Seit jeher bestimmen das Meer, der Wind und vor allem der Thunfisch das Leben auf der kleinen süditalienischen Insel Katria. Angeführt vom Raìs, gibt die Mattanza, der Höhepunkt des traditionellen Thunfischfangs, den Rhythmus der Insulaner vor. Doch nachdem der Enkel und letzte legitime Erbe des Raìs gegen alle Erwartungen als Mädchen geboren wird, muss Nora beweisen, dass sie auch als Frau die Traditionen ihrer Gemeinde wahren und ihrem Großvater nachfolgen kann. Während sich die Welt um Katria immer schneller dreht, erreichen die ersten Wellen des Tourismus die Insel und schließlich auch der Strom an Menschen, für die dieses Stück Land das erste Stückchen Europa bedeutet. Der Wandel scheint unaufhaltsam und stellt Nora vor die Frage, wie weit sie zu gehen bereit ist, um ihre Traditionen zu schützen.
Er ist ausgeblieben. Der Enkelsohn, der Erbe, der Raìs. Der, auf den alle gewartet hatten. Der, der den traditionellen Thunfischfang auf der Insel anführen muss. Stattdessen: Ein Mädchen. Nora. Doch kann ein Mädchen die Aufgaben eines Raìs übernehmen?
Aus Mangel an einer Alternative und weil der Raìs immer aus der selben Familie stammen muss, wird entschieden, ja. Und so wächst Nora in einer Welt auf, in der Traditionen, Regeln, Rituale, Aberglaube, aber gleichzeitig auch die Beziehung zur Natur und zum Meer ihr Leben bestimmen.
Es ist ein Leben, dass sie an die Insel bindet. Als Raìs ist sie eine Art Oberhaupt, trifft Entscheidungen und trägt Verantwortung. Ihr Schicksal ist in vielerlei Hinsicht fremdbestimmt. Außerdem muss sie sich behaupten, muss ihrer Rolle gerecht werden, muss all die Männer, die an ihr gezweifelt hatten, eines Besseren belehren. Germana Fabianos Protagonistin ist eine faszinierende Figur, weil sie sich zwischen Stärke, Anderssein, Einsamkeit und Sehnsüchten bewegt, weil sie nicht in grellen Tönen gezeichnet ist und trotzdem hervorsticht.
Und dann ist da noch die andere Protagonistin, nämlich die Insel, auf der die Geschichte spielt, Katria. Irgendwo bei Sizilien. Es ist ein Ort, an dem noch in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts Traditionen und Zusammenhalt das Leben aller prägen. Doch Veränderungen lassen nicht lange auf sich warten. Tourismus, Überfischung, Globalisierung und die ersten Flüchtlingsboote sind Anzeichen dafür, dass nichts so bleiben wird, wie es war.
"Mattanza" ist ein von Anfang bis zum Ende stimmiger Roman. Und das sowohl in inhaltlicher als auch in stilistischer und ganz besonders in sprachlicher Hinsicht. Germana Fabiano schafft etwas, was nicht vielen Autor*innen gelingt: Alles harmoniert miteinander, jedes Wort ist an seinem Platz, nichts ist zu viel, nichts zu wenig. Für mich ist dieser Roman eine wahre Entdeckung.
Last but not least: Eine grandiose Übersetzung von Barbara Neeb und Katharina Schmidt!
Manchmal sind es die Bücher, die wenige Worte verwenden, die soviel mehr erzählen als die, die jedes noch so kleine Szene aufbauschen und ausschmücken. Mattanza ist so ein Buch. Auf etwa 180 Seiten wird von über 50 Jahren erzählt. Und dabei passt jedes Wort: Das Meer ist genauso lebendig wie die Bewohner der kleinen Insel Katria, am westlichen Zipfel von Sizilien gelegen. Die Menschen sind dort vom Fischfang abhängig, besonders aber von der Jagd auf den Thunfisch, der Tonnara. Anführer ist der Raís. Er stammt immer aus der gleichen Familie, doch in ihr bleibt der Nachwuchs aus. Schließlich kommt er doch noch, aber nicht in der gewünschten Form: statt eines Jungen wird ein Mädchen geboren, Eleonora. Kurz entschlossen ernannt der Raís sie zu seiner Nachfolgerin, denn es ist nur die Rede davon, dass der Raís aus seiner Familie stammen muss, nicht jedoch, dass er ein Mann sein muss. Nora wächst heran und muss sich in der Männerwelt behaupten. Doch es kommen noch ganz andere Probleme auf sie zu: die Tonnari fischen noch nach einer jahrhundertealten Tradition. Durch Überfischung und neue Fangflotten kommen plötzlich fast keine Thunfische mehr bei ihnen an. Doch diese stellen die Lebensgrundlage für sie da. Stattdessen fischen sie nun etwas anderes aus dem Meer, Flüchtlinge aus Afrika, manche von ihnen bereits tot. Mattanza hat mich von der ersten Seite an begeistert, vor allem auch stilistisch. Die Geschichte wird sehr ruhig erzählt, man lernt nach und nach die Dorfbewohner kennen. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine Anekdoten die der Auflockerung dienen: die unerwartete Heimkehr lange verschollener Inselbewohner, mal mehr, mal weniger zur Freude der anderen; ein absurd alter Fischer; eine Adelsfamilie mit exzentrischen Gewohnheiten. Hier stimmt einfach alles und ich wünsche mir sehr viele Leser*innen für diese Geschichte.
Hätte ich nicht hier auf goodreads eine begeisterte Rezension dieses Buches gelesen, ich hätte aufgrund des Covers nie danach gegriffen. Und was für ein irreführendes und schlecht gewähltes Cover es ist! Unglaublich schade, denn Mattanza ist ein fantastisches Buch. Ohne Schnörkel und dennoch voller Poesie erzählt Fabiano die Geschichte der kleinen Insel Katria über fünf Jahrzehnte hinweg. Ein Roman über Veränderung und Tradition, darüber dass wir alle miteinander verbunden sind und Wandel unaufhaltsam, aber nicht immer ausschließlich gut ist. Ich wurde vor allem vom letzten Drittel des Buches überrascht, wo die Erzählung plötzlich eine Wendung nimmt, mit der ich nicht gerechnet hatte und durch die der Roman auf einmal so viel mehr als nur das Portrait einer Insel und deren Bewohner*innen wird. Großartig!
Als auf der Insel Katria Nora Greco geboren wird, bricht eine neue Zeit an: Die Tunfischjagd wird, wenn ihr Großvater zurücktritt, erstmals von einer Frau angeführt werden. Ihr Leben lang wird Nora darauf vorbereitet, dann übernimmt sie, als sie gerade volljährig geworden ist. Aber die Zeiten auf Katria ändern sich auch in anderer Hinsicht: Tourismus, moderne Tunfischjagd und schließlich auch die Ankunft vieler Geflüchteter über das Mittelmeer bedrohen die traditionelle Lebensweise und Tunfischjagd auf Katria, was Nora als Anführerin vor große Herausforderungen stellt. Der Roman ist einfühlsam geschrieben, die poetischen Beschreibungen des Meeres passen wunderbar zum Mare Verlag, die Menschen im Dorf werden liebenswert aber komplex dargestellt. Ich habe die fiktive Geschichte der kleinen Insel gerne mitverfolgt. Nur das Titelbild passt für mich nicht gut - Noras Augen werden ganz anders beschrieben und die gesamte Insel spielt eine viel größere Rolle im Roman. Nur aufgrund des Titelbilds wäre ich am Roman vorbeigegangen.
Auf Katria leben die Menschen vom traditionellen Thunfischfang, schon seit Jahrhunderten, länger, als die Erinnerung zurückreicht. Einmal im Jahr findet die Tonnara statt, die der Mittelpunkt des gesamten Insellebens ist - sie ist der Kern aller Traditionen, des Aberglaubens, der Gedanken und Gefühle der Inselbewohner, sie schafft Arbeitsplätze und stiftet Identität und Zusammenhalt. Doch wie lange kann die Tonnara dies noch leisten? Germania Fabianos melancholische und eindrückliche Geschichte über die Insel Katria und ihre Bewohner:innen reicht von 1960 bis 2012 und erzählt von den Veränderungen, den Traditionen, dem Auf und Ab des Meeres, den schwindenden Thunfischschwärmen, den kommenden und gehenden Tourist:innen und Geflüchteten. Die Charaktere werden eindrücklich beschrieben und die Melancholie und Schönheit der kleinen Mittelmeerinsel ist überzeugend dargestellt. Ein nachdenklich stimmendes kleines Buch!
«Du wirst die Geheimnisse der Meeresströmung erfahren und bewahren, das Gesetz, das die Thunfischschwärme durch die Ozeane in deine Netze treibt, die Architektonik der Meerestiefen, die geheimen Gesänge der Fische. Du wirst hinnehmen, dass der Tod den trifft, der dir am teuersten ist, wirst zulassen, dass das Meer deine Seele verschlingt …»
Der Raìs ist der Hüter der Tonnara, ihr Führer, ihr Lenker. Der Raìs liest die Strömung, die Wellen, die Winde, hört ihnen zu. Er knüpft die Netze, überprüft sie; und er bestimmt, wann die Jagd beginnt, den Zeitpunkt auszufahren, den Punkt, die Netze hochzufahren. Dieses Wissen wird von Generation zu Generation weitergegeben, vom Vater an den Sohn. Doch dieser Raìs hat keinen Sohn. So wartet man auf den Enkel. Nur Mädchen in dieser Generation, ein Unglück, die Kette darf nicht reißen … So wird das Mädchen bestimmt, der nächste Raìs zu werden. Von Geburt an ist ihr Weg bestimmt – sie wird die Tonnara führen, den Punkt für die Mattanza bestimmen.
«Die ersten Touristen gingen Anfang es Sommers an Land. Das Dorf beobachtete sie hinter angelehnten Fensterläden, musterte sie genau und verurteilte sie gnadenlos. Sie waren rot, verschwitzt, derangiert und schlecht angezogen … sie seinen unglaublich hässlich. Rosalba Rollo ergänzte; sie würden stinken, Provvidenza Lo Casico hingegen hielt sie für dumm, und der Pfarrer verdammte sie als vulgär, weil sie halb nackt herumliefen.»
Germana Fabiano erzählt in diesem Roman vom letzten Raìs (so der Titel im Original), vom Aufbruch in neue Zeiten, vom Wandel der Fischerei und vom Einzug des Tourismus auf der kleinen Insel Katria vor Sizilien. Noch herrscht ein Leben im Einklang mit der Natur, die von jahrhundertealten Traditionen bestimmt ist. Ab März ziehen die Thunfischschwärme durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer, um ihre Laichgründe aufzusuchen. Nora ist von Geburt an bestimmt, der neue Raìs zu werden, und sie nimmt ihr Schicksal an. Erfolgreich holt sie mit den Fischern bei ihrem ersten Thunfischfang beste Quoten ein. Parallel reisen die ersten Touristen ins Dorf, und die ersten Dörfler vermieten Zimmer, eine Pension entsteht, ein neues Restaurant, Nippes aus Muscheln wird verkauft. Komische Typen, diese Urlauber – rennen mit Fotoapparaten herum und wollen alles einfangen …
«Die Tonnara mit ihren vier Phasen hatte gerade wieder begonnen: Cruciatu, das Spannen und Fixieren der Verankerungsseile, Calatu, das Ausbringen der Netze, Mattanza, das Töten, und Salpatu, das Einholen und Einlagern der Reusenanlage, wonach alles bis zum nächsten Jahr aus dem Kopf verbannt war.»
Mattanza übersetzt heißt Schlachten – und das ist es letztendlich auch. Die Thunfische werden in ein Labyrinth von Netzkammern gelockt, die immer mehr zusammengezogen werden, bis sie in der inneren Kammer gelandet sind (südital. càmira dâ morti, die Todeskammer). Die Netze werden hochgezogen, die Fische bestialisch abgestochen, mit Enterhaken auf die Fischerboote gehoben – das Meer färbt sich rot. Die jährliche Thunfischjagd war für die Sizilianer jahrhundertelang ein wichtiges Einkommen. Mit Erfindung der Dosen ein einträgliches Geschäft. Riesige Fische gingen ins Netz und nicht immer überlebten alle Tonnatori den gefährlichen Fang. Mit der Entwicklung der größeren Boote, Motoren, durch feinere Netze, holte man die Fische bereits weit draußen ins Boot; die kleinen Fischer fingen immer weniger und auch die Thunfischfischer hatten ihre Probleme: Jedes Jahr kleinere Fische und jedes Jahr weniger. So starb irgendwann die jahrhunderte alte Tradition der Tonnara. Diese Geschichte steht exemplarisch für den Zeitwandel.
Der Umbruch der Tradition in den 60-er Jahren – auch der ewig alte Adel, hier als die Familie Filangeri beschrieben, fällt dem zum Opfer. Gelangweilte, spielsüchtige Söhne verpulvern das Erbe an Kredithaie, auch ein Teil der Epoche. Wundervoll beschrieben die Arbeit des Raìs, der eins sein muss mit der Natur, der fühlen muss, prüfen, hören, beobachten, wann genau auf den Punkt die Zeit reif ist. Die Netze müssen gut verankert sein, jeder Knoten muss perfekt sitzen, nicht einer darf sich öffnen, kein Strang darf reißen … Die Arbeit im Boot ist gefährlich – der Raìs hat den Überblick über die Tonnatori. Der Fischfang wandelt sich, der Tourismus zieht ein und irgendwann liegen in den Netzen der Fischer Leichen, und erschöpfte Menschen landen in ramponierten Botten am Strand – immer mehr. Lampedusa lässt grüßen! Eine neue Epoche beginnt …
Atmosphärisch beschreibt Germana Fabiano die Insel, ihre Bewohner und den Thunfischfang. Humorvoll wird es, wenn es zum Zusammentreffen zwischen Touristen und Ansässigen kommt. Einige Dorfbewohner ahnen, welche Goldgrube die Ausländer für sie bedeuten können und richten sich ein; andere sperren sich. Das ist absolute Zeitgeschichte – literarisch sehr fein verpackt. Kompakt mit Feingefühl, bildstark. Der Roman entwickelt schnelle einen Sog, der nicht mehr loslässt! Empfehlung!
Germana Fabiano, geboren 1971 in Palermo, lebt heute auf Sizilien und in Tübingen, wo sie ihre Arbeit als Autorin mit einer Dozentur für Menschenrechte an der Universität verbindet. 2009 veröffentlichte sie ihren Debütroman Balarm und wurde für eine ihrer Kurzgeschichten mit dem Colonna d’Eroma ausgezeichnet. Nach weiteren Publikationen ist Mattanza ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.
»Eleonora war ein nicht eingelöstes Versprechen; sie war das Kind, das als Junge zu Welt hätte kommen sollen, und das war ihr nicht gelungen. … In jener Februarnacht, in der sie geboren wurde, hatten die Tonnaroti erkannt, dass selbst Gott nicht unfehlbar war, an Eleonora klebte der Fluch der Insel, und niemand konnte etwas dagegen tun.« S.10
Seit Jahren warten die Bewohner Katrias auf einen neuen Anführer des Thunfischfangs, der seit Jahrhunderten derselben Familie entstammt. Doch es wird kein männlicher Erbe geboren, also beschließt der alte Raìs, seine Enkelin Nora zu seiner Nachfolgerin zu machen. An einem Ort wie Katria, wo Aberglaube die Wahrheit ist und Legenden die Geschichte, ist man mehr als skeptisch. Von klein auf spürt Nora, welche Last auf ihren Schultern liegt, wie hoch die Erwartungen an sie sind und welche Entbehrungen es sie kostet. Denn als letzter Raìs trägt sie die Verantwortung über das Wohlergehen der gesamten Dorfgemeinschaft. Es ist die Geschichte der sizilianischen Insel Katria, auf der seit ewigen Zeiten der Thunfisch traditionell bei der jährlichen Tonnara gefangen wird. Ein interessantes, orchestriertes wenn auch blutiges Unterfangen, das uns die Autorin eindrücklich schildert. Es sind die Jahre der vollen Netze als Nora mit 19 ihr Schicksalserbe antritt und sie beweist Geschick, weiß, wann die Schwärme in die letzten Netze schwimmen. Es werden rauschende Feste gefeiert, ausgerichtet von den Filangeris, den Besitzern der Tonnaro und der Fischfabrik. Doch es ist auch die Geschichte des Mittelmeers bis 2012. Es sind die Jahre der Veränderung, der Wasserverschmutzung, der Überfischung, der Flüchtlinge. Kann Nora die Tradition der Insel bewahren? Wie weit ist sie bereit zu gehen?
Wow, unglaublich, was für eine fulminante Geschichte sich hier entwickelt. Und sie hat mich zu Tränen gerührt, so viel vorweg. Vergessen wir aber für einen Moment den archaischen, blutigen Thunfischfang, hier geht es um so viel mehr. Hier geht es um die Auswirkungen von globalen Veränderungen auf eine kleine Insel am Rand von Europa. Auch eine Art Schicksal, das über sie hereinbricht, dem man sich einerseits ergeben kann, aber anderseits gleichen alle Bemühungen, die man unternimmt, einem Kampf gegen Windmühlen. Denn nichts anderes ist es, eine Parabel unserer modernen Welt.
»Nur dreiundzwanzig Thunfische. Sie hat gehört, wie rund um ihre Welt hundert andere Dinge geschehen sind, die der Auslöser für so etwas sein konnten, und dies ist wiederum der nie bewiesene Grund für hundert andere Dinge. Sie hat die perfekte und unergründliche Synchronizität der Ereignisse gespürt, an denen auch sie beteiligt ist, Filter und Katalysator, Priesterin und Opfer einer Welt, die ihr nun nur dreiundzwanzig Thunfische hinterlassen hat und Schulden, die niemand bezahlen kann.« S.152
Fabiana hat hier ein grandioses Werk auf nur 192 Seiten geschaffen, eine Hommage an ihre Heimat, in der sie gekonnt die sizilianische Seele eingefangen hat. Sie erzählt eindringlich und voller scharfer Beobachtungsgabe von Gemeinschaft und Zusammenhalt, Hilflosigkeit und Mut, vom Zusammenbruch einer traditionellen Welt, während man in Brüssel und Tokio Entscheidungen fällt. Es ist ein aufrüttelndes Buch mit ein wenig Hoffnung am Ende, das ich leider nur durch einen Tränenschleier sehen konnte. Ganz großes Kino.
Wie ich herausgefunden habe, gehört es zu einer Trilogie über Sizilien »Concerto Siciliano«, wobei alle drei Bücher in unterschiedlichen Zeiten spielen. Ich hoffe sehr und wünsche es mir, dass der Mare Verlag die anderen auch noch ins Deutsche übersetzt. Mattanza wird einen Platz in meinem Herzen haben.
Am Ende des Buches befindet sich eine Zeichnung, in der man den Aufbau der Tonnara sehen kann. Sie ist ein raffiniertes Fangsystem aus Netzen, ähnlich einem Labyrinth, durch das die Fische bis in die Todeskammer schwimmen. Dort beginnt das blutige Abschlachten, die Mattanza. (Auch wenn paradox ist, bleibt es doch ein nachhaltiges und faires Fischen.) Für mich steht der Titel »Mattanza« sinnbildlich für das Ausbluten der kleinen Inseln. Inspiriert zu der Geschichte wurde die Autorin durch einen Besuch der ehemaligen Fischfabrik auf Favignana, die heute als Museum dient.
In ihrer Erzählung,, Mattanza " nimmt die Autorin Germana Fabiano den Leser mit auf eine spannende Reise zum traditionellen Thunfischfang Siziliens , sie beschreibt die Zeit von 1960 bis 2012. Auf der kleinen Insel Katria , sie gehört zu den Ägadischen Inseln , lebt die Bevölkerung seit Jahrhunderten vom Thunfischfang. Im Frühjahr ziehen die großen Schwärme an der Insel vorbei , um zu ihrem Laichgebieten zu gelangen. Auf ihrem Weg dorthin werden sie bei der ,, Mattanza" gefangen . In der Tonnara , einem ausgeklügelten System von Netzen , gelangen sie in die ,, Kammer des Todes " , wo sie von den Tonarotti , den Thunfischjägern , mit Harpunen getötet werden. Die Gruppe der Tonarotti wird vom Rais angeführt. Jeweils der männliche Erbe wird genaustens vom amtierenden Anführer in die Kunst der Mattanza, in all das Wissen welches zum erfolgreichen Fang notwendig ist, eingeführt. Als 1960 der Enkel vom Rais Lorenzo geboren wird, sind zunächst alle Bewohner der Insel enttäuscht, denn es ist ,, nur " ein Mädchen. Der Rais fügt sich dem Schicksal und nimmt seine Enkelin Eleonore , Nora, zu sich , um sie in sie Traditionen einzuweihen. Sie soll sein Erbe antreten. Eine große Ehre, aber auch eine Last , die ihr Leben bestimmen wird. Als er einen Schlaganfall erleidet, muß Nora mit 19 Jahren das erste Mal die Mattanza anführen. Und sie besteht diese Feuerprobe mit Bravour, es werden so viele Thunfische wie noch nie gefangen. Doch die Welt wandelt sich : Auf den Meeren sind große Schiffe unterwegs, die einen großen Teil der Thunfische schon vor ihrem Weg zu den Laichplätzen wegfangen. Touristen entdecken die beschauliche Insel als Reiseziel. Dadurch ändert sich auch das Leben auf der sonst so isolierten Insel. Als die ersten Flüchtlinge auf der Insel stranden, einige werden ertrunken angespült, gerät Katria in den Fokus der Politik. Überaus realistisch beschreibt Germana Fabiano den traditionellen Thunfischfang. Jeder Schritt ist so detailreich beschrieben, daß ich mich mit Nora auf dem Meer in einem der Boote befunden habe , ihre Gefühle dabei genauestens spüren konnte. Der Zusammenhalt und die Lebensverhältnisse der Inselbewohner ist bildgewaltig dargestellt, die einzelnen Charaktere authentisch und lebensecht beschrieben. Vor der Mattanza wird schonungslos in all ihrer brutalen Tradition berichtet. Leidenschaftlich und äußerst eindrucksvoll schildert diese Erzählung vom Höhepunkt bis zum Niedergang dieser Art des Fischfangs. Dabei geht Germana Fabiano gefühlvoll mit den Emotionen , Sorgen und Problemen der Tonarotti und der Inselbewohner um. Am Ende des Buches befindet sich eine Zeichnung der ,, Tonnara " , der Aufbau des Netzsystems. Die Autorin hat eine grandiose Erzählung über die untergegangene Tradition ihrer sizilianischen Heimat geschaffen. Ein wunderbares Zeitzeugnis, das sich zu lesen lohnt.
The island of Katria is situated in the southern part of Italy. The inhabitants of this small island are deeply influenced by the sea, the wind, and tuna. Led by the Raìs, the fishermen embark on the traditional tuna hunt every year. The title of Raìs has been passed down within the same family from man to man for generations. However, in the year 1960, this pattern is disrupted as a girl is born instead of a boy. This unexpected birth shocks the island's residents profoundly. Yet, the reigning Raìs proves to be more innovative than the rest.
"It was never stipulated that the Raìs must be of our blood, but it was never said that it couldn't be a woman." (Page 12)
And so, Nora is born into a world she rejects. A world in which every action of hers is observed and judged. On one hand, she is destined to fulfill a role that denies her a normal life. On the other hand, she must prove herself doubly in everything she does, merely because she is a girl. I read the book expecting a story that illustrates that women are capable of everything men are, even when many obstacles are placed in their way. A story in which a girl shows everyone what it's like to grow up with an immense burden and still emerge victorious. But the book turned out to be so much more.
It is, in fact, the tale of an island confronted with the changes and crises of the modern world, yet striving to hold onto its traditions. The changes begin with the decision to train Nora as the Raìs and continue throughout the course of the story. Tourists begin to visit the island, the tuna business is up for sale, and suddenly boats arrive – vessels full of people in search of a better life. Reporters flood the island in pursuit of new stories. Amidst all these developments, stand the island's inhabitants, gradually learning to adapt to the new circumstances.
"A photograph of the yacht and the refugee boat side by side, taken by a reporter from Rome, circulated throughout Europe, putting the name of this tiny island on everyone's lips. An island that was previously known to few – a pawn between two worlds. Suddenly, it became aware of the significance it held, and unprepared, it faced the cruel and treacherous hand of history." (Page 155)
Until the middle of the novel, I wasn't entirely convinced by the book. I appreciated Nora's development and portrayal. Nothing was romanticized or glossed over. However, when the direction the novel would take became clear, I was not only surprised but genuinely enthusiastic. Germana Fabiano masterfully portrayed the complexity of human experiences in an ever-changing world. The story deeply moved me, and I can wholeheartedly recommend the book.
"The world is comprised of people who arrive and people who depart. The moment will come when we all blend together. Instead of losing our identity, we'll merely become something new." (Page 168)
Ein schwer zu rezensierender Roman. Zunächst habe ich keinen Zugang gefunden, dann aber das Buch doch an einem Tag gelesen; letztlich fällt es mir schwer, dem Gelesenen eine Sternebewertung zu geben. „Mattanza“ heißt grob übersetzt „abschlachten“. Ein düsterer Titel, doch er passt, denn der Roman ist durchaus eher düster, melancholisch und definitiv ohne Happy End. Weniger passend finde ich das Cover. Zunächst einmal mag ich persönlich einfach keine Stockfotos von Menschen auf Buchcovern, aber das Model passt nicht zu den Beschreibungen der Protagonistin Eleonora. Mit Noras Geburt in den 1960er Jahren beginnt die Erzählung und man taucht ein in die Welt der Menschen, die auf der kleinen (fiktiven) Insel Katria im äußersten Süden Italiens leben und die noch nicht richtig in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angekommen zu sein scheint. Nora sollte eigentlich ein Junge sein, denn die Familie, der sie entspringt, stellt – so will es die Tradition – den Raì, der dem Thunfischfang, von dem die Insel lebt, vorsteht, wie eine mystische Gottheit. Ob Nora will oder nicht, sie soll nach ihrem Großvater der nächste Raì werden. Sie fügt sich und alles scheint auf der Insel wieder nach dem altbekannten Rhythmus zu verlaufen, doch der Wandel, in dem sich die Welt befindet, macht auch vor Katria nicht Halt. Große Fischereiunternehmen, die die Thunfische abfangen, bevor die Schwärme überhaupt in die Nähe der Insel kommen können bringen die Menschen in Existenznöte. Die Insel wird für den Tourismus geöffnet, mit großer Skepsis, doch auch mit Erfolg. Bis die Fischer, die nun immer weiter rausfahren, um sich dort wenigstens noch selbst zu versorgen, auf einmal Menschen aus dem Meer ziehen. Wie einst die Thunfischschwärme finden nun Schwärme von Menschen, die auf der Flucht sind, ihren Weg nach Katria. Detailliert wird im Roman zunächst der traditionelle Thunfischfang, dessen Höhepunkt „Mattanza“ ist, beschrieben. Brutal, ein Blutbad, aber notwendig für die Menschen der Insel, um zu Überleben. Nora hadert schon als junge Mädchen damit, fügt sich aber ihrer Rolle. Als die flüchtenden Menschen ankommen, werden die Insulaner mit der Brutalität des Überlebens konfrontiert; als immer mehr Menschen auf der Insel ankommen, zieht auch die Brutalität gegenüber diesen Überlebenden mit ein, in Form von Militär, Polizei. Den Menschen wird erneut die Lebensgrundlage genommen, denn die Touristen bleiben aus. Ein Kreislauf der Globalisierung, wenn man so will. Brutal und rücksichtslos, vor allem gegenüber den Schwächsten – ob das nun Thunfische, Inselbewohner oder flüchtende Menschen sind.
Es gibt Traditionen auf Erden, die grausam und erbarmungslos erscheinen und trotzdem friedvoller und sinnvoller sind, als das vermeintlich Humane. Dazu gehört auch die Mattanza, das mörderische einkesseln und abschlachten der Thunfische im Mittelmeer. Ein martialisches Ereignis, das den Fischbestand reguliert und den Fischern zu einem auskömmlichen Leben verhilft. Tief verwurzelt in den Alltag der fiktiven Insel Katria ist dieses abstoßende jährliche Ereignis, wenn die Thunfischschwärme in die Netzkammern vordringen, ihrem blutigen Ende entgegen. Die Mattanza gehört zur Insel wie die Thunfischfabrik, der ewig lebende Tanino, das Cucina e Pepe und der Raìs, der das Ganze wie ein Dirigent orchestriert. Als dieser keinen männlichen Nachkommen vorweisen kann, erwählt er seine jüngste Enkelin zum Nachfolger. Nora fügt sich in ihr Schicksal denn sie ist Teil der Insel und verwächst mit ihr. Die ihr zugedache Rolle infrage zu stellen, kommt niemandem in den Sinn. Trotzdem wird der weibliche Raìs vor der Öffentlichkeit verborgen. Man scheut die Aufmerksamkeit, die das mit sich bringen würde.
Die Zeiten ändern sich und mit ökologischen Veränderungen gehen soziologische einher. Die Thunfische verschwinden nach und nach. Menschen gehen jetzt ins Netz. Eine Veränderung, die den Traditionen den Todesstoß versetzt und sie und ihre Mitbewohner zu einem Museum macht
Ähnlich wie in dem Buch „Zur See“ von Dörte Hansen wird der kulturelle Niedergang einer kleinen Insel im Meer in den Fokus gerückt. Nora ist der Fixpunkt, von dem wir ausgehen und zurückkehren. Das kleine Universum namens Katria besteht aber aus viel mehr Individuen, die einen Teil zur Gemeinschaft beitragen. Die Künstlerin die aus Strandgut schönes gestaltet (auch hier eine Parallele zum Buch von Hansen), die reiche Familie, die sich selbst eliminiert, der gebrochene Mann, der sich auf seine Familie freut, nachdem er 7 Jahre im Gefängnis verbracht hat und der schmerzlich merken muss, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist. Und nicht zu vergessen Ribaudo, der vielleicht, oder vielleicht auch nicht auf besondere Art und Weise mit Nora verbunden ist. Sie sind mir ans Herz gewachsen, auch wenn sie nur kleine Auftritte im dünnen Büchlein hatten. Besonders berührt hat mich Matteo, der seine Nora mit zu Herzen gehender Nähe liebt. In dieser Geschichte steckt so viel Gehalt. Trotz der Schwere der Themen macht sich tiefe Melancholie und helle Leichtigkeit gleichzeitig in mir breit. Große Leseempfehlung für Menschen, die den Seegang und den Tiefgang lieben.
Germana Fabiano hat hier eine Geschichte geschrieben, die man nicht so einfach beiseite legen kann. Sie erzählt von der Insel Katria, der Traditionen rund um die Mattanza, den Aberglauben der Menschen und dem nicht mehr zu verhindernden Wandel.
Auf nur knapp 200 Seiten schafft sie es, dass man von Zuversicht in Trostlosigkeit, von Hoffnung in Trauer und Verzweiflung und von der Tradition und Gewohnheit in den Wandel rutscht. Ihre Protagonisten sind alle etwas sperrig, distanziert und schwer zu greifen. Der Lesende bleibt bei dieser Geschichte außen vor und darf nur zuschauen, wie das Dorf um seine Existenz kämpft. Eine große Rolle spielt dabei der Thunfischfang, die Mattanza und der Raìs, der den Ablauf der Mattanza bestimmt und eine respektierte Person auf der Insel ist.
Jahrhundertelang war der Raìs ein Mann und die Tradition verlangt einen männlichen Nachkommen. Doch es wird ein Mädchen geboren. Der alte Raìs setzt den ersten Bruch mit der Tradition durch und trainiert und erzieht das Mädchen zum nächsten Raìs.
Der Thunfischfang wird sehr detailliert (inkl. einer Zeichnung) beschrieben und hinterlässt ein mulmiges Gefühl. Einerseits ist es ein grausames Vorgehen gegen diese Tiere, aber andererseits leben die Inselbewohner nur von diesem Tieren. Doch genau diese Grundlage wird den Bewohnern durch die Globalisierung immer mehr entzogen.
Zusätzlich müssen sich die Bewohner mit den zunehmenden Tourismus und den Bootsflüchtlingen auseinandersetzen. Die Menschen kommen an ihre Grenzen, sind überfordert, fühlen sich hilf- und machtlos gegenüber den vielen Flüchtlinge und den Touristen und sie fürchten ihre Insel zu verlieren.
Es ist eine packende und traurige Geschichte, die den Lesenden nachdenklich zurücklässt. Eine Leseempfehlung.
Abgesang Eine kleine Insel am südlichen Ende von Italien. Im einzigen Dorf dreht sich alles um Fischfang. Vor allem den Thunfisch. Alles wird von Traditionen bestimmt. Alles läuft sie, wie es schon immer war. Doch dann bleibt der männliche Erbe der Familie aus, die schon immer den Raìs stellt. Den Mann, der das Sagen hat bei der Mattanza, dem jährlichen Fang des Thunfischschwarms. Überraschenderweise wird ein Mädchen jetzt für diese Rolle ausgebildet. Nora. Die das Meer nicht mag, sich aber trotzdem der Tradition verpflichtet. Wir sehen Nora aufwachsen und lernen. Sie wird nicht so behandelt wie die anderen Mädchen. Sie ist einsam, beklagt sich aber nicht. Denn sie weiß: sie wird einmal die Verantwortung für alles tragen. Dem ordnet sie ihr ganzes Leben unter. Doch die Welt ändert sich und das zeigt auch starke Auswirkungen auf der Insel. Erst kommen die Touristen, dann die Flüchtlinge, dafür bleiben die Fische aus. Über Jahrzehnte hinweg wird der Kampf der Menschen um ihr Zuhause beschrieben. Ich habe unheimlich viel über den Thunfischfang und einige Zusammenhänge rundherum gelernt. Das Buch hat mich total gepackt. Der Stil ist einfach wunderbar! Auch wenn alles immer schlimmer wird in dem Dorf. Nora ist eine aufmerksame Beobachterin. So kann ich alles durch ihre Augen sehen. Einige machen alles um das Dorf zu retten, sie gehen auch über Leichen. Aber verübeln kann man es ihnen nicht. Obwohl es so wunderbar geschrieben ist, ist es ein sehr trauriges Buch. Es ist der Abgesang auf Tradition und eine inzwischen verlorene Lebensart. Ich hoffe sehr, das noch weitere Bücher der Autorin in Deutschland erscheinen werden.
Von merkurina Pure Poesie Auch wenn ich häufig Buchcover mit Porträts nicht so mag, gefällt mir dieses: Ein so hübsches, nachdenkliches, ruhiges Mädchengesicht, das der poetischen Sprache dieses dünnen, an kleinen Formulierungswundern reichen Buches, gut entspricht. Denn hier tut sich ein feiner, fast zarter Kosmos auf, in der Welt, den Riten, den Beziehungen auf einer Insel, die lange südlich-verschlafen im Meer lag und aufbrauste immer dann, wenn einmal im Jahr die Thunfische kamen und durchaus blutig und brutal ihr Ende fanden. Diese archaische, eingeübte Welt neigt sich in der Erzählzeit des Bändchens dem Ende zu und wir nehmen lesend Anteil am zunächst fast unmerklichen, dann unübersehbaren Prozess. Dass plötzlich eine Frau die stets männliche definierten Aufgaben des Raìs übernimmt, geschieht fast verschämt und eben doch toleriert innerhalb der Inselgemeinschaft: So ähnlich wie auch monarchische Herrschaftshäuser weibliche Thronfolgerinnen genau dann zulassen, wenn kein männlicher Erbe aufzutreiben ist. Andere Veränderungen, die die Moderne bringt, sind viel eingreifender. Das Schicksal der Welt kommt in Katria an...
Ein wenig erstaunt mich, welch sanften Zauber die Erzählung der früheren Zeit verleiht, verführerisch säuselt der insuläre Süden, es findet sich kaum patriarchale Rohheit in dieser Beschreibung. Sondern: Eher Zusammengehörigkeit, Verwurzelung, Heimat. Eine Idealisierung vielleicht? Eine wunderbare Leseerfahrung aber auf jeden Fall!
Germana Fabiano nimmt uns in ihrem Roman Mattanza mit auf eine Reise nach Sizilien und auf die fiktive Insel Katria, die von atemberaubender Schönheit und jahrhundertealten Traditionen geprägt ist. Vor der Kulisse des tiefblauen Meeres und steiler Klippen erzählt sie von der Mattanza, dem traditionellen Thunfischfang, der über Generationen das Leben der Inselbewohner geprägt hat.
Im Zentrum steht Nora, die Enkelin des Rais, des Anführers der Fischer. Obwohl sie als Mädchen in eine Welt hineingeboren wird, die von Männern dominiert ist, wächst sie in die Rolle der Hüterin dieser Tradition hinein. Mit 19 Jahren führt sie ihre erste Mattanza an und beweist Mut und Geschick. Doch die Welt verändert sich: Industrielle Überfischung und große Fangflotten bedrohen die Bestände, und gleichzeitig wird die Insel durch die Flüchtlingsströme aus Afrika zu einem Ort der Hoffnung und Tragödie.
Fabiano verwebt große Themen wie Migration, Umweltzerstörung und den Verlust von Tradition mit den kleinen, intimen Geschichten der Inselbewohner. Sie schildert den Stolz der Fischer, die Sorgen der Familien und den Zusammenhalt der Gemeinschaft in einer sich wandelnden Welt.
Mit poetischer Sprache und kraftvollen Bildern lässt Fabiano die sizilianische Seele lebendig werden. Mattanza ist eine Liebeserklärung an die Schönheit der Inseln, ein Nachruf auf eine verlorene Welt und ein aufrüttelnder Blick auf die Herausforderungen unserer Zeit.
Mattanza, das Töten – nur von Thunfisch? Über den Zeitraum von 1960 bis 2012 wird eine Entwicklungsgeschichte erzählt über eine süditalienische Insel, von einer Fischergemeinschaft vom Thunfischfang lebend bis zu ihrem Niedergang mit all ihren sehr alten Traditionen. Die Tourismusbranche interessiert sich für die kleine Insel Katria und schließlich wird das Überleben dieser Einheimischen sogar durch die zu große Flüchtlingsflut, durch zu viele Schiffsbrüchige aus dem Mittelmeer in überfüllten Zeltlagern bedroht. In diesem Zeitabriss über 52 Jahre Geschichte sterben nicht nur viele Menschen unnötig, sondern es macht sich auch Hoffnungslosigkeit breit in Zeiten von so viel Unglück und Verlust bis zur Enterbung trotz vorhandener Disziplin und Begabung im Zusammenhang mit traditioneller Fischerei. Wozu ist man in der Lage, um das zu bewahren, was man liebt? Andeutungsweise, sprachlich interessant eingebaut, finden sich unerwartete Antworten. Wenn man verklagt wird wegen Beihilfe zu illegaler Einwanderung statt weg zu sehen, wenn man einfach das Bedürfnis hat, einem Hilferuf Folge zu leisten, man aber dafür verklagt werden kann in unserer Gesellschaft – das führt zum Nachdenken. Ein interessanter Roman für mich!
Dieser nahezu verzaubernde Roman hat geringen Umfang und deckt doch einen Zeitraum von 1960 bis 2012 auf der Insel Katria ab. Traditionell gibt es einen männlichen Anführer, der Rais genannt wird, doch jetzt blieb der männliche Nachwichs aus und Nora wird von Geburt an zur neuen Rais vorgesehen. Ausgebildet wird sie vom strengen Großvater, den bisherigen Rais. Ihre wichtigste Rolle dabei ist Mattanza, die traditionelle Thunfischjagd. Die Insel wird so lange fortbestehen, wie jemand von ihrem Blut die Mattanza anführt, so der Glaube.
Noras Leben ist geprägt und vorgezeichnet durch die ihr zugewiesene Rolle, so sieht sie ihre Familie immer nur sonntags und verbleibt sonst beim Rais und ihren Aufgaben. Dadurch wird sie aber auch zur entschlossenen Persönlichkeit. Das hat mich an dem Buch beeindruckt.
Germano Fabianos Beschreibungen sind detailreich, um Beispiel über den Thunfischfang und sehr interessant. Man kann sich kaum losreißen vom Buch. Ein Buch mit so einer Handlung gehört wirklich zum Mare-Verlag.
Das Buch handelt von dem Zwiespalt zwischen Tradition und Fortschritt. Von einer Insel und ihren Bewohnern. Die Bewohner fühlen sich schon jahrhundertelang dem Thunfischfang verpflichtet , der ihr Leben bestimmt. Es kommt zu ungewöhnlichen Maßnahmen - die Menschen versuchen, an ihren Traditionen festzuhalten. Aber die Zeiten ändern sich einfach. Mattanza eine uralte Tradition des Thunfischfanges wird erstmals in die Hände einer Frau gelegt. Die Bewohner der Insel stehen sich aber auch anderen Problemen gegenüber, wie zum Beispiel Flüchtlingen.
Erzählt ist das Buch im Stil einer Parabel mit sehr viel Atmosphäre - sehr bildhaft und wunderschön zu lesen. Das Ende hin ist sehr schnell, also es entwickelt sich alles Schlag auf Schlag, aber ich glaube, dass war auch beabsichtigt, weil die Welt sich immer schneller wandelt.
Ein sehr ungewöhnliches Buch, welches mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird, es hat Eindruck hinterlassen.
Dieses Buch hat mich komplett überrascht. Mir gefiel die Prämisse, die Umsetzung jedoch hat mir den Atem geraubt. Fast ein ganzes Leben auf nur 192 Seiten so eindrucksvoll aufzurollen ist eine wahre Meisterleistung! Mit jedem Kapitel sehen wir Nora älter werden und begleiten sie, sowie die anderen Bewohner der Insel Katria in ihrem Leben. Dabei verfolgen wir nicht nur große Momente, wichtige und unerwarteten Wendungen sondern auch das alltägliche Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Tradition und die moderne Welt mit ihren unüberwindbar scheinenden Herausforderungen stehen sich dabei immer wieder gegenüber. Der Schreibstil ist sehr klar, fast schon nüchtern und dennoch fehlt es dieser Geschichte nicht an Gefühl und Humor. Ich bin wirklich beeindruckt! So ziemlich jede Seite meines Buches hat Markierungen und Notizen an der Seite. Es hat mich mitgerissen und gefesselt. Ein Buch das zum Nachdenken bringt!
Ein interessantes Buch, das die Veränderungen auf der italienischen Insel Katria im Laufe der Jahre von 1960 bis 2012 zeigt. Ist das Leben der Bewohner zu Anfang noch oder nur vom Thunfischfang geprägt - der sehr ausführlich und nicht für sensible Menschen beschrieben wird - wandelt es sich während der Jahre. Der Leser erlebt die erste vorsichtige Öffnung gegenüber dem Fremdenverkehr und den damit verbundenen Reibereien innerhalb der Inselbevölkerung. Auch mit anderen alten Traditionen wird gebrochen, um das Überleben der Gemeinschaft zu sichern. Zwischen den Zeilen geht es nach und nach auch um die Umweltverschmutzung der Meere, industriellen Fischfang und die Flüchtlingskrise, die alle Auswirkungen auf die kleine Inselgemeinschaft haben. Der Schreibstil ist gut lesbar und die Autorin verbindet eine untergegangene Welt geschickt mit dem Heute. Lesenswert.
Zum Inhalt: Schon immer bestimmen Meer und Wind das Leben auf der süditalienischen Insel Katria, noch mehr wird aber das Leben durch den Thunfisch bestimmt. Und die Mattanza, die die Höhepunkt des Fangs bildet gibt den Rhythmus auf der Insel vor. Als der letzte legitime Erbe kein Junge ist, muss diese beweisen, dass auch eine Frau die Traditionen fortsetzen kann. Doch die Welt ändert sich und Touristen und Flüchtlinge verändern alles. Meine Meinung: So richtig konnte ich mir der Geschichte nichts anfangen und gerade zum Ende hin, fand ich dann auch, dass alles sich viel zu schnell entwickelte, aber vielleicht war das ja so beabsichtigt, um den schnellen Wandel der Welt darzustellen. Insgesamt hat mir die Geschichte nicht viel gesagt, habe ich vermutlich schnell wieder vergessen, aber dennoch fand ich den Schreibstil an sich ganz gut und gut lesbar. Fazit: Ganz okay
Längen Äußerst ungewöhnlich- das Cover eines Romans in Form einer schlichten Nahaufnahme einer Frau. Jedenfalls hätte ich hier nicht das erwartet, was im Buch schlussendlich steckt, vielmehr eine Biographie oder ähnliches. Naja das ist es nicht - und vielleicht genau wegen des ungewöhnlichen Covers hat mich das Buch umso mehr interessiert. Der Inhalt dreht sich um das Schicksal einer kleinen Familie, die vom Fischerdasein lebt. Plastisch wird der Generationenumbruch innerhalb der Familie dargestellt und die damit einhergehenden Probleme spezifiziert. Eine Frau die sich behaupten muss und ein Umbruch in der Gesellschaft durch immer stärker aufkommenden Tourismus stehen hierbei im Mittelpunkt. Leider hat mich die Geschichte nicht wirklich überzeugen können. Irgendwie belanglos war das alles - und auch nicht richtig spannend.
Tradition Das neue Buch "Mattanza" von der Autorin Germana Fabiano gewährt dem Leser einen intensiven Einblick in eine dörfliche Fischereigemeinschaft. Das eher ungewohnte Thema wird hier durch eine genaue Darstellung der verschiedensten Charaktere sehr ausstaffiert und auch recht interessant dargestellt. Durch den Generationenwechsel, der ohne eine weitere männliche Nachfolge auskommen muss kommen einige Zweifel auf, denen die junge Nora erst entgegentreten muss. Traditionen, Familie und Gemeinschaft sind zentrale Werte, die bei diesem Buch im Mittelpunkt stehen und von denen die Geschichte immer wieder durchsponnen ist. Dies ist meist recht schön dargestellt, allerdings hat mir die Tiefe ein bisschen gefehlt. So wirklich motiviert zum weiterlesen hat das Buch nicht unbedingt. Trotzdem ist die Geschichte ganz nett gestaltet
Ein wunderbares Buch - eine kleine Insel spielt die Hauptrolle und der Thunfischfang, der hier noch auf eine besondere Weise erfolgt. Sprachlich ein absolut schöner Roman mit vielen schönen Sätzen. Note: 2+