Vielleicht vorneweg: Ich hatte vor diesem Werk noch nichts von Schmid gelesen, und vielleicht wird so ein dünnes Büchlein wie "Schaukeln" seinem Schaffen auch nicht wirklich gerecht. Mich haben die 100 Seiten im Mini-Format nicht so begeistert. Klar, der Akt des Schaukelns ist ein vortrefflicher Metapher auf das Leben: Man muss sich bemühen, um Schwung zu bekommen; leichter geht's, wenn einem andere dabei helfen; irgendwann ist der höchste Punkt erreicht und es geht wieder abwärts – dann aber eben auch wieder aufwärts; bei zu viel Tempo wird einem leicht flau im Magen. Und so weiter. Insgesamt waren mir da einfach zu viele psychologische Kalendersprüche dabei, und was mir auch nicht so gefallen hat, sind die ständigen Anglizismen ("best practice", "from worst to first", "nose dive"), die dann auch noch kursiv gesetzt sind, um auf sie aufmerksam zu machen.
Trotzdem hat mich das Buch berührt: Denn in und mit ihm betrauert Schmid den frühen Tod seiner Frau, und das ist gar nicht kalenderspruchhaft, sondern sehr persönlich und ehrlich. Er berichtet vom Zweifel, die ihn befallen, wie denn überhaupt ein gelungenes Leben ohne den einen geliebten Menschen aussehen kann. Aber auch von der Hoffnung, dass auch der tiefste Winter irgendwann zu Ende geht und die Schaukel wieder nach oben schwingt. Und da hat mich die Kunst der kleinen Lebensfreude dann trotz allem gepackt.