In einem Sommergewitter kentert das Segelboot des angesehenen Berliner Richters Wilhelm Weitling. Er kommt nur knapp mit dem Leben davon, muss aber feststellen, dass ihn sein Unfall fünfzig Jahre in die Vergangenheit zurückgeworfen hat. Neugierig, aber auch mit sanfter Kritik begleitet er den Jungen, der er einmal war, durch die Tage nach dem Sturm. Wer ist er damals gewesen? Und wie konnte aus diesem Menschen der werden, der er heute ist? Muss er die Erinnerung an seine Eltern, seine erste Liebe, seine Berufswahl, sein ganzes Leben revidieren? Und wird er zu seiner Frau und in sein altes Leben zurückkehren dürfen?Sten Nadolny entführt uns auf eine philosophische Zeitreise, die seinen scharf beobachtenden Helden zu unverhofften Erkenntnissen führt.
Sten Nadolny, (born 29 July 1942, in Zehdenick, Province of Brandenburg) is a German novelist. His parents, Burkhard and Isabella Nadolny, were also writers.
His best known work is "The Discovery of Slowness" (1987; originally published in 1983 as "Die Entdeckung der Langsamkeit"), a fictionalized meditation on the life and lessons of British Arctic explorer Sir John Franklin. A pre-publication portion of the novel titled "Kopenhagen 1801" (which would become the fifth chapter) had earned Nadolny the Ingeborg Bachmann Prize in 1980.
Wilhelm Weitling, achtundsechzigjähriger Pensionär und Richter a.D., zurückgekehrt an den Ort seiner Kindheit am Chiemsee, kentert mit seinem Boot während eines plötzlich aufziehenden Sturmes. Das Unglück katapultiert ihn Jahre zurück in seine Jugend, und er erlebt die Tage und Wochen nach einem vergangenen Segelunglück als sechzehnjähriger Junge erneut. Doch kleine, scheinbar unbedeutende Ereignisse sind anders als in seiner Erinnerung. Kritisch, aber auch verständnisvoll entdeckt er sich selbst als Jugendlichen und beginnt zu hinterfragen, was im Leben vorgezeichnet ist und welche Einflüsse ein Leben formen können. Wird er in sein altes Leben zu seiner geliebten Frau zurückkehren können?
„Sicher ist, dass ich im Leben ein paar grundlegende Dinge nie begriffen habe, und ich weiß nicht einmal, welche.“
Mit diesem Satz beginnt „Weitlings Sommerfrische“ und Wilhelm Weitling legt den Zettel, auf den er diese Erkenntnis geschrieben hat, unter eine Bodenfliese – zur Wiedervorlage. Denn noch ist ihm nicht ganz klar, was dieser Gedanke eigentlich von ihm will.
Genauso erging es mir zunächst mit dem Buch. Sten Nadolny erzählt in ruhiger, geradezu malerischer Weise vom Leben am Chiemsee, von bairischen Eigenarten und Redewendungen, vom geruhsamen Leben eines pensionierten Richters, der an seinem eigenen Buch arbeitet und manchmal ein wenig wehmütig an seine Jugend zurückdenkt. Doch mit dem Erkenntnisgewinn Weitlings ändert sich auch der Blick auf die Geschichte, die zwar nie wirklich spannend wird oder an Fahrt aufnimmt, aber dennoch zu fesseln versteht.
Das Buch ist zunächst aus der auktorialen Perspektive geschrieben, solange bis Weitling als Geist in seiner Jugend erscheint. Der Wechsel zum Ich-Erzähler kennzeichnet die Zeitreise, auf die Weitling sich begibt. Die Zeitreise, vom Großvater auch als „Sommerfrische“ bezeichnet, wirkt anfangs wie zusammengesuchte Erinnerungen und zeichnet ein Bild der 50er Jahre. Erst später fügen sich Details zu einem Ganzen und finden ihren Platz in der gut konstruierten Geschichte.
“Weitlings Sommerfrische” ist ein autobiographisch gefärbter Roman, der den Einfluss von Familie und die Frage nach der eigenen Identität betrachtet. Besonders interessant fand ich die Parallelen bzw. Umkehrungen im Leben Nadolnys, mit denen der Autor in seinem Roman spielt.
So sehr mich das Buch beim Lesen manchmal verwirrt, manchmal sogar angesichts der ausschweifenden Erinnerungen an die Schulzeit und Lehrer mitsamt ihrer Spitznamen gelangweilt hat, umso interessanter lässt es sich mit zeitlicher Entfernung betrachten. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und dem “Was wäre gewesen, wenn…”-Spiel neues Gedankenfutter bietet.
Die Reisen in die Vergangenheit reissen nicht ab: Willi Weitling erleidet Schiffbruch auf dem Chiemsee und erwacht neben sich selbst als 16jährigen, er steht im Grunde "neben" sich...Und plötzlich stellt sich das Erinnerte ganz anders dar als das, was tatsächlich passiert ist. Ein stranger Gedanke, wenn man auf einmal feststellt, dass die eigene Vergangenheit eine ganz andere ist...Eine wunderbare Geschichte mit einem verwirrendem Ende...
Ich bin zufällig über die Leseprobe hineingeraten und wollte wissen, wie es weitergeht. Ich hatte vorher "Ein Baum wächst übers Dach" von der Mutter des Autors gelesen. Hier erfährt man ein bisschen darüber, wie es danach weiterging und bekommt die Familiensituation noch einmal von einer anderen Seite erklärt. Das fand ich interessant, aber am Ende versandet das Buch in einer Coda, die mir zu lang und zu unnötig war.
Hikaye oldukça akıcı ancak çeviri de sanırım bir sıkıntı var, yer yer odaklanma noktasında zorlandim, yine de totalde hayal kurdurmasi keyifliydi diyebilirim.
Ich habe nicht das Buch gelesen, sondern die komplette Lesung als Hörbuch gehört. Eine sehr schöne philosophische Zeitreise eines pensionierten Richters, der bei einem Bootsunglück auf dem Chiemsee als Geist in seine eigene Vergangenheit () katapultiert wird. Alles ist sehr schön beschrieben und die Charakteren sind schön gezeichnet. Auch der Dann aber hat das Buch für mich sehr an Fahrt verloren und ich finde sogar, dass die letzten Seiten besser weggelassen worden wären. Trotzdem alles in allem ein schönes Hör- bzw. Leseerlebnis
Ein Leben - zwei Leben - anderthalb Leben? Ein Spaziergang durch Erinnerungen an zwei verschiedene Lebensläufe ohne trennscharfe Kante zwischen Fakt und Fiktion. Wunderschön geschriebenes Denkfutter über die Lebensläufe und das "Was wäre wenn".
Interessante Idee, gut konstruiert, schöne Sprache. Von der "philosophischen Zeitreise" hätte ich mir hin und wieder etwas Unvorhergesehenes gewünscht, so bietet der Roman vorwiegend angenehm Meditatives. Aber das ist ja auch was.
schöne Sprache,man kann sich gut an den Tegernsee versetzen,die zwei Erzählebenen des Wilhelm Weitling lassen einen aufmerksam bleiben,bzw.die zwei Leben und das Beste kommt zum Ende!!!