Henriette bleibt am liebsten zu Hause, während das Leben vor ihrem Fenster stattfindet. Ihre Mutter, die in der Wohnung über ihr lebt, möchte das Leben ihrer fünfzigjährigen Tochter kontrollieren, sie lässt sie nicht in Ruhe, kommentiert jede Essensbestellung, jede Kleiderwahl, die Henriette trifft. Denn Henriette hat 190 Kilo und das dominiert ihre Existenz. Der einzige Lichtblick ist ihr Arbeitskollege, den sie nur vom Zoom-Bildschirm kennt und der so schöne Augen hat. Henriette verliebt sich in ihn, auch wenn sie sich das selbst nicht zugesteht. Als sie eines Tages ihre schwangere junge Nachbarin kennenlernt, beginnt Henriette sich und ihre Welt zu öffnen. Gelingt es ihr, sich von ihrer Mutter zu lösen und einen Schritt in die Zukunft zu wagen?
Henriettes Leben spielt sich nur in ihrer Wohnung ab, ihre Gedanken kreisen um ihr Gewicht und Essen. Dieses eintönige Leben ändert sich eines Tages..
Die ersten 100 Seiten empfand ich als trocken und trostlos, der Schreibstil war trotz der Einblicke in Henriettes Gedanken irgendwie unpersönlich und abgehackt. Danach blüht Henriette auf und mit ihr die Erzählung. Durch ihre Mutter, die ständig kritisiert und kontrolliert, hatte sie bestimmt eine schwierige Kindheit, die wahrscheinlich auch zu ihrem Gewicht und dem schwierigen Verhältnis zum Essen beigetragen hat. Während ich zu Anfang nicht ganz warm wurde mit Henriettes Charakter, wuchs sie mir im Laufe des Buches immer weiter ans Herz und ich konnte mir ihr fühlen. Die Autorin schafft es, eine Entwicklung der Protagonistin zu zeigen, die nicht den gesellschaftlichen Körperidealen entspricht, ohne den Fokus auf das abnehmen zu legen. Auch die anderen Charaktere sind warmherzig und eigensinnig beschrieben, ohne klischeehaft zu sein. Manchmal ist die Erzählung eher bildhaft (wie die Beschreibung der Margerite im Herzen), dann wieder nüchtern, das macht es auf eigensinnige Weise liebenswert und besonders. Der Schreibstil ist durch das Fehlen der wörtlichen Rede eher gewöhnungsbedürftig, die kurzen Kapitel geben der Erzählung etwas bruchstückhaftes. Während des Lesens gewöhnt man sich zwar daran, ich bin jedoch kein großer Fan davon. Besonders gut gefallen hat mir das Cover durch die Haptik und den schönen Druck.
Insgesamt eine schöne Erzählung über die kleinen und großen Probleme des Alltags und wie kleine Begegnungen unser Leben verändern.
Wie schön, dass Henriette mich angelächelt und mich auf den ersten Blick verzaubert hat. Das Cover macht Laune, die Margeriten, der Titel, die ganze Aufmachung laden direkt ein, das Buch näher zu betrachten. „In Henriettes Herz blüht heimlich eine Margerite.“ Ist das nicht schön, so lebensbejahend? Ich finde schon, auch wenn sich Henriette mir zunächst ganz anders präsentiert, denn sie schleppt 190 Kilo mit sich rum. Die Pandemie kommt ihr gerade recht, sie kann von zuhause aus arbeiten. Die Außenwelt betrachtet sie eher durch das Fenster, sie zieht sich immer mehr zurück. Was soll sie in einem Lokal, in dessen Stühle sie immer weniger passt? Da bestellt sie doch lieber all die Köstlichkeiten frei Haus, die sie dann massenweise verschlingt. Genießen ist eher Nebensache, ihre zwei angedachten Mägen wollen gefüllt sein. Und auch wenn ihr ihre Mutter immer wieder ins Gewissen redet, so lässt Henriette sich gehen – es sieht ja keiner. Naja, Martin schon. Zumindest sieht er sie auf dem Bildschirm in ihren täglichen Meetings. Nicht nur in seine grünen Augen hat sie sich verguckt, sie träumt von ihm, sie verstehen sich gut. Wäre da noch Sonja mit ihren Kindern, das Vierte wird auch bald da sein. Henriette nimmt ihren ganzen Mut zusammen und fragt, ob sie bei ihr putzen würde.
Henriettes Mutter ist immer dann sehr präsent, wenn Henriette Unmengen an Essen bestellt, wenn die Wäscheberge immer größer werden, das dreckige Geschirr sich stapelt. Henriette kann sich immer weniger bewegen, jeder Schritt will gut überlegt sein. Und bücken – geht meist gar nicht.
Das Buch hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Die kurzen Kapitel sind sehr sinnig übertitelt, Andrea Heinisch schreibt federleicht und sehr poetisch. Einmal angefangen, kann man sich dem nicht mehr entziehen. Sie erzählt Henriettes Geschichte und lässt viel Ungesagtes mitschwingen. Man beginnt zu verstehen, was mit der Mutter ist, Henriettes Welt wird ein Stück größer, sie knüpft zunächst zaghafte Kontakte, sie öffnet sich ein Stück weit. Ihr verstecktes Leben jenseits der gesellschaftlichen Normen hat mich nachdenklich werden lassen. Verurteilt man sich oftmals zu schnell und vergisst, den Menschen dahinter zu sehen?
Und jetzt, nachdem ich Henriette näher kennengelernt habe, lächle ich zurück. Das schwergewichtige Thema kommt leise und sehr feinsinnig daher, Andrea Heinisch trifft mit ihrem wunderbaren Erzählstil den genau richtigen Ton. Ein lesenswertes Buch, dessen Ende hoffen lässt.
Bei diesem Buch ist mir zuallererst die wunderschöne Aufmachung des Picus Verlag aufgefallen. Sowohl die Covergestaltung, als auch die Haptik sind sehr ansprechend! Der Klappentext hat mich neugierig auf dieses Buch gemacht. Schon zu Beginn des Buches wurde mir klar: Der Schreibstil von Autorin Andrea Heinisch und ich werden keine all zu großen Freunde. Satzbau und Formulierungen habe ich teils als umständlich und holprig empfunden. Auch waren mir Zeitsprünge nicht immer klar, so dass ich in einigen Kapiteln emhr verwirrt als klar war. Die Kapitel selbst sind sehr kurz, was für mich aber angenehm zu lesen war und den Lesefluss nicht weiter gestört hat. Henriette selbst ist eine sehr interessante Protagonistin, die einiges im Leben erleiden musste. Vor allem der Umgang der Mutter mit ihr hat mich richtiggehend wütend gemacht. Hier war es für mich schwer auszuhalten und ich musste das Buch öfter beiseite legen. Ich habe während des Lesens aber dennoch keinen emotionalen Bezug zu Henriette selbst aufbauen können, sowohl sie als auch alle weiteren Charaktere blieben eher blaß, wurden gefühlt mit viel Abstand dargestellt. Nichtsdestotrotz schafft es die Autorin eine Perspektive zu schaffen, die häufig nicht gehört wird, bzw. überhaupt zur Sprache kommt. Das fand ich gut und macht dieses Buch zu etwas besonderem. Insgesamt stehe ich diesem Buch ambivalent gegenüber, es greift ein wichtiges Thema auf, die zweite Hälfte hat mir auch ingesamt besser gefallen als die erste, dennoch bin ich mit dem Schreibstil und dem emotionalen Abstand zu den Figuren nicht so gut zurecht gekommen.
Henriette ist zu dick. 190 kg bringt sie auf die Waage. Putzen und die tägliche Hygiene fallen ihr schwer. Freunde hat Henriette schon lange keine mehr, denn ihr Leben spielt sich in ihrer Wohnung ab, meistens zwischen dem Laptop und dem Kühlschrank. Alle Gedanken kreisen um das Essen. Ihre Mutter, die direkt über der 50-Jährigen wohnt, springt ein und kontrolliert Henriettes Leben - was sie isst, trägt oder wen Henriette zu treffen hat. Die kleinen Sticheleien übergeht Henriette und schluckt sie - mit etwas Essen im Munde - herunter. Henriette zieht sich aus der realen Welt immer mehr zurück, das Getuschel über sie und ihren Körper ist allgegenwärtig. Doch dann, mitten in der Corona-Homeoffice-Zoom-Meeting-Zeit, lernt sie ihren Kollegen Martin kennen und verliebt sich direkt in seine grünen Augen. Ob das eine Wende in Henriettes Leben wird, müsst ihr allerdings selber herausfinden ...
In kurzen, knappen und ehrlichen Sätzen erzählt Andrea Heinisch den Leidensweg einer viel zu schweren Frau. Doch es geht nicht nur über Vorurteile gegenüber dickeren Menschen, sondern wir erfahren auch, warum Henriette sich damals überhaupt in Fressattacken flüchtete und ihren Halt im Essen fand. Der Schreibstil ist sehr ungewöhnlich und vieles musste ich doppelt lesen, dennoch habe ich mit Henriette sympathisiert und gelitten. 3½ /5
Ein unbequemes Problem mit ehrlicher Analyse skizziert Das Cover wirkt durch die großflächige Abbildung von Margeriten auf schwarzem Grund ansprechend. Ernste Themenbereiche im Leben der 50-jährigen Henriette werden aufgegriffen: Ihr zu hohes Körpergewicht von 190 Kilogramm und den damit verbundenen Beeinträchtigungen für Leib und Seele und ihr schwieriges Verhältnis zu ihrer übergriffigen, sie stark bevormundenden Mutter. Die unsympathische Mutter bildet charakterlich den Gegenpol zur todunglücklichen, gestressten Tochter, der man gerne Mut zusprechen wollte. Mit dem Tod der Mutter enden auch deren erniedrigenden Beleidigungen. In deren Wohnung ziehen neue Leute ein, die den Kontakt zu ihr suchen ebenso wie die junge Mutter ein Stockwerk tiefer mit ihrem Baby. Über den Arbeitskollegen Martin ergeben sich ebenfalls neue berufliche Perspektiven, so dass sich das persönliche und berufliche Umfeld stark verändern und einen Wandel in Henriette bewirken. Das anfangs dominante Problem mit der morbiden Adipositas tritt inhaltlich nach und nach in den Hintergrund. Der Schreibstil ist ungewohnt, passt aber zum bizarren Mutter-Tochter-Verhältnis, wehmütig verzerrt durch. viele Wunschträume beiderseits. Der Prozess von Henriettes Emanzipation ist nachvollziehbar.
Ich habe mich sehr gefreut, dass ich auf der Wiener Buchmesse ein signiertes Exemplar dieses Romans von Andrea Heinisch habe.bekommen Ich finde das Cover wunderschön und positiv sodass ich es alleine deshalb schon haben wollte.
Der Roman handelt von der Protagonistin Henriette und wird auch aus ihrer Sicht geschrieben. Henriette ist stark adipös und arbeitet als Buchhalterin seit Corona von zu Hause aus und zieht sich mehr und mehr zurück.
Das Buch ist in kurze Kapitel unterteilt und beschreibt Großteils Henriettes Leben und alltägliche Hindernisse die ihr aufgrund ihres starken Übergewichtes begegnen.
Ich persönlich fand das Lesen des Buches sehr kurzweilig, da es in der Sprache sehr direkt und auf den Punkt kommend geschrieben ist. Die Gedankenwelt oder etwa auch ein Gedankenkreislauf der eine stark Übergewichtige Person begleiten kann, wird auf sehr eindringliche Weise dargestellt. Im Zuge dessen hat es mir alltägliche Probleme aufgezeigt, mit denen Menschen mit Adipositas im alltäglichen Leben zurecht kommen müssen und hat mich daher ein Stück weit sensibler und aber auch nachdenklich gemacht. Wieviel schwerer das Leben sein kann oder die Gesellschaft es Menschen machen, wenn diese nicht den 0815 Normvorstellungen entsprechen.
„Henriette lächelt“ war ganz anders, als ich es erwartet hätte. Die Protagonistin Henriette wiegt 190 Kilo – (fast) alles in ihrem Leben dreht sich um ihr Gewicht. Ihre Geschichte ist dennoch eine sehr zarte; zumeist zumindest. Zaghaft und zart wird beschrieben, wie sie zu sich findet und gleichzeitig den Weg aus der Einsamkeit. Schwerwiegender als ihr Körpergewicht sind Andeutungen über Gewalterfahrungen, die sie machen musste: auf ganz unterschiedliche Art erfuhr sie Gewalt durch die Eltern und tut sich gleichzeitig mit dem Verlust der beiden schwer; durch einen der vielen Liebhaber der Mutter wurde ihr sexuelle Gewalt angetan und gleichzeitig überließ er ihr einen ihrer größten Schätze – ihr Klavier. Der Schreibstil, den ich wohl am ehesten mit stream of consciousness vergleichen würde, eignet sich hervorragend für diesen Roman, da sich Henriettes Leben hauptsächlich im Inneren abspielt: im Inneren ihrer Wohnung (dem Lockdown/Homeoffice sei Dank), im Inneren ihres Körpers, in ihren Gedanken. Je mehr sie sich öffnet, desto weniger Raum nehmen all diese Dinge ein. Das Ende war mir ein bisschen zu abrupt, ein bisschen zu offen.
Zum Inhalt: Henriette geht nicht gerne vor die Tür, denn mit ihren 190 Kilo ist alles eben nicht so leicht und in der Wohnung leichter zu ertragen. Ihre Mutter, die über ihr wohnt, will alles in Henriettes Leben kontrollieren und lässt sie nicht in Ruhe und kommentiert, alles was sie tut. Henriettes einziger Lichtblick ist Kollege Martin, auch wenn sie ihn nur durch Zoom-Meetings kennt. Dann lernt sie die junge, schwangere Nachbarin kennen und sie beginnt sich dem Leben zu öffnen. Meine Meinung: So richtig weiß man am Anfang gar nicht, wohin das Buch einen führen wird, aber gleich von Anfang an nimmt einen das Buch mit. Ich habe mir noch nie wirklich Gedanken gemacht, wie es wohl sein mag mit so einer Körperfülle zu leben. Und wie viel schlimmer es dann noch sein muss, wenn die eigene Mutter ständig meckert und damit eigentlich noch alles schlimmer macht. Am Ende fand ich das ein super tolles Buch, dass Mut machen kann und es ist auch wirklich gut geschrieben. Fazit: Hat mir gefallen
In „Henriette lächelt“ bekommen wir Einblick in das Leben von Henriette. Sie ist Buchhalterin, 50 Jahre alt und wiegt 190 kg, die sich in ihrem Alltag bemerkbar machen. Ihre Mutter wohnt über ihr und kann es nicht sein lassen, sich in ihr Leben einzumischen oder ihre Meinung kundzutun. Die zu Beginn sehr isolierte Henriette durchläuft im Laufe des Buches eine bemerkenswerte charakterliche Entwicklung und wird offener, sodass sie Bekanntschaften schließt und den Kontakt zu Mitmenschen sucht. Das Buch ist in kurze Kapitel eingeteilt, die sprunghaft Erlebnisse und Ereignisse aus ihrem Leben widerspiegeln.
Ich beschäftige mich privat in letzter Zeit vermehrt mit den Themen Bodyshaming und Bodypositivity und den Einblick in die Gefühlswelt einer Betroffenen fand ich sehr bereichernd, zumal ich Henriette auch von Anfang an ins Herz schloss und die Schilderungen gut nachempfinden konnte. Ich kann dieses Buch wirklich empfehlen, es war eine schöne Leseerfahrung!