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Das besondere Objekt seiner Begierde: der FC, der Fußballclub der Grazer Heimatstadt. Als dessen Präsident kann man mit Millionen jonglieren und ist eine zumindest lokale Berühmtheit. Doch der Ehrgeiz fordert seine Opfer -- im Idealfall bei den anderen. Nicht einmal die engsten Freunde des Herrn Susi sind vor seinen Intrigen sicher. Kein Wunder, dass ein Mann, der den Sozialdarwinismus dermaßen verinnerlicht hat, schon bald sein Ziel erreicht hat. Die Highsociety der steirischen Landeshauptstadt hat ihren neuen Star.
Mit dieser bitterbösen Milieustudie legt Thomas Glavinic, selbst in Graz geboren, seinen zweiten Roman vor, nachdem er 1998 mit Carl Haffners Liebe zum Unentschiedenen sein erfolgreiches Debüt feierte. Glavinic schreibt eine unkomplizierte Prosa, die fesselt und unterhält. Sein neues Buch ist vor allem als Satire zu lesen, bei der einem das Lachen allerdings im Halse stecken bleibt. In seinem krankhaften Geltungsdrang, seinen psychotischen Ausbrüchen erscheint der Titelheld Herr Susi als österreichisches Pendant zu American Psycho: der Amoklauf des Ego unter besonderer Berücksichtigung von Gemütlichkeit und Freunderlwirtschaft.
In die kalte Welt des Herrn Susi Einblick zu erhalten, bietet den gleichen angenehmen Reiz, wie ihn Zoobesucher vor dem Haifischbecken verspüren mögen: Man ist froh, auf der anderen Seite zu stehen. So liest man mit wohligem Schaudern bequem auf der eigenen Couch über die übelsten Machenschaften und stellt sich die Frage, ob man nach dieser Lektüre noch einmal ohne Hintergedanken ein Fußballspiel betrachten wird. --Mathis Zojer
274 pages, Hardcover
First published January 1, 2000