunkt in das Werk der Schriftstellerin und liest sich wunderbar leicht, ohne Tiefe zu vermissen.
Olga Tokarczuk vermag es nicht nur, umfangreiche Werke zu schreiben, sondern brilliert auch in der Kürze. "Der Schrank" versammelt sieben Geschichten der Literaturnobelpreisträgerin, in denen all die Züge zutage treten, weshalb ich diese Autorin so schätze.
Es ist ein kleines, unscheinbares Büchlein - aber wir wissen ja, dass stille Wasser tief sind. Wenn Olga Tokarszuk sie schreibt, sogar umso mehr. Schon wenn man das Werk in die Hand nimmt (meine Version in Leinen gebunden), spürt mensch, dass mensch sich hier auf einen Tauchgang einlassen muss.
Ruhig und besonnen erzählt die Autorin ihre Geschichten. Wer in die Tiefen der menschlichen Seele hinabsteigt, hat keine Eile. Die Texte kommen in unterschiedlichen Formen und Längen daher. Arbeiten mit den verschiedensten Symbolbildern und zeigen uns die vielfältigen Facetten unseres Daseins und unserer Gefühlswelt auf.
Meine liebste Geschichte war jene aus dem Hotel und die letzte in der Sammlung. Aber jede einzelne berührte mich auf unterschiedliche Art und liess mich immer wieder an das Gelesene denken und in den Text zurückkehren.
Wer die Autorin kennenlernen möchte, sich aber nicht gleich auf die Jakobsbücher stürzen möchte, kann sich hier einen kleinen Einblick in Tokarszuks Schreib- und Erzählstil verschaffen. Liebhaber erfreuen sich an der bibliophilen Aufmachung des Kampa Verlages und daran, die Lieblingsautorin auch mal auf diese Weise zu erleben.
Meilenweiter Unterschied zu ‚Gesang der Fledermäuse‘. Langsam erzählte Geschichten, in die der Leser tief eintauchen kann, mit liebevoll gezeichneten, manchmal auch etwas schrägen Figuren. Jede Erzählung kann als Parabel für verschiedene Lebenslagen verstanden werden. Besonders eindrücklich als wiederkehrendes Thema in Tokarczuks Literatur erscheint mir, wie die Außenwelt ein Eigenleben entwickelt, dadurch lebendig wird, und so eine Art eigenes Bewusstsein entsteht.
Sieben Erzählungen, die alle auf verschiedene Art und Weise doch sehr Tokarczuk-typisch sind. In fast allen Erzählungen begeben wir uns mit den verschiedenen Figuren an den Rand oder über den Rand des Fassbaren, des Realen hinaus - oder vielmehr hinein in eine Welt des Außergewöhnlichen und Mystischen. Zum Teil sind die Erzählungen nur kurze Einblicke, zum Teil aber auch gefühlte Kurzromane der polnischen Literaturnobelpreisträgerin, die hier beweist, dass sie auch die kurze Form mehr als nur beherrscht.
Besonders hervorzuheben sind meines Erachtens die Erzählungen "Zimmernummern" und "Amos", die, wie ich finde, mit besonders poetischer Zärtlichkeit geschildert werden. Ein Zimmermädchen, das anhand verschiedener Hotelzimmer die Verschiedenheit der Menschen beschreibt. Und eine junge Bankangestellte, die immer wieder eine Stimme hört und sich auf die Suche nach dem Besitzer macht.
Die Faszination des Fremden, der große Reiz am Anderen, manchmal auch Jenseitigem, durchzieht auch hier alle Texte. Tokarczuk versteht es auch in Erzählungen meisterhaft, das Reale, Alltägliche mit dem Mystischen und Geheimnisvollen zu kombinieren. So wird "Der Schrank" zu einem wundervollen kleinen Erzählband, der für seinen kleinen Umfang von 144 Seiten erstaunlich viel zu entdecken bereit hält.
Eine Sammlung von Kurzgeschichten, die ich, um ehrlich zu sein, zum größten Teil nicht völlig verstanden habe. Es hat trotzdem Spaß gemacht zu lesen, da es sehr schön geschrieben ist. "Amos" war definitiv meine Lieblings Kurzgeschichte
great language. unexpectedly dark, which i wished i had known before - some parts have an almost horror like atmosphere. highly ambigue, weirdly genius stories...
Sollte wieder was längeres von ihr lesen - sie kann wunderbar schreiben, aber die Geschichten waren mir teilweise dann zu kurz um gross was damit anfangen zu können.