Ralf Rothmann wurde am 10.05.1953 in Schleswig geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach der Volksschule (und einem kurzen Besuch der Handelsschule) machte er eine Maurerlehre, arbeitete mehrere Jahre auf dem Bau und danach in verschiedenen Berufen (unter anderem als Drucker, Krankenpfleger und Koch). Er lebt seit 1976 in Berlin.
Erzählungen von Ralf Rothmann, die selbst in ihren schwächeren Momenten noch ein gutes Gespür für ihre Figuren und Situationen besitzen, für die Zwangslagen, in die sie hineingerutscht sind. Die richtig gelungenen Erzählungen dagegen haben eine urgewaltige Kraft, sind dabei sprachlich präzise und auch immer wieder im Argot gehalten; es sind häufig Geschichten aus dem Arbeitermilieu, von wo Rothmann eben herkommt. Tagebau, Ruhrpott, Menschen, die an großen Maschinen sich ein Leben lang abgearbeitet haben. Ziemlich großartig.
#1 Das war ungefähr zu der Zeit gewesen, als ihr Mann ausziehen mußte, und sie saß auf der Bank im Garten, warf Grünsamen über das Hundegrab und sagte: »Alle lassen mich allein.«
#5 Es regnete stärker. Mit spitzen Fingern hielt Frau Neuner ihrem Mann das Würstchen hin, und er biß ein Stück davon ab, bevor er eine neue Schleife band, eine goldene.
#12 »Paß auf, Mac«, knurrte ich. »Erzähl mir nicht so'n Stuß. Das kenne ich alles aus dem Fernsehen. Wir können gern ein Stück zusammen gehen, aber wenn du unbedingt reden mußt, laß dir was Interessantes einfallen.«