Jump to ratings and reviews
Rate this book

Aussortiert

Rate this book
Berlin, ein heißer Sommer: Vier kaltblütige Morde erschüttern die Stadt. Alles deutet auf einen selbsternannten Racheengel hin, der seine Opfer wegen ihrer moralischen Verfehlungen auswählt: Sein Motiv hinterlässt er am Tatort, mit lila Tinte auf kleinen Schildchen notiert. Doch der frustrierte, leicht depressive Kriminalhauptkommissar Kai Nabel und seine übereifrige Kollegin Lidia Rauch glauben nicht an diese Lösung. Ihre kriminalistische Intuition sagt ihnen, dass dem Fall viel niedrigere Instinkte zugrunde liegen …

280 pages, Hardcover

First published February 1, 2007

10 people want to read

About the author

Helmut Krausser

74 books44 followers

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
1 (4%)
4 stars
8 (38%)
3 stars
6 (28%)
2 stars
5 (23%)
1 star
1 (4%)
Displaying 1 of 1 review
Profile Image for Klaus Mattes.
757 reviews11 followers
June 15, 2025
Im Nachwort schreibt Helmut Krausser, Stammleser hätten wohl bemerkt, dass er jedes Mal ein völlig anderes Buch zu erschaffen versuche. Sich vor Thomas Hettches „Fall Arbogast“ verneigend enthüllt er, dass er diesen Berliner Krimi mit Serienmorden zuerst unter dem Tarnnamen Titus Keller 2007 bei Eichborn hat erscheinen lassen. Die Kritik, die es als Debütantenwerk auffassen musste, habe es freundlich, aber nicht gerade überschwänglich aufgenommen. Das Keller-Pseudonym sei inzwischen verbrannt.

Vergleicht man das hier mit den gedanklichen und formalen Frechheiten der auch im Jahr 2007 erschienenen Novelle „Kartongeschichte“, kommt man darauf, wie risikoscheu der deutsche Krimileser offenbar ist, bzw. auf welch konventionelle Kost seine Verlage ihn gesetzt haben. Das ist schon solide gemacht, zieht einen unweigerlich mit sich, von der ersten bis zur letzten Seite, klappert aber nur allseits bekannte Schablonen aus „tausend Jahren“ deutscher Fernsehkrimi-Unterhaltung ab.

Den Hintergrund bildet eine unternehmerische Elefantenhochzeit von internationalen Kartellen für Koks- und Mädchenhandel. In diesem Milieu hat eine geheimnisvolle Dame beschlossen, dass ein zu lästig gewordener Reporter von der „Schweinezeitung“ von der Bildfläche zu verschwinden hat. Die Exekution des Medienmenschen könnte zu viel Staub aufwirbeln, also wird die Mordserie eines übergeschnappten Einzeltäters inszeniert. Dass Krausser sein „Seven“ genossen hat, ist unübersehbar. Wo die Dunkelmänner diese Fiktion vom Serienmörder nun schon mal haben, können sie der Versuchung nicht widerstehen, auch noch einen weiteren Menschen, der ihnen im Weg steht, unter die „zufälligen“ Opfer zu mischen.

Kommissar Kai Nabel, der wie üblich männlich gebrochene Held, er trinkt zu viel, hat Depressionen und ist hoffnungslos in eine Kollegin verliebt, dürfte schon mittels zäher Routinearbeit auf die Verschwörung stoßen. Aber dann hilft auch noch der Zufall nach. Die Kripo-Profilerin Lidia Rauch entwickelt gerade ihr Kokain-Problem und ist auf den „Mittelsmann“ Pfeifer angewiesen, der einerseits Verdeckter Ermittler, andererseits aber Mitläufer und Mitverdiener des Killers ist.

Nabel glaubte nicht recht daran. Welcher Bulle wird je dabei erwischt, wenn er ein Tütchen einschiebt? Und gesetzt den Fall, daß - wozu Milde walten lassen? Seiner Meinung nach war es möglich, daß man für Pfeifer eine Legende erfunden hatte. Vielleicht war er inzwischen bei der Polizei der Polizei und bot Kollegen Drogen an, als Lockvogel mit geschwärzter Vergangenheit. Ob er dabei nur im Auftrag arbeitete oder auch für die eigene Tasche, blieb undurchschaubar. Vielleicht, diese Möglichkeit bestand, war er tatsächlich zum Streifendienst abgestellt worden, und Nabel geheimnißte in diesen verkorksten Typen unnötig was hinein.

Wohin genau es gehen sollte, scheint Helmut Krausser bei Schreibbeginn noch nicht klar gewesen zu sein. Als ihm aufging, dass er die Verbitterung des Lesers auf sich ziehen könnte, wenn er erst gegen Ende des Buchs den Vorhang aufziehen und bekanntgeben würde, dass es um Machenschaften großer Syndikate ging, hat er zwischen seine Handlungskapitel Immer wieder Gespräche von Gangsters ohne Namen und Gesicht montiert. Wer da spricht, kriegt der Leser so nach und nach dann mit. Allerdings ist somit der „Profiler-Krimi“, der aus „Aussortiert“ hätte werden können, gestorben. Lange Zeit ist es Krausser auch sehr genehm, wenn der Leser wähnt, weit oben in der Polizeihierarchie könnte ein sehr Böser sitzen. Irgendwann tut er so, als hätte er das vergessen, es spielt einfach keine Rolle mehr. Das ist in Wirklichkeit blanke Schummelei gegenüber dem Leser und die nimmt derselbe übel. Die Könner dieses Genres lassen so was.

Ein Buch, das - wie leider viele deutsche Unterhaltungsromane - grandios einsetzt und dann sehr bald schwer durchhängt. Grammatische, stilistische und orthografische Schlampereien nehmen schrecklich zu. Offenbar hatten gegen Ende hin sowohl der Autor wie später sein Lektor diesen Fall als vergessenswerte Räuberpistole schon wieder fallen lassen.
Displaying 1 of 1 review

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.