Valentina und ihr Zwillingsbruder, Emiliano, ziehen nach dem Tod ihrer Mutter auf den Wunsch ihres Vaters, mit ihm zusammen von Mexiko nach Irland, um das Trinity College zu besuchen. Dieser Umzug kommt Valentina leider überhaupt nicht gelegen, da sie am nächsten Tag der Toten zum ersten Mal ihre verbogene Gestalt der La Catrina annehmen wird. Zeitgleich outen sich die Drachen der irischen Allgemeinheit in der Hoffnung Unterstützung gegen ihre Gegner zu erhalten, was eine Spaltung der Gesellschaft nach sich zieht – diejenigen, die den Drachen helfen möchten und diejenigen, die den Drachen skeptisch gegenüber stehen und sie von der Bevölkerung abschirmen möchten. Valentina fühlt sich alleine gelassen, lernt aber dann Lili kennen, in der sie hofft eine Vertraute gefunden zu haben.
Dies ist der erste Teil einer Dilogie. Die Geschichte ist aus drei Perspektiven erzählt, Valentinas, Emilianos und Lilis.
„Flowers & bones“ war das erste Buch, dass ich von dieser Autorin gelesen und ich bin etwas verwundert, dass mir ihre Bücher mit den schönen Covern noch nie aufgefallen sind, vor allem in Anbetracht dessen, dass es noch zwei weitere Dilogien mit Fantasy Elementen von Sandra Grauer gibt. In einem Vorwort wird von der Autorin auch auf die Dilogien „Clans of London“ und „Flame & Arrow“ hingewiesen und dass sich in der „Flowers & Bones“ Dilogie „Easter Eggs“ zu den anderen Dilogien enthalten. Nachdem ich aber das Buch und den Klappentext zu den anderen Dilogien gelesen habe, würde ich die anderen Dilogien eher als Vorgeschichten einstufen. "Clans of London" befasst sich nämlich mit der Geschichte der Hexen und „Flame & Arrow“ mit der Geschichte der Drachen. Beide Dilogien liegen in ihrer Handlung vor „Flowers & Bones“ und werden meines Erachtens auch stark gespoilert. Ohne die anderen Bücher gelesen zu haben, konnte ich den Geschehnissen im Buch zwar folgen, allerdings hat es mir vor allem, was die Drachen anging viel an Kontext gefehlt, weshalb mir viele Elemente der Geschichte als sehr trivial und oberflächlich herübergekommen sind, obwohl diese es vielleicht nicht sind. Ich hatte auch viele unbeantwortete Fragen zu den Drachen: Was sind überhaupt ihre Fähigkeiten? Wo wohnen sie? Haben sie schon immer unter den Menschen gelebt? Wo findet dieser Krieg statt? Wieso ist der Drachenkönig am Trinity College und nicht bei den anderen Drachen? Was ist der Bezug der Drachen zu Irland? Mich hat es sehr gewundert, dass sich weder Valentina noch andere Charaktere, die zuvor nichts von den Drachen wussten, solche Fragen gestellt habe und diese somit auch nicht beantwortet wurden. Ich denke, dass diese Fragen beantwortet wären, wenn es die vorherigen Teile nicht gäbe und man hier nicht versuchen würde eine Doppelung zu umgehen.
Auch die Spaltung, die das Auftauchen der Drachen in der Gesellschaft verursacht, war durch mein fehlendes Wissen über die Drachen nicht nahbar. Ich denke, dass hier eine gesellschaftliche Reaktion auf das „unbekannte“, gemischt mit Klassen- und Rassendiskriminierung skizziert werden sollte. Mir erschien es dann aber doch weit hergeholt, dass sich das Parlament sofort damit befasst, ob Drachen eine irische Staatsbürgerschaft erlangen sollten. (Was für eine Staatsbürgerschaft hatten sie den bisher? Wollen sie die Staatsbürgerschaft überhaupt? Was machen Drachen? Gehen sie arbeiten?). Ohne ein Grundverständnis über die Drachen können diese Diskussionen nur oberflächlich und unauthentisch herüberkommen.
Im Allgemeinen habe ich den Eindruck, dass die Idee dieser Geschichte sehr viel Potenzial hätte, dem aber nicht nachgegeben wird. Die Geschichte entwickelt sich leider nur sehr langsam und recht oberflächlich, weshalb auch nicht unbedingt viel passiert und ich mich als Leser extrem unterfordert gefühlt habe. Ich bin mir nicht sicher, ob dies dem YA Genre geschuldet ist oder es vielleicht daran liegt, dass ich die anderen Bücher nicht gelesen habe.
Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen kamen mir eher oberflächlich vor. Emiliano findet beispielsweise sehr schnell eine Verbindung zu Valentinas Mitbewohnerin und ist gekränkt, weil er denkt, dass sie ihm aus dem Weg geht. Er konfrontiert sie und sagt, dass sie ihm wichtig ist. Dabei haben sich die beiden bisher nicht häufig und immer nur sehr kurz gesehen. Das Verhalten (vielleicht auch dem Genre geschuldet) der Protagonisten ist teilweise auch sehr kindisch und unüberlegt. Emiliano verwüstet zum Beispiel das Zimmer von Valentina und ihrer neuen Mitbewohnerin ohne darüber nachzudenken, wie die beiden das belasten könnte.
Allgemein kam es mir seltsam vor, wie die einzelnen Charaktere einander unterstützt und das Gespräch miteinander gesucht haben – nämlich immer nur dann, wenn es Sinn für die Handlung gemacht hat und nicht, wenn es natürlich gewesen wäre.
Wer den Klappentext gelesen hat und sich über meine Rezension wundert – nein, dass es in dem Buch auch um Drachen geht, ist kein Spoiler. Die Drachen tauchen nämlich bereits relativ am Anfang der Geschichte auf. Wieso dies nicht im Klappentext erwähnt wird, wundert mich aber, da der Klappentext einen Eindruck von einem Buch vermittelt, das es so nicht gibt.
Ich habe das Hörbuch zu dem Buch gehört. Auch wenn Viola Müller eine talentierte Sprecherin ist, fand ich es schade, dass die verschiedenen Perspektiven nicht von verschiedenen Sprechern verkörpert wurden. Das hat es oft schwer gemacht, eine Differenzierung zwischen Sichtweisen nachzuvollziehen zu können. Besonders bei den Dialogen hatte ich durch die wenige bis nicht vorhandene Variation der Stimmlagen der verschiedenen Charaktere Probleme diesen zu folgen. Mir ist leider auch negativ aufgefallen, dass die englische/irische Aussprache (z. B. bei dem Ort Galway) im Deutschen ziemlich entstellt wurde. Das gesamte Hörbuch ist in 185 Abschnitte aufgeteilt, die aber nicht mit den eigentlichen Kapiteln des Buches zusammenhängen. Das sind meines Erachtens zu viele Abschnitte, die es auch schwieriger machen vor und zurückzuspulen und an vorherige Kapitel zurückzukehren. Eine Unterteilung wir im Buch hätte ich als angenehmer empfunden.
Ich würde dieses Buch denjenigen empfehlen, die gerne YA Literatur lesen und bestenfalls Fans der Reihen „Clans of London“ und „Flame & Arrow“ derselben Autorin sind. Unabhängig von diesen Reihen kann ich dieses Buch bedauerlicherweise nur mit 2,5 Sternen bewerten. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Muse habe, die anderen Reihen selbst zu lesen, da ich von diesem Buch etwas unterfordert war.
Vielen Dank an NetGalley und den Hörbuch Hamburg Verlag, die mir diese ALC des Hörbuchs zur Rezension geschenkt haben.