Harmlos. Teenagerin verliebt sich und löst ein Geheimnis
Die verwitwete Mutter von Ich-Erzählerin Liz James verfrachtet ihre sehr unwillige 17jährige Tochter in den Sommerferien vom spannenden New York an die Chesapeake Bay, Maryland, in ein Nest namens Breezy Point. Aus der Traum von der Karriere als Schauspielerin! Vom neuen Haus aus erkundet Liz die Gegend und findet am Strand einen Pavillon mit einem altmodischen Karussell, das sie in den Bann schlägt. Dazu führt ihr Taschengeld-Job für den Vermieter Hogarth Cartwright mit seinem Assistenten Roger Prentis sie tief in die Geschichte der neuen Heimat, laut der der Gründer der Stadt, Israel Bloom, Geld versteckt haben soll. Als Liz sich in Craig verliebt, der Handlangertätigkeiten für Cartwright erledigt, lässt sie sich von seiner Leidenschaft anstecken, das Karussell retten zu wollen.
Doch Lynne, die zickige Cartwright-Tochter, und Antiquitätenhändlerin Dorcas Clatterbuck, die das Karussell ausschlachten möchte, machen dem jungen Paar das Leben schwer. Dann wird Liz im Hause der Cartwirights die Treppe hinuntergestoßen.
SchneiderBuch preist dieses dünne Büchlein von 1984 als besonders spannenden Romantik-Thriller an, die Reihe “SchneiderBuch zum Träumen” war dort etwas wie der Vorläufer zu Young Adult; das US-Original “The Silvery Past” gehört zur Reihe “Windswept/80s teen romance). Teen romance ja, besonders spannend oder Thriller nein – ein kleiner Hauch “gothic romance”, okay. Der deutsche Verlag machte aus der Protagonistin Tyler James kurzerhand Liz James; eine verbreitete Unsitte, weil Verlage wohl oft das Gefühl hatten, ihre deutschen Leser seien zu doof. Es passiert nicht so wirklich viel, die Verdächtigen rekrutieren sich aus einer überschaubaren Personenzahl, es gibt am Ende sehr viel Zuckerguss mit Friede, Freude, Eierkuchen, wo vorher Entfremdung und Sprachlosigkeit herrschten, Craigs “Geheimnis” ist ein Witz.
Dafür bleibt offen, warum denn nun die Eltern des verstorbenen Vaters von Liz nicht mit ihrer Mutter auskamen – ein Handlungsstrang, der einfach versandet. Wieso Liz Bayview Manor, das Anwesen der Cartwrights, als bedrohlich empfindet, erschließt sich mir auch nicht. Ah, klar, braucht man wegen der Atmosphäre.
Und dann gibt es diesen Augenrollen-Moment, als Liz vor Craig steht und von diesem gebeten wird, ihm bei der Rettung des Karussells zu helfen. Sie hat quasi diese völlige Klarheit, dass sie dafür ihre Träume von New York und der Schauspielerei aufgeben muss. Jetzt. Für ihn. Klar. Tut sie. Sollten ja alle jungen Frauen tun.
“Craig konnte es nicht gewesen sein. Nicht mein Craig.” S. 127 Sonst eher Händchenhalten und Küsschen, mit gerade noch erträglichem Geschmachte.
Es gibt so die alten Bücher, die warme Gefühle auslösen. Dieses lässt mich ziemlich kalt und kommt mir eher sehr beliebig vor.
Einziger Spaßfaktor: die Beschreibung der Kleidung. Absolut DER Ritt in die 80er.
2 Sterne.
...meine Aktion, Bücher zu entrümpeln, ist in dieser Form zwar vielleicht etwas unüblich (okay, wundert bei mir jetzt vielleicht weniger), aber: läuft. Das Buch darf gehen.