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Schwarzer Oktober

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Hamburg, 1923. Klara Schindler ist neunzehn und hat ihre kleinbürgerliche Zukunft hingeschmissen, nachdem ihr Vater sie in den Armen der Klavierlehrerin erwischt hat. Nun lebt sie in einem düsteren Kellerloch in Hamburg-Barmbek, geht stempeln oder schlägt sich als Tagelöhnerin durch. Ohne Klavier, aber mit revolutionärer Begeisterung. Denn es herrschen Hyperinflation, Hunger und Arbeitslosigkeit, immer wieder wird gestreikt, und eine neue, bessere Gesellschaft scheint so dringend nötig wie greifbar. Klara begeistert mit ihrem Redetalent die Jugend für die KPD, sie selbst ist begeistert von Ketty Guttmann, KPD-Abgeordnete, Frauenrechtlerin und Journalistin. Ketty gibt eine Zeitschrift zur Organisation der Sexarbeiterinnen auf St. Pauli heraus und ist auch sonst ganz anders als die moskauhörigen Parteioberen, die Klara kennt. Klara schwärmt für Ketty, aber verliebt ist sie in Selma, die als Taschendiebin und Schein-Prostituierte wohlhabende Männer ausraubt und überhaupt keine Lust auf Fabrikarbeit hat. Ihre Lebenslust steckt Klara an. Doch in Hamburg geht der »Schnitter« um, der Prostituierte angreift. Eines Tages erwischt er auch Selma, und überhaupt scheint er seine Opfer verstärkt in Klaras Freundeskreis zu suchen. Als auch Ketty überfallen wird, ahnt Klara, in welcher Gefahr sie selbst schwebt. Der ersehnte Aufstand in Barmbek wird zur blutigen Katastrophe und Ketty flüchtet nach Moskau. Ein Jahr später kommt sie zurück, desillusioniert und voller Wut auf die deutschen Kommunisten. Klara muss sich entscheiden. Doch auch der »Schnitter« ist wieder aufgetaucht ...

167 pages, Kindle Edition

Published September 4, 2023

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About the author

Robert Brack

85 books1 follower
Robert Brack (born Robert Gutberlet) is a German journalist, translator, and author, best known for his crime novels. He lives and works in Hamburg.

Brack also writes under the pen name Virginia Doyle.

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Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Great-O-Khan.
488 reviews138 followers
February 1, 2024
In "Babylon Berlin" singt Bryan Ferry. Glamour schwebt durch die Welt der 1920er Jahre. In "Schwarzer Oktober" gibt es keinerlei Glamour oder auch nur Licht. Hier ist Schmutz und Elend und Inflation. Hier wären die Lieder von Tom Waits der angemessene Soundtrack.

Der Roman spielt in den Jahren 1923 und 1924 in Hamburg. Klara Schindler ist die neunzehnjährige Protagonistin, die Tagebuch schreibt. Sie lebt in einer schimmeligen Kellerwohnung. Oft flieht sie aus diesem Loch in das Nachtleben. Sie schuftet im Akkord in einer Fabrik. Sie ist in der KPD aktiv und erlebt den Barmbecker Aufstand. Der kriminalistische Aspekt kommt durch den Schnitter ins Spiel. Es ist ein Mörder, der mit einer Waffe, die einem Skalpell ähnelt, seine Opfer verletzt oder tötet.

Im ersten Drittel funktioniert die Tagebuchform sehr gut. Durch die stakkatohaften Sätze und die eingeschränkte Perspektive entsteht eine gewisse Spannung. Als Leser versucht man die beschriebene Umgebung zu erfassen. Das ist interessant. Dann nutzt sich die Form aber ab und stößt an ihre Grenzen. Der Kriminalfall bietet leider wenig Spannung. Warum das Buch vom Deutschlandfunk auf Platz drei der Krimi-Bestenliste für Januar 2024 geführt wird, ist mir ein Rätsel. Als Gesellschaftsroman funktioniert das Buch im ersten Drittel sehr gut. Danach war für mich leider die Luft raus.
Profile Image for Achim ('akim) Schmidt.
237 reviews
September 15, 2024
Wer einen historischen Hamburger Regionalkrimi erwartet wird enttäuscht werden. „Schwarzer Oktober“ ist vielmehr ein Sittengemälde des Proletariats sowie der Spannungen zwischen Sowjetrussland, Kommunisen, Gewerkschaften und Sozialdemokraten der 1920er Jahre:

»Denn zum Menschsein gehört die Arbeit, und zum Proletsein die Fabrik. «

Hinzu kommt die sehr eindrücklich geschilderte Situation von Homosexuellen, insbesondere „Menschinnen“, die versuchen gegen und mit der bürgerlichen Doppelmoral zu (über-)leben:

»Die Prostitution ist eine notwendige soziale Institution der bürgerlichen Gesellschaft, ebenso wie Polizei, stehendes Heer, Kirche, Unternehmerschaft.«

Alles in allem definitiv lesenswert und am Ende doch auch irgendwo noch ein Krimi - aber eben nur nebenbei.
Profile Image for Gabrielle.
46 reviews2 followers
October 31, 2025
Dieses Roman hat den Verdienst die Not und Agitation in der Arbeiterinnenviertel Barmbek am Vorabend des Hamburger Aufstandes 1923 darzustellen, ohne dabei zu verstummen inwieweit diese vereinzelte Aufstand zur Stalinisierung der KPD beigetragen hat. Was für eine längere Zeit die Möglichkeit eine Revolution in Deutschland verzögerte.
Dazu kommt dass die Darstellung der Not auch die Situation von Kontrollmadchen einschließt. Dabei kann er sich auf der Zeitung der Pranger und Zitate von A.Bebel beziehen, um zu zeigen dass der sozialistische bzw kommunistische Bewegung diese Frage thematisierte, ohne dabei in eine Idealisierung zu verfallen
Allerdings ist das Krimi-Element sehr künstlich und verstärkte gar nicht die Stimmung oder Botschaft schuff eher bei mir eine Verwirrung. Das letzte Drittel hat mir ziemlich enttäuscht und den paar Klara Selma fand ich iwie künstlich
Profile Image for Elmo.
97 reviews
December 25, 2024
3,5 Sterne

Als Kriminalroman etwas schwach: Der Täter ist früh erkennbar, sein Auffliegen ereignislos, sein Ende wenig überraschend. Dennoch baut die Präsenz des Schnitters eine konstante Bedrohung auf, die durch die Angst der Hauptfigur spürbar wird. Besonders spannend ist der Einblick in ihr Innenleben: ihre ideologische Sehnsucht, ihr Streben nach Anerkennung in der kommunistischen Bewegung und ihr Kampf als (homosexuelle) Frau gegen die Ignoranz (nicht nur) ihrer männlichen Genossen.
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