Der Reiseleiter, ein um die 40 Jahre alter Mann, fährt in seinem selbst umgebauten Bus eine Gruppe Touristen auf der Suche nach der Exotik der Sahara durch die Wüste in die zentral-algerische Oasenstadt Timimoun. Das interessante an dem kurzen Roman, ist vor allem die konflikthafte Kindheit, das schwierige Verhältnis zum (klassisch-freudianisch anmutenden) abwesenden Vater und der entstehende Ekel gegenüber Frauen, exemplarisch an seiner Mutter ausgeprägt, sowie der frühe Tod seines älteren Bruders durch einen Unfall. Diese - etwas zu klar dargelegte - Unzufriedenheit mit seinem Leben, mit Kastrationswünschen und mehr oder weniger klaren suizidalen Tendenz in der Zeit als Luftwaffenpilot, mit Alkohol- und Drogensucht wird in diesem linear verlaufenden kurzen Roman nach und nach enthüllt und scheint einer Lösung zuzustreben. Schließlich ist die blonde, blauäugige, jünglinghafte - sie gleicht einem Schulfreund, den er womöglich geliebt hat - Sarah das Objekt seiner Blicke in den Rückspiegel, seine Erlösungsphantasie - der er aber als alternder Mann nicht gerecht zu werden vermag.
Die Spannung der inneren Konflikte, die rassistischen Überlegungen gegenüber dem zwischenzeitlich getroffenen Reiseliebhaber Sarahs und da sich selbst verzehren bringen den Roman in eine gewisse Spannung und doch scheint das Scheitern der eigenen Erlösung, der endlich doch gefundene Ekel vor Sarah nicht zwingend zu sein, sondern immer noch ein Stück weit überraschend. Der Roman ist mir also in jeder Hinsicht ganz hoffnungslos erscheinend, fernab jeder Lösung - und bleibt vor allem einer irgendwo doch sehr stereotypen Männlichkeit verhaftet. Auch die immer wieder eingefügten Nachrichtenausschnitte über Anschläge, über den Ende der 80er/Anfang der 90er beginnenden Bürgerkrieg bleiben am Rande: schließlich will Sarah davon nichts wissen. In gewisser Weise steht sie als Symbol der Ignoranz ganz für Europa - und seine Überlegung die Sahara lange nicht an Fremde und damit an den Tourismus verkaufen zu wollen-, der männliche Blick darauf löst aber das wiederum etwas auf und lässt die Konturen eines solchen Interpretationsansatzes verschwimmen. Zumindest mich überzeugt der Roman so leider nicht ganz.