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193 pages, Paperback
First published January 1, 1949
Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob mir das Buch gefallen hat. Ich bewundere aber Alexandra David-Neel, eine starke ungewöhnliche Frau, derer philosophischen Überlegungen ihrer Zeit weit voraus sind. Die Orte, die im Buch beschrieben werden, habe ich selbst besucht. Es war ein Vergnügen über diese Orte zu lesen und meine Erfahrungen mit denen der Autorin (vor 100 Jahren) zu vergleichen.
Trotz ihrer (für die Zeit) progressiven Gedanken, fällt die Autorin in eben dem Denkmuster ein, den sie bei den anderen kritisiert. Sie tretet den Newar und anderen BewohnerInnen Nepal mit Vorurteilen gegenüber und ist beleidigt als diese, ihr, einer Europäerin im Sannyasin Sänfte bekleidet und einer der ersten AusländerInnen, die das Land überhaupt betreten dürfen, ebenfalls mit einer gewissen Feindseligkeit gegenübertreten. Stören tut mich auch ihr Bias gegenüber Nepal. Oft nennt sie die NepalesenInnen Barbaren, da sie damals noch die Witwenverbrennung und zahlreiche andere Opferrituale, vor allem für die bhairava-Gottheiten, praktiziert haben (manche Rituale werden immer noch praktiziert und sind tatsächlich etwas grausam). Diese Rituale wurden aber auch in „ihr geliebtes Indien“ praktiziert. Der Unterschied zwischen Indien und Nepal war, dass in Indien sich die Kolonialisten eingemischt haben und diese Rituale verboten haben. Die religiösen Überzeugungen der Newar, oder besser gesagt der Hinduisten, betrachtet sie als lächerlich und sie macht sich oft lustig über ihr Glauben an unterschiedlichen Mythen und Legenden. Ihre Reflektivität reicht, um zu erkennen, dass ihr tibetischer Begleiter, in seinem eigenen tibetischen Glaubenssystem gefangen ist, genauso wie die Hinduisten in ihr Glaubenssystem gefangen sind. Auf sich bezieht sie aber diese Reflexionen nicht.