Eine Staumauer, so hoch wie der Eiffelturm, wirft ihre Schatten über das Tal. Im Walliser Bergdorf Plon soll die Moderne Einzug halten, und das geht nicht ohne Opfer ab. Das Seegut der Familie Rothen wird geflutet, und mit dem Bau des Kraftwerks verliert die Familie ihre gesamte Existenzgrundlage. Andere hingegen profitieren, satteln um auf Tourismus und werden reich. Vierzig Jahre später schwimmt ein geheimnisvoller Taucher durch das Seegut, und plötzlich ertönen merkwürdige Hammergeräusche, die an eine alte Sage erinnern: den Graatzug, eine unheimliche Prozession Toter, die auf der Erde wandeln ...
Spannend, unterhaltsam. Der Roman erzählt vom Bau eines Staudams, die dadurch ergebene Zerstörung eines Waliser Bergtals, und die Auswirkungen auf die Einwohnern im Tal. Einige sehen das als Fortschritt und wollen dabei profitieren, wahrend andere an der alten Lebensart und der Verbindung zum Land festhalten. Der Konflikt spielt sich über ein paar Generationen ab, und kommt zu einem befriedigend, wenn auch etwas romantischen Schluss.
Der Urs Augstburger wird als Schweizerische T C Boyle bezeichnet, aber das hängt wahrscheinlich davon ab dass es im Deutschsprachigen Raum am Sinn für die Ironie fehlt, wovon Boyle lebt. Politisch gleicht Graatzug Abbey's The Monkey Wrench Gang, und es hat auch spirituelle Aspecte den Romane der Isabel Allende, aber die Geschichte und die liebevoll entwickelte Characktere sind überzeugend Walliser.
Mir gefiel die Würzung des Textes mit Walliserdialekt, aber für die die kein Schwiizerdutsch können, gibt es sogar ein Glossar.