Es ist ein ganz verrückter, irrer Einblick, den man mit diesem auf Klaus Pohls während der Proben entstandenen Notizen basierenden Roman erhält, in die Verrücktheit und menschlichen Krisen namhafter Schauspieler, in persönliche und künstlerische Fragestellungen, Existenzängste und Nöte.
1999 vereint der für seine Wutausbrüche bekannte Regie-Zampano Peter Zadek auf seiner Probebühne in Straßburg für eine "Hamlet"-Inszenierung die Crème de la Crème der damaligen Theaterlandschaft. Ulrich Wildgruber, einst für seinen Bochumer Hamlet gefeiert, gibt jetzt nur eine Nebenrolle, während die Titelrolle von Angela Winkler gespielt werden soll, die sich damit überfordert zeigt und so Angst hat, dass sie irgendwann verschwindet. Wildgruber lässt währenddessen alle spüren, dass er es besser kann, Eva Mattes versucht zu schlichten, Hermann Lause wird schnell hysterisch. Und dann, wenn sich die Wogen glätten, rastet Zadek wieder aus.
Es hat ein bisschen was von Promi-Trash-TV, das dieser Einblick hinter die Kulissen einer großen Theaterproduktion bietet, und dass Schauspiel ein ungemein harter Beruf ist, wird ebenso schnell klar wie die Tatsache, dass die herrschen Cis-Männer im Kulturbereich wertetechnisch (leider) in den 90ern noch anders wüten, zetern und herrschen konnten, als das heute möglich wäre. Die Saufgelage in den Straßburger Restaurants, die selbstverliebten Reden, die Streits und Diskussionen sowie das Philosophieren hinter den Kulissen und nicht zuletzt Pohl Dokumentation einer irren Odyssee durch einen Probenprozess sind unterhaltsam lesenswert, auch wenn der bedeutungsschwangere Schauspieler-Bubble-Sprech Wildgrubers und auch Pohls passagenweise anstrengend nervig sind.