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Gedichte

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Joachim Gesammelte Gedichte Lesefreundlicher Großdruck in 16-pt-Schrift Edition Holzinger. Großformat, 216 x 279 mm Berliner Ausgabe, 2017 Durchgesehener Neusatz bearbeitet und eingerichtet von Michael Holzinger Die Joachim Ringelnatzens Kuttel Daddeldu oder das schlüpfrige Textgrundlage sind die Herausgeber der Michael Holzinger Viktor Harvion Umschlaggestaltung unter Verwendung des Joachim Ringelnatz bei einem Vortrag auf der Freilichtbühne Hellerau 1926, Foto von Genja Jonas, 1926 Gesetzt aus der Minion Pro, 16 pt.

128 pages, Paperback

First published January 1, 1928

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About the author

Joachim Ringelnatz

320 books15 followers
Joachim Ringelnatz (eigentlich Hans Gustav Bötticher) war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der vor allem für humoristische Gedichte um die Kunstfigur Kuttel Daddeldu bekannt ist. Er war bekannt zur Zeit der Weimarer Republik, stand an Popularität den Comedian Harmonists in nichts nach und zählte Schauspieler wie Asta Nielsen und Paul Wegener zu seinen engen Freunden und Weggefährten. Sein teils skurril, expressionistisch, witzig und geistreich geprägtes Werk ist noch heute bekannt.

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for leynes.
1,322 reviews3,704 followers
November 14, 2019
Well, what can I say, this is one of my mom's favorite poets and so I felt the duty to check his work out as well... It totally wasn't my cup of tea. Granted, some of the poems were super funny and I liked how local they were - meaning that the poet was from Berlin as well and the way he speaks and the things he comments on just scream 'Berlin'; but overall I wasn't impressed with this. Most of the poems were too silly for me, and this collection lacks quotable moments.
Profile Image for Klaus Mattes.
719 reviews10 followers
November 30, 2025
Ein bleibendes Genie des absichtlich verqueren deutschen Humors, Gedichte, die oft ohne das Spiel mit Reimklängen, vom Sinngehalt ganz unabhängig, in sich zusammenfallen würden, darum in andere Sprachen schwer übertragbar sind.
Bumerang

War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum noch stundenlang ­
Wartete auf Bumerang.

Und ein offenkundig schwieriger Charakter aus den Jahren vor Hitler: ein mit seinen Nuttenbesuchen, seinem Alkoholismus renommierender, um Trubel und Aufmerksamkeit buhlender Exhibitionist und Bühnenclown. Man kann nachvollziehen, wieso solch ein „Ewiger“ der deutschen Literatur in gut zehn Jahren Goodreads auf drei Reviews kommt, während der aktuelle Dt.-Buchpreis-Gewinner, Roman einer jungen Schweizerin, in nicht mal einem Jahr bis zu gegen 200 Reviews steigt.

Überall
Überall ist Wunderland.
Überall ist Leben.
Bei meiner Tante im Strumpfenband
Wie irgendwo daneben.

Überall ist Dunkelheit.
Kinder werden Väter.
Fünf Minuten später
Stirbt sich was für einige Zeit.
Überall ist Ewigkeit.

Wenn du einen Schneck behauchst,
Schrumpft er ins Gehäuse.
Wenn du ihn in Kognak tauchst,
Sieht er weiße Mäuse.

Es gibt längst keinen Urheberrechtsschutz für ihn mehr und einige Gedichte sind so volkstümlich geworden, dass viele nicht wissen, von wem sie waren. Also gibt es viele, verschiedene Ausgaben. Die, die ich las, kann hier nicht angesteuert werden; es ist sind die „Gesammelten Gedichte“ auf sage und schreibe (knapp) 550 Seiten, 1994 von der Büchergilde Gutenberg als Buch von beständiger Schönheit (und Papierqualität) wiederveröffentlicht, ursprünglich 1959 bei Henssel Berlin.

Dazu ist zu sagen: Tatsächlich ist fast immer das, wo einem beim Lesen einfällt, das hat man früher schon mal irgendwo gesehen oder gehört, dann auch das Allerbeste. Und leider ist vieles von dem sehr vielen Anderen längst nicht so gut. Die über 500 Seiten werden einem dann auch mal lang. Ich rate dazu, besser nicht auf Vollständigkeit zu sehen, sondern eine knappere Highlights-Auswahl zu nehmen.

Die Ameisen
In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

So will man oft und kann doch nicht
Und leistet dann recht gern Verzicht.

Ringelnatz, der in Wahrheit Hans Bötticher hieß, wird wegen seiner frühen Ulkgedichte-Sammlung um den Matrosen „Kuttel Daddeldu“ immer mit Norddeutschland, dem Meer und Hamburg verbunden; er ist in jungen Jahren (er wurde 51, starb an der Tuberkulose, als er verarmt war, weil die Nazis ihm seine Auftritte verboten) tatsächlich vier Jahre Schiffsjunge und Matrose gewesen, im Ersten Weltkrieg auch noch mal in der Marine. Aber eigentlich war er Sachse und bereits vor dem Krieg - in München - zum Bühnenkomiker und Kabarettisten geworden. Das blieb sein Beruf. Bis zuletzt tourte er durchs deutsche Reich, spielte einem sich vor Lachen biegenden Publikum einen Durchgeknallten, Sonderling, Galgenvogel vor. (Privat war er lieber Kunstmaler, was auch sein Vater gewesen war.) Wenn man die sonst nicht oft gedruckten Gedichte liest, stolpert man über anarchistische Zerstörungslust, eine Fixierung an Kaka-Scherzen, solche des Unterleibs, mehr der Ausscheidungen als Fortpflanzung wegen. Da möchte man auch schreien: „Ach, hätt'st du das nie geschrieben!“ Er muss eine Bühnensau gewesen sein, die sämtliche Zügel öfters schießen lassen und die dööfsten Scherze sich nicht nehmen lassen wollte.

Mein Wannenbad

Es muss wieder mal sein.
Also: Ich steige hinein
In zirka zwei Kubikmeter See.
Bis übern Bauch tut es weh.
Das Hähnchen plätschert in schamlosem Ton,
Ich atme und schnupfe den Fichtenozon,
Beobachte, wie die Strömung läuft,
Wie dann clam, langsam mein Schwamm sich besäuft.
Und ich ersäufe, um allen Dürsten
Gerecht zu werden, verschiedene Bürsten.
Ich seife, schrubbe, ich spüle froh.
Ich suche auf Ausguck
Vergebens nach einem ertrinkenden Floh,
Doch fort ist der Hausjuck.
Ich lehne mich weit und tief zurück,
Genieße schaukelndes Möwenglück.
Da taucht aus der blinkenden Fläche, wie
Eine Robinsoninsel, plötzlich ein Knie;
Dann – massig – mein Bauch – eines Walfisches Speck.
Und nun auf Wellen (nach meinem Belieben
Herangezogen, davongetrieben),
Als Wogenschaum spielt mein eigenster Dreck
Und da auf dem Gipfel neptunischer Lust,
Klebt sich der Waschlappen mir an die Brust.
Brust, Wanne und Wände möchten zerspringen,
Denn ich beginne nun, dröhnend zu singen
Die allerschwersten Opernkaliber.
Das Thermometer steigt über Fieber,
Das Feuer braust, und der Ofen glüht,
Aber ich bin schon so abgebrüht,
Dass mich gelegentlich Explosionen –
– Wenn's an mir vorbeigeht –
Erfreun, weil manchmal dabei was entzwei geht,
Was Leute betrifft, die unter mir wohnen.
Ich lasse an verschiedenen Stellen
Nach meinem Wunsch flinke Bläschen entquellen,
Erhebe mich mannhaft ins Duschengebraus.
Ich bück mich. Der Stöpsel rülpst sich hinaus,
Und während die Fluten sich gurgelnd verschlürfen,
Spannt mich das Bewusstsein wie himmlischer Zauber,
Mich überall heute zeigen zu dürfen,
Denn ich bin sauber.

Wie man bemerkt, liebte Ringelnatz es bisweilen, einen Kinderblick hinaus in die Welt zu tun. Liest man dann sein „Kinderverwirrbuch“ von 1931, möchte man das vor den eigenen Kindern lieber wegsperren. Der komische Onkel motiviert die Kleinen zu Spielen, an denen ihre Gesundheit Schaden leiden könnte. Und man hat das Gefühl, seinem Sadismus wäre das nicht unrecht. Hier mal was anderes aus jenem Büchlein, weil es dazu taugt zu illustrieren, dass der Dichter oft überhaupt nur dichtet, weil ihm komische Reime auf einzelne Wörter gefallen, die er dann irgendwo unterbringen will. (So was gehört meist nicht so seinen bleibenden Errungenschaften, nimmt in der Gesamtausgabe aber beträchtlichen Raum ein!)

Ernster Rat an Kinder

Wo man hobelt, fallen Späne.
Leichen schwimmen in der Seine.
An dem Unterleib der Kähne
Sammelt sich ein zäher Dreck.

An die Strähnen von den Mähnen
Von den Löwen und Hyänen
Klammert sich viel Ungeziefer.
Im Gefieder von den Hähnen
Nisten Läuse; auch bei Schwänen.
(Menschen gar nicht zu erwähnen,
Denn bei ihnen geht’s viel tiefer.)

Nicht umsonst gibt’s Quarantäne.

Allen graust es, wenn ich gähne.

Ewig rein bleibt nur die Träne
Und das Wasser der Fontäne.

Kinder, putzt euch eure Zähne!

Weil er weder ein Lebensthema hatte, noch einen anderen Auftrag in sich sah, als Kasse zu machen, indem er den Leuten einen famosen Abend bescherte, gleicht er unter all den mir bekannten Humoristen Deutschland, hat man alles Anstößige und direkt Vulgäre erst abgezogen, wohl keinem so wie Heinz Erhardt aus Riga, der ihn öfters mit ein paar Kostproben in seine eigenen Programme integriert hat. Das heißt, weil Erhardt durch die audiovisuellen Medien und in Folge seiner persönlich Unbelastetheit durch Hitlerismus und Krieg bis in unsere Tage volkstümlich geblieben ist, die Persönlichkeit von Ringelnatz dagegen verblichen: Wenn du dir unter dem Genre „komisches deutsches Gedicht“ nicht viel vorstellen kannst, denke in Sachen Ringelnatz zuerst einmal nicht an Wilhelm Busch, Karl Valentin, Erich Kästner, Eugen Roth oder Robert Gernhardt, denke an Heinz Erhardt, dann ist die Richtung klar. (Seine Vorbilder hatte Ringelnatz aber auch, Christian Morgenstern zum Beispiel.) Sein Körper zwang Heinz Erhardt, den verdrucksten, verklemmten Buchhalter zu spielen, sein gekerbtes, spitznasiges Schlingelgesicht machte aus Ringelnatz die „Ganoventype“.

Enttäuschter Badegast

Wenn ich im Badeanzug bin
Und im Familienbade,
Geht die Erotik fort. Wohin
Weiß Gott. Wie schade!

Und Weiber jederlei Gestalt
Sie lassen alle dann mich kalt,
Wie die verdammte Jauche
Der See, in die ich tauche,
Kalt macht, speziell am Bauche.

Von der Kabine bis ans Meer
Geniere ich mich immer sehr.
Trotz Spucke und trotz Laufgeschwind
Merkt jede Frau und jedes Kind,
Daß meine Füße dreckig sind.
Und niemand fragt woher.

Daß jemanden, der nicht gut schwimmt,
Daß man den gar nicht mehr als Mann
Sondern als Tauchemännchen nimmt – –

So handeln Weiber, die bestimmt
Wären, mich aufzuregen.

Mir schmeckt das Badewasser nie.
Ich denke immer an Pipi
Und kann das auch belegen.

Es liegt mir fern, hier indiskret
Krampfadern aufzuwühlen,
Doch jede Frau, die baden geht,
Weiß nichts von meinen Gefühlen.

Profile Image for Su.
47 reviews17 followers
July 27, 2011
...er wiehert nicht, er äpfelt nicht...
Displaying 1 - 4 of 4 reviews

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