Wellershoffs zeigt Liebe als komplexes Zusammenspiel aus Wunsch, Projektion und Macht. Die Figuren handeln nicht aus klarem Kalkül, sondern aus widersprüchlichen Impulsen, die von Lebenslügen und dem Drang nach Selbstverwirklichung geprägt sind. Anjas Figur verkörpert diesen meines Erachtens diesen „Liebeswunsch". Sie will lieben und geliebt werden, ohne sich festlegen zu müssen, was jedoch mit einem Preis verbunden ist. Geht es gerade der Gen-Z nicht oft so?
Ich finde der Autor variiert in geschickter Weise zwischen den Perspektiven der Protagonisten und verwebt so ein facettenreiches Bild emotionaler Verwicklungen. Die Sprache zeichnet sich durch ihre nüchterne, beinahe distanzierte Art aus, was die psychologische Tiefe und den realistischen Sog des Romans verstärkt.
Der Liebeswunsch ist ein subtiler, aber eindringlicher Roman, der die komplexen menschlichen Verbindungen und Trennlinien beleuchtet.