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Kreuzfahrer von heute.

Hardcover

Published January 1, 1962

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Stefan. Heym

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August 28, 2026
Das Buch ist oft rezensiert worden und ich muss nicht viel dazu sagen: 1948 schrieb Heym im Vorwort, das in der deutschen Fassung das Nachwort ist: "Bücher werden jedoch nicht nur für das Jahr geschrieben, in dem sie erscheinen, und Bücher, deren Thema der zweite Weltkrieg ist, werden im Laufe der Zeit die Patina der Geschichte annehmen." (961) Patina? Das Buch beschreibt Geschichte lebendig und bleibend, weil es wesentliche Züge damaliger Befindlichkeiten und bis heute weiter wirkender Interessen-Konstellationen von Menschen unterschiedlicher sozialer Schichten richtig einfing. Und es ist einfach gut geschrieben und gekonnt komponiert.

Ein Beispiel für Aktualität? "Wenn wir in den Staaten jemals Faschismus haben, wird die deutsche Fassung wie ein Schäferspiel dagegen wirken." (98) - Hier wird die Möglichkeit von Ereignissen angedeutet, die später vom Korea-Krieg bis zu Donald Trump reichen und deren Folgen bis in den kommenden Tech-Faschismus des Silicon Valley hinein noch nicht abzusehen sind. Hier zeigt sich Heyms wacher und kritischer, absolut unheroischer Blick auf die amerikanische Armee und die oft fragwürdigen Motive Einzelner. Daher kommt einer der Protagonisten im Zusammenhang mit ein bisschen Utopie (Demokratie usw.) zu der hoffnungslosen Frage: "Aber wurde nicht der ganze Krieg für solche aussichtslosen Dinge geführt?" (323) Jedenfalls will der kommandierende General davon nichts wissen: "Ein Krieg muß auf diktatorischer Grundlage geführt werden -". (384) Dem jungen Bing, ein Teil des Alter Ego von Heym, nimmt das alle Ideale und er stirbt desillusioniert, obwohl er anerkennt: "In der kritischen Stunde erwiesen sie [die Soldaten-F.S.] sich als Bürger der Republik." (594)

Faszinierend übrigens, wie Heym die Wirkung einer emanzipierten Frau auf die Männer ihrer Umgebung beschreibt, die Eifersüchteleien, die Verliebtheiten, die zivilisierende Rolle des Weiblichen. Ganz realistisch wird aber auch die andere Seite erfasst: Die Abwertung des Weiblichen unter den Soldaten, der Umgang mit Prostituierten oder einfach mit Frauen, die in der Zeit der Not ein Auskommen suchen. So habe ich die Männer bei der Armee erlebt und so wird es wohl bleiben, solange es solche unmenschlichen Organisationen gibt.

Was ist zum Aufbau zu sagen? Heym bemüht sich vom soldatischen Kampf über die Befreiung eines KZ bis hin zur Besetzung und Verwaltung einer deutschen Stadt mit dem Tauziehen um die Frage, ob man bruchlos mit dem deutschen Kapital oder doch eher mit den Antifaschisten zusammenarbeiten sollte, so viele Facetten des damaligen Geschehens wie möglich zu erfassen. Und es gelingt ihm überzeugend: Weder versteckt er seine politischen Überzeugungen, die auf Seiten derer stehen, die sich um einen demokratischen und antifaschistischen Aufbau bemühen, noch trägt er mit Blick auf die "rote Linie" des Buches, die von aller Politik unberührte versuchte Anbahnung von amerikanischen Geschäften mit einem deutschen Stahltrust, zu dick auf. Der kluge Autor wusste, dass die amerikanischen Leser/innen für den Kommunismus nicht bereit waren und dosierte seine Überzeugungen so, dass sie erkennbar blieben, ohne zu verstören. Gut gemacht und gerade deshalb bis heute ungebrochen wirksam.

Warum ist das Ganze nun ein Kreuzzug? Gegen Ende des Buches wird mehrmals darauf angespielt: Im Angesicht der Gräuel des KZ verstehen die Soldaten erstmals den tieferen Sinn ihres Kampfes, der, wenn man so will, ein Kreuzzug ist gegen das Böse und für die an die Marter des Kreuzes Geschlagenen. Aber es ist auch die Fortführung dieses Kreuzwegs in den eigenen Reihen, ein Kampf um die Durchsetzung von ein bisschen Gerechtigkeit. Man ahnt, dass dieser Kampf erst begonnen hat und trotz eines kleinen Teilsiegs der wichtigsten Protagonisten am Ende im Wesentlichen erfolglos bleiben wird. Was er ja auch bis heute ist. Kann man ein Buch ob seiner Weitsicht mehr loben? Auch deshalb ist es aktuell und sollte immer wieder neue junge Leser/innen finden. Ihnen, denen diese Zeit schon fern ist, sei das Buch besonders empfohlen. Es ist die ideale Ergänzung für jeden Geschichtsunterricht und über 900 Seiten kein bisschen langweilig, höchstens auf den ersten Seiten etwas zäh. Also, uneingeschränkt empfehlenswert.
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