Ich war neun Jahre alt, als meine Mutter beschlossen hat, dass sie das Leben nicht mehr mag. Sie hat mich hochgehoben und ganz fest in ihre Arme geschlossen, dann hat sie mir einen Gutenachtkuss gegeben und mich in mein Bett gelegt. Meine gelbe Giraffe lag neben mir und die bunte Kuscheldecke auch. Ich weiß das noch so genau, als wäre es heute gewesen. Dabei sind Jahre vergangen, seit diesem letzten Tag in meinem Leben.
Inhalt: Ich war neun Jahre alt, als meine Mutter beschlossen hat, dass sie das Leben nicht mehr mag. Sie hat mich hochgehoben und ganz fest in ihre Arme geschlossen, dann hat sie mir einen Gutenachtkuss gegeben und mich in mein Bett gelegt. Meine gelbe Giraffe lag neben mir und die bunte Kuscheldecke auch. Ich weiß das noch so genau, als wäre es heute gewesen. Dabei sind Jahre vergangen, seit diesem letzten Tag in meinem Leben. (Quelle: Verlag) Meine Meinung: Nach Was fehlt, wenn ich verschwunden bin, ist Bevor ich falle das zweite Buch von Lilly Lindner, zu dem ich greife. Ja, ich schleiche mich immer noch dezent um die Biografien herum, weil ich von der ganzen Schwere, die sich in ihnen befindet, sicher heruntergezogen werde. Aber wie auch schon WFWIVB hat Bevor ich falle auch sehr viele autobiografische Bezüge in sich, die mir auch hin und wieder das Herz ganz schwer gemacht haben. Aber genau das macht das Buch auch so unglaublich authentisch. Das ist auch gar nicht schlimm. Nein, ich wollte es euch vielmehr sagen, damit ihr vorbereitet seid, denn ich persönlich kann solche Bücher nicht immer lesen. Cherry hat ein schweres Leben, ihre Mutter ist fort und so lebt sie alleine mit ihrem Vater, der ein vielbeschäftigter Mann ist, selten da ist und seine Tochter wohl auch nicht so wirklich lieben kann. Die Kleine zerbricht und da ist niemand da, der sie auffängt und dennoch steht sie so gefährlich nah am Rande der Klippen, dass man Seite für Seite, Satz für Satz und Wort für Wort Angst um sie hat. Und dann fällt sie. Ausgerechnet an Heiligabend. Mit Vierzehn. Und wenn man denkt, es ist alles verloren ist da doch jemand. Landon. Ihr alter Schwimmtrainer. Und der versucht verzweifelt Cherry zusammenzuflicken. Aber egal ob er es schafft oder nicht. Er ist da und hält sie, bevor sie fällt. Und selbst wenn. Selbst, wenn sie fallen würde, dann fängt er sie auf. Er ist ihr Vater. Auch wenn er dafür viel zu jung ist. Aber er gibt ihr diesen Halt, den sie so dringend benötigt. Eine zweite wichtige Person in ihrem Leben ist Scratch, der zwar völlig anders ist als Landon, der aber Cherrys Leben noch mehr Sinn und vor allen Dingen Cherry selbst eine Bestimmung gibt. Scratch und Landon sind, obwohl ich Landon stets Scratch vorziehen würde, einfach zwei wundervoll ausgearbeitete Charaktere, die eine unglaublich wichtige Rolle im Buch spielen und ich habe sie beide so sehr in mein Herz geschlossen, wie auch Cherry. Dennoch hat das Buch gar nicht so viel Inhalt. Die Geschichte schwächelt sehr und obwohl viele ernste Themen aufgegriffen werden und diese auch sehr schon umgesetzt werden, mangelt es Bevor ich falle einfach an einer durchgängig spannenden und sich entwickelten Geschichte. Das ist für mich mein einziger, großer Kritikpunkt und genau dieser Punkt hat mir auch manchmal das Lesen wirklich erschwert, weil die 300 Seiten plötzlich zu 3000 wurden und ich einfach nicht weiter kam. `Was das Buch allerdings auszeichnet ist auch gar nicht die Geschichte. Es ist die unglaubliche WORTGEWALT, die man in jedem Werk von Lilly Lindner findet. Ich habe es schon einmal gesagt und ich kann mich nur wiederholen. Lilly Lindner kann Schreiben! Sie ist so wunderbar poetisch und das ganze Buch ist so tiefgründig und voller schöner Zitate. Man möchte am liebsten alle Seiten mit bunten Post Ist bekleben und die schönen Wort so für immer bewahren. Und genau diese Wortgewalt macht fast, aber nur fast, schon die fehlende Story wett. Sie ist der Grund, warum ich immer und immer wieder zu Lilly Lindner Büchern greifen würde und diese Autorin meinen ganzen Respekt verdient hat. Diese Wortgewalt macht mich immer sprachlos und genau das bin ich jetzt auch! Danke Lilly Lindner, dass du mich immer begeistern kannst. Bewertung: Bevor ich falle trägt Lilly Linders Handschrift und trotz der schwächelnden Story ist es absolut lesenwert. Mit wundervoll ausgearbeiteten Charakteren und natürlich der Wortgewalt, die Lilly Lindner hat, wird Bevor ich falle für mich zu einem Must Read. Wegen dem Inhalt gebe ich einen Fuchs Abzug und, wenn ich ehrlich bin, kommt es auch nicht an Was fehlt, wenn ich verschwunden bin heran. Deshalb vergebe ich 4 von 5 Füchschen.
Am Anfang war ich vom Schreibstil eigentlich ziemlich begeistert. Poetisch und wirklich gute Wortspiele und Satzbauten. Doch mit der Zeit wird es zu viel des Guten. Zuviel "Poesie", aber leider auch irgendwie zu viel kindliches Geschreibe. Als würde ein bockiger, verzogener Teenager versuchen, Poetisch zu sein, was ab und an gelingt, aber ansonsten eher Gossenjagon verwendet. Und auch Cherry selbst nervt mich dermaßen, tut mir leid. Hier ist das Thema seelische Verletztheit, Trauma und Ritzen leider nicht sehr gut umgesetzt worden.
Außerdem sollte auf dem Buch echt eine Triggerwarnung angebracht werden.
Ich habe mir die Geschichte bis Seite 165 angetan, weil ich dachte und hoffte, es wird besser. Nope. Leider ein Abbruch und ab in die Tonne, sorry.
Das Buch ist echt wahnsinnig gut geschrieben und man kann die Gedankengänge der Protagonisten nachvollziehen auch wenn es wirklich keine schönen sind. Allerdings finde ich das Themen wie SVV, Essstörung und Suizid etwas leichtfertig beschrieben werden und teilweise auch triggern können. Zwar geht es hauptsächlich um den Entwicklungsprozess der Protagonisten und nicht um das komplexe Auseinandersetzen mit diesen Themen trotzdem musste ich an eins zwei Stellen kurz innehalten und mich kurz wieder sammeln. Aber das ist vielleicht auch genau das was Lilly Lindner bewirken wollte, die Leser zu schockieren. Denn trotz alledem hat sie es geschafft mich mit diesem Buch wahnsinnig zu berühren.
"Ich war neun Jahre alt, als meine Mutter beschlossen hat, dass sie das Leben nicht mehr mag."
Im zarten Alter von neun Jahren muss Cherry einen der schlimmsten Verluste erleiden,den man sich nur vorstellen kann. Ihr Vater ist auch nicht unbedingt der Typ Mensch,der ihr in dieser schwierigen Situation zur Seite steht.Im Gegenteil, er macht es ihr nur noch zusätzlich schwer und gibt ihr das Gefühl nichts wert zu sein. Mit 14 läuft sie schließlich von zu Hause weg und landet bei Landon,ihrem ehemaligen Schwimmlehrer. Er nimmt sich ihr an und wird zu einer Art Ersatzvater für sie. Auch wenn Cherry stark rebelliert und das Leben nicht mehr leiden kann hält er zu ihr und versucht ihr immer wieder zu zeigen wie lebenswert ihr Leben sein kann.
Cherry macht es einem häufig nicht einfach sie gern zu haben geschweige denn ihr Verhalten zu verstehen. Im einen Moment ist noch alles gut und im nächsten versucht sie sich das Leben zu nehmen. Doch sie ist ein gebrochener Mensch,den die Selbstzweifel und die Schuld zerfressen und da ist Logik nunmal nicht unbedingt ein geltendes Kriterium. Fakt ist,dass Lilly Lindners Schreibstil mich mal wieder richtig gepackt und umgehauen hat. Ihre Art mit Worten umzugehen ist nahezu einzigartig. Und sie hat es damit auch wieder einmal geschafft mich emotional zu zerstören.
die sprache von lilly lindner ist einfach so, so toll. wie man aus einzelnen buchstaben und wörtern so eine kunst kreieren kann, beeindruckt mich echt jedes mal. ihr schreibstil gibt mir so ein wohlfühlgefühl und ihre worte gehen jedes mal genau ins herz. lieblingsautorin für immer <3
Lilly Lindner hat einen einzigartigen Sprachstil, geradezu virtuos spielt die mit ihren Worten. Inhaltlich war das Buch sehr berührend, auch wenn mir manche Figuren - vor allem der Vater - etwas überzeichnet vorkamen. Dennoch musste ich bei der bedeutungsschweren Szene gegen Ende im Supermarkt fast heulen...Ein Buch, was im Gedächtnis und im Regal bleiben wird.
Seit ich im Januar Was fehlt, wenn ich verschwunden bin gelesen habe, bin ich absolut fasziniert und verzaubert von Lilly Lindners Schreibstil. Sie hat eine Art zu schreiben, die mir so noch nie zuvor untergekommen ist. Statt einfach wie gewöhnlich Sätze aneinander zu reihen, wie es normale Autoren machen, nähert sie sich mit dem Auge eines Wissenschaftlers der Sprache an. Mit fast schon kindlicher Freude und Leichtigkeit nimmt sie Wörter auseinander, sieht sie genauer an und setzt sie hinterher wieder zusammen.
I'm deaf. I'm deaf-initely unable. To hear.
Und obwohl die Thematik eigentlich sehr schwer und düster ist, fiel es mir leicht, durch die Geschichte zu fliegen - einfach nur deshalb, weil dieser Schreibstil so aussergewöhnlich und wunderschön ist. Ich würde jedem empfehlen, sich ihre Bücher genauer anzusehen, nur um auch einmal auf den Geschmack dieser Art zu schreiben zu kommen.
Plot Wie erwähnt, ist der Plot nicht ganz so fluffig und leicht wie der in Lindners YA-Debut. Zwar ging es auch dort um eher schwierige Themen, aber mit einer Neunjährigen als Protagonistin wurde es trotzdem sanfter und süsser. In "Bevor ich falle", however, begleiten wir Cherry von ihrem 9. Lebensjahr weg bis hin in ihre frühen Zwanziger; der Grossteil spielt sich in ihrer Teenagerzeit ab. Demnach ist auch ihr Tonfall weniger kindlich, sondern hat eine gewissen Zynismus und eine gewisse Aggressivität und Bitterkeit in sich, wie sie jemand hat, der schon zu viel gefühlt und zu viel gesehen hat. Die Handlung dreht sich im Grunde um Cherry, deren Mutter Selbstmord begeht, als das Mädchen gerade neun Jahre alt ist. Die Familiensituation ist nicht ideal, da auch der Vater sehr aggressiv und furios ist und nichts so sehr hasst wie Wörter, da er gezwungenermasen im Verlagswesen arbeitet und es nicht leiden kann. Cherry gibt sich selber die Schuld am Tod ihrer Mutter, weil sie die lieblose Art ihres Vaters übernommen hatte und sich biestig verhielt. Sie hat das Gefühl, wenn sie doch nur netter gewesen wäre, ihrer Mutter nur mehr Liebe gezeigt hätte, dann wäre ihre Mutter nicht aus dem Fenster gesprungen, sondern bei ihr geblieben. Um mit ihren Schuldgefühlen klarzuwerden, verletzt sich Cherry selbst und geht in diesem Strudel an düsteren und dunklen Gefühlen verloren.
Im Grunde genommen lässt sich das Buch ein wenig einteilen in mehrere Phasen von Cherrys Leben: 1.) Kindheit - bevor und kurz nachdem ihre Mutter sich umgebracht hat. Hierbei wird viel auf die Beziehung von Cherry mit ihrem Vater eingegangen, der dabei so terroristisch dargestellt wird, dass es einem selbst die Kehle abschnürt. Die Heftigkeit, mit der er Schriftsteller verachtet, lässt er an seiner Tochter aus, was später dazu führt, dass sie praktisch Angst vor ihrem Talent des Schreibens bekommt. 2.) Als Cherry 14 ist, läuft sie von zuhause davon und lebt fortan mit ihrem ehemaligen Schwimmlehrer Landon zusammen, der für sie eine Art Ersatzvater wird. In dieser Phase geht es darum, wie es Cherry als Teenager bis zum Abi so ergeht. Sie rebelliert und macht Landon das Leben nicht gerade einfach, wodurch es als Leser manchmal auch schwer ist, Cherry zu mögen - auch wenn einem klar ist, dass sie eigentlich ein gebrochener Mensch ist. 3.) Am selben Tag, an dem Cherry ihr Abi macht, trifft sie auf einen Musiker namens Scratch, der auf der verzweifelten Suche nach einer Songwriterin ist. Cherry, die ein wahres Talent besitzt und fast schon aus dem Hemdsärmel Texte schütten kann, bietet sich an und wird als Songwriterin berühmt. 4.) Die letzte Phase ist im Prinzip alles, was danach passiert. Diese Phase ist die emotionalste, weil Cherry es nicht mehr länger schafft, ihre Vergangenheit zu vergessen. Sie verliert sich in ihren schrecklichen Gedanken und bereitet ihren Freunden Kummer, weil diese einfach nicht wissen, wie sie ihr helfen können. Es war sehr intensiv, über Cherrys Kampf zu lesen, auch wenn man sie manchmal am liebsten angeschrien hätte: "Jetzt hör doch mal auf, dich selbst zu verletzen!" Womit ich noch zu einem letzten Punkt kommen möchte:
Charaktere Während die Protagonisten Phoebe und April aus Was fehlt, wenn ich verschwunden bin die absolut wunderbarsten waren und ich sie am liebsten beschützt und verteidigt hätte, so hatte ich mit Cherry ein paar Probleme. Auf der einen Seite ist einem zwar bewusst, woher ihr innerer Kampf stammt und das all ihre Rebellionen einen Ursprung und einen Grund haben; doch trotz allem war es manchmal schwer, Cherry zu verstehen. So gibt es zum Beispiel ab und zu Situationen, in denen man dachte, alles wäre gut und Landon kann endlich verschnaufen; doch dann kommt die nächste Szene und Cherry verletzt sich wieder. Mir ist bewusst, dass sie mentale Probleme hatte und man die nicht einfach von einem Tag auf den anderen abschalten kann, so sehr man sich das auch wünscht; doch das Lesen war trotz allem manchmal zäh und schwierig. Cherry erschien wie ein unberechenbarer, ausser Kontrolle wütender, verzweifelter Mensch. Weiterhin gefiel mir die Art nicht, wie manche Gespräche etwas over the top waren. So sehr ich Lilly Lindners Schreibstil auch bewundere: Niemand, absolut niemand , redet mit seinem Gegenüber so wie Cherry es tut. Es ist schön zu lesen, doch eher unrealistisch - kennt ihr das? Wenn ihr manchmal Konversationen liest und euch denkt: "Schön und gut, aber wer redet denn schon so?" Genau dieses Gefühl hatte ich hier. Besonders Cherry redete manchmal wie ein wildes Wörterbuch, das wie von Sinnen Wörter umherspuckt.
Die Nebencharaktere - insbesondere Landon und Scratch - waren hingegen liebevoll gezeichnet. Besonders bei Landon fiel auf, wie sehr es ihm schmerzt, Cherry nicht helfen zu können. Seine Verzweiflung steht ihm mitten ins Gesicht geschrieben. Er versucht stetig wieder, sie vor ein Ultimatum zu stellen, doch sie bricht ihre Versprechen immer wieder aufs Neue. Dabei verliert er jedoch nie die Hoffnung in das Mädchen. Nie denkt er: "Die ist ein hoffnungsloser Fall, ich lass sie einfach vermodern in ihrer Düsternis." Sondern er versucht nach jedem Straucheln aufs Neue, ihr aus ihrem Gefühlschaos und den Schuldgefühlen zu helfen. Und genau das macht ihn zu einem wundervollem Charakter. Scratch ist ein wenig abgedreht und fügt mit seiner quirligen, durchgedrehten Art der Geschichte ein wenig Humor und Leichtigkeit hinzu. Zwar ist die Geschichte schon grösstenteils eher düster, aber Scratch sorgt dafür, dass es nicht zu depressiv zu lesen ist. Auch er kümmert sich um Cherry, wenn auch auf eine etwas andere Art als Landon.
Als Schlussplädoyer lässt sich sagen, dass "Bevor ich falle" eine intensive Geschichte ist, die manchem vielleicht etwas zu stark düster ist (hier müsste man vielleicht noch eine trigger warning für Selbstverletzung und Selbstmordgedanken und -versuche einfügen) - doch sie ist realistisch, ehrlich und zeigt auf, dass der Kampf gegen sich selbst nicht immer leicht ist und eben genau das ist: Ein Kampf.
Bevor ich falle steht schon eine gefühlte Ewigkeit auf meiner Wunschliste. Und jetzt nachdem ich das Buch zu Ende gelesen habe, frage ich mich wirklich, warum zur Hölle ich nur so lange damit gewartet habe, es zu lesen. Denn innerhalb von wenigen Tagen hat das Buch es geschafft, sich mal eben nach ganz weit oben auf meine Liste der Lieblingsbücher zu katapultieren.
"Ich wollte nichts mehr. Gar nichts. Aber wenn wir wissen, dass wir nichts mehr wollen, dann wollen wir wahrscheinlich doch etwas, sonst würden wir nicht darüber nachdenken, wie egal uns alles ist, erst dann wird uns wirklich alles egal sein, und erst dann sind wir nichts weiter als unwissende Abseitsgestalten in überbrückten Zeitgeschehen. Also wollte ich wahrscheinlich alles. Alles oder nichts."
Das Buch ist nicht ein Buch, das man eben mal so zwischendurch rein schiebt. Man muss ihm Zeit geben, sich mit dem Schreibstil und der Thematik anfreunden und hin und wieder mal einen Moment inne halten, um über das soeben gelesene nachzudenken. Bevor ich falle ist kein fröhliches Buch, auch wenn es doch mal vorgekommen ist, dass ich ein leichtes Lächeln auf den Lippen hatte, doch das liegt vor allem an den Charakteren.
Als Cherry neun Jahre alt war, beging ihre Mutter Selbstmord und lässt sie somit bei ihrem Vater zurück, der Cherry und überhaupt den Rest der Welt hasste. Doch kein gefühlskalter Vater ist auch nur annähernd so schlimm, als das Gefühl, an dem Tod seiner eigener Mutter Schuld zu sein. Und diese Schuld spürt Cherry jeden Tag, immer wieder stellt sie sich die Frage, was geschehen wäre, hätte sie den Gute Nacht Kuss ihrer Mutter erwidert. Ob ihre Mutter noch leben würde, hätte sie ihr gesagt, dass sie sie auch lieb hat. Sie ist kurz davor, zu fallen, sinkt in Depressionen und verletzt sich selbst. Doch bevor sie fallen kann, erscheinen plötzlich Menschen in ihrem Leben, die sie auffangen.
"Es gibt nichts, was sich lebendiger anfühlt, als zu sterben. Denn wenn man merkt, dass man verblutet, wenn alles anfängt, sich zu drehen und die Farben sich in Luft auflösen, dann weiß man, dass man am Leben ist."
Cherry ist alles andere als ein einfacher Charakter. Einerseits tat sie mir unfassbar Leid und andererseits fällt sie so schnell wieder in alter Verhaltensmuster und scheint nichts aus früheren Erlebnissen gelernt zu haben, sodass ich mich hin und wieder gefragt habe, warum Menschen wie der Schwimmtrainer Landon eigentlich noch Kraft in sie rein stecken. Es gibt bestimmt einige Leser, die nicht mit ihr klar kommen würden, doch ich fand sie als Charakter wirklich interessant. Die Autorin schafft es auch wahnsinnig gut, über solche ernste und traurige Themen zu schreiben, ohne dass der Leser selbst denkt, dass er gleich in so ein großes Loch fällt. Lindner verteilt Ratschläge und gibt dem Leser tiefgründige Textpassagen zum Nachdenken. Vor allem kaufe ich ihr diese ganzen Gefühle auch ab, da ich mir sehr gut vorstellen kann, dass sie genau weiß, wovon sie schreibt. Wenn man sich die Inhaltsangabe ihrer Autobiografie Splitterfasernackt so durchliest, sieht man schon, dass Lilly Lindner selbst schon schlimmes durchstehen musste und ich vermute einmal, dass ein Stück von Lilly auch in Cherry drin steckt.
Neben Cherry gilt meine Anerkennung aber vor allem dem oben genannten Schwimmtrainer Landon, welcher selbst gerade mal vierundzwanzig Jahre alt ist, als er beschließt, der vierzehnjährigen Cherry zu helfen. Dabei entwickelt sich keinesfalls irgendeine schnulzige Liebesgeschichte, die hätten das Buch wahrscheinlich auch niemals so besonders sein lassen. Landon ist ein Mensch, den es einfach öfters geben sollte und ich hoffe fest daran, dass irgendwo da draußen wirklich solche Leute rumlaufen und Leben retten.
"Und auch wenn kein Mensch in der Lage ist, die Zeit zu vertreiben, ohne sie zu beenden, haben wir doch alle die Möglichkeit, sie zu ignorieren, bis sie uns irgendwann überrennt."
Mein größtes Highlight in diesem Buch war aber vor allem dieser einzigartige Schreibstil von Lilly Lindner. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, welches so mit einer besonderen Erzählart heraus gestochen ist und genau solche Bücher wie diese zeigen mir, warum ich es liebe zu lesen und ich bemitleide die ganzen Menschen, die sich so etwas entgehen lassen können. Auch hier gibt es bestimmt einige, die mit dem Stil nicht ganz klar kommen werden, aber ich habe ihn einfach nur geliebt! Lilly Lindner hat das Talent, mit Wörtern und Sätzen zu spielen, sie neu aneinanderzureihen und miteinander zu kombinieren. Außerdem verwendet sie eine eigenartige Punktierung der Sätze und unterteilt einen Satz vor allem an einem Ende von einem Kapitel einfach mal so in zwei. Ein Beispiel wäre dieses Zitat hier:
"Meine Fähigkeit zu existieren. Hat mit Abwesenheit geglänzt."
Oder dieses hier:
"Du weißt nicht, wie sich Stille anfühlt. Bis sie dich anbrüllt."
Anfangs habe ich mir noch die Mühe gemacht, meine Lieblingszitate zu markieren und Zettelchen reinzukleben, aber irgendwann hat das so meinen Lesefluss unterbrochen, da wirklich immer wieder nach ein paar Seiten schon das nächste Zitat auf mich gewartet hat. Im Grunde ist das Buch an sich ein einzig großes Lieblingszitat von mir. Jedes Kapitel fängt mit einem kurzen Text an, die zum Teil wirklich poetisch und lyrisch geschrieben wurden. Ich hätte am liebsten jeden Text davon angestrichen. Auch viele selbstgeschrieben Songs entdeckt man in dem Buch und wie gerne hätte ich den musikalischen Teil davon auch noch gewusst und den ganzen Tag nur diesen genialen Lyrics gelauscht.
Das Ende ist meiner Meinung nach perfekt und mit dem letzten Kapitel, das wirklich jeden in irgendeiner Art und Weise ansprechen muss und jedenfalls bei mir ein warmes Gefühl im Bauch und im Herzen hinterlassen hat.
Fazit Fünf Sterne sind eindeutig zu wenig und meine Rezension kommt auch nicht annähernd an das ran, was ich bei diesem Buch gefühlt habe. Ich habe auf jeden Fall ohne groß nachzudenken die weiteren Bücher von Lilly Lindner bestellt und freue mich auf weitere Geschichten von ihr, mit diesem genialen Schreibstil.
Offiziell lese ich dieses Buch nun schon seid über 1 Jahr, kam aber nicht gut in die Story rein, sodass ich eigentlich erst Heute, das Buch von vorne, am Stück durchgelesen habe.
Ich fand die Storyline super, mochte die Charaktere, jedoch hat mir hier und da etwas gefehlt (daher auch keine 5⭐️)
Ich liebte das Ende und das Wiederaufeinandertreffen von Cherry mit ihrem Vater.
Aber auch den Einbau von Lyrik fand ich super, auch wenn ich damals wohl mehr zu den Texten related hätte. Dennoch super geschrieben!
Die Autorin schreibt authentisch, nimmt kein Blatt vor den Mund und kreiert magisches mit der Verwendung von Wörtern!
Klare Leseempfehlung aber nicht für schwache Nerven/ große Triggerwarnung.
mega krasse storyline. deeeep. finde hätte nh tw gebraucht aber hat mich WIRKLICH gecatcht konnte es nicht mehr loslassen. deep deep deep! die poesie hat mich aber tbh manchmal bisschen verwirrt
[Du weißt nicht, wie sich Stille anfühlt. Bis sie dich anbrüllt.]
Die kleine Cherry verliert im Alter von neun Jahren ihre Mutter. Sie springt aus dem Fenster und lässt Cherry mit ihrem herzkalten Vater allein zurück. Je älter Cherry wird und je schwieriger es wird, mit dem Alltag klar zu kommen, desto mehr Schuldgefühle und Selbsthass entwickeln sich in ihr. Denn sie ist fest davon überzeugt, dass sie Schuld am Selbstmord ihrer Mutter trägt. Und das einzige, was sie will, ist wieder mit ihr zusammen sein. Aber Gott sei Dank, gibt es einen Menschen in ihrem Umfeld, der sie daran zu hindern versucht, sich selbst zu verletzen und ihr zeigt, was sie eigentlich will. Dieser Jemand ist allerdings nicht ihr Vater, denn von ihm aus, könnte sie ihrer Mutter ruhig hinterher springen. Vermissen würde er sie sicher nicht, sagt er und denkt sie jedenfalls.
Handlung & Stil. Wie erwartet, ist bei Lilly Lindners zweitem Roman wieder nicht nur der Stil intensiv, sondern auch die Handlung. Mit harten und direkten Worten, die niemand hätte besser wählen können, erzählt sie uns die Geschichte von Cherry, einem liebenswerten Mädchen, das psychisch allerdings total zerstört ist. Sie weiß nicht, wie sie mit dem Leben fertig werden soll, dafür aber mit den Worten. Ihr Vater hasst Worte und ihr Vater hasst Cherry. Schon als die Mutter noch lebte, schon seit Cherry denken konnte, hat ihr Vater sie schlecht behandelt, wollte sie nicht um sich haben und mochte sie nicht leiden. Und Cherry hat rebelliert. Und ihrer Meinung nach, ihre Mutter auch noch in den Selbstmord getrieben. Mit welcher Stärke, Kraft und unverdaulicher Ehrlichkeit Lilly Lindner diese Geschichte erzählt, ist mal wieder erschreckend und erfreuend zugleich. Denn selten fallen uns solche Bücher in die Hand. Noch nie habe ich einen Autor oder eine Autorin gefunden, die eine solche Wortkraft an den Tag legt. Das kann nur jemand, der selbst eine Menge erlebt hat, der seine ganzen eigenen negativen Gefühle in die Sätze legt, Punkte setzt, wann er sie für richtig hält und nicht, wann sie gut aussehen oder sinnvoll erscheinen. Das ist Lilly Lindner. Und wenn man sich für sie und ihren Schreibstil öffnen kann, dann wird man eine Achterbahnfahrt durch die Hölle des Lebens machen und immerzu schreien wollen. Doch der Nebel unseres Daseins wird euch die Hand auf den Mund pressen und euch weiter hinabziehen, solange, bis die letzte Seite geschlossen wird, und eure Bügel des Waggons sich wieder öffnen.
Charaktere & Schauplatz. Natürlich ist Cherry wieder eine Mischung aus allem. Sie ist einerseits sehr liebenswert, andererseits aber auch einfach nur zu bemitleiden. Und noch mal andererseits ist sie ein Mädchen, das zickige Antworten gibt, rebelliert und nicht weiß, wohin sie gehört und wer sie sein möchte. Es ist interessant, sie zu verfolgen, mit ihr einen Teil des Leidensweges zu gehen und irgendwie ihren Schmerz zu spüren. Man versucht ihr ihn ein Stück weit abzunehmen, aber wer selbst etwas Schweres hinter sich hat oder durchmacht, der weiß, dass das niemals funktionieren würde. Man ertrinkt im Leid, weil der Verstand sich darin festfährt. Eigentlich, hat man kaum mehr eine Chance auszutreten. Schauplätze spielen in dem Buch keine tragende Rolle und werden auch nicht sehr geschildert. Dennoch gibt es ein paar Plätze in dem Buch, die wichtig sind und die man sich merkt und vorstellt. Lilly Lindner braucht dazu keine vielen Beschreibungen, damit das menschliche Vorstellungsvermögen arbeitet.
Sonstiges. Das Buch hat mich geflasht. Selbstverständlich hat es das. Ich hatte nichts Anderes erwartet. Lilly Lindner ist mit Antonia Michaelis meine absolute Lieblingsautorin und ich würde mich jederzeit auf eines ihrer Bücher stürzen. Deswegen hoffe ich sehr, dass sie noch weitere Werke verfassen wird. Und wer von euch nun mal wirklich etwas Gutes lesen will, dass jeden - aber auch jeden Leser - an seine fühlenden Grenzen bringen wird, dann greift nach diesen Büchern. Splitterfasernackt fand ich allerdings in einigen Hinsichten noch besser. Es hat mich einfach dazu gebracht, das Atmen zu vergessen, fest zu schlucken, hat mir Tränen in die Augen getrieben und mich in einem Gefühl zurückgelassen, das ich bis heute nicht einordnen kann. All das, hat mir hier gefehlt, aber es war dennoch einfach Lilly und daher einfach super genial.
Cherry war neun Jahre alt als sich ihr Leben komplett verändert hat, denn ihre Mutter nahm sich ihres, durch einen Sprung vom elften Stock. Seit daher fühlt Cherry ein inneres Gefühlschaos, was unter anderem daran liegt, dass sie niemanden hat mit dem sie über den Tod ihrer Mutter trauern kann. Ihr Vater hat ihr mehr als einmal deutlich gemacht, dass sie ihm total egal ist, deshalb flieht Cherry eines Tages aus ihrer viel zu großen 9 Zimmer Wohnung und rennt an Weihnachten durch die Straßen Berlins. Dann trifft sie auf Landon, der ihr Obhut und viel mehr gibt. Und dann wird sie auch auf Scratch treffen der ihrem großen Talent der Worte ein Ventil gibt.
Meine Meinung:
Seit ihrem Debüt “Splitterfasernackt” ist Lilly Lindner für mich eine Autorin die ich im Auge behalten werde. Mit ihrer Biographie hatte sie mich total getroffen und bis zum Ende hin und vielleicht auch ein paar Klänge mehr festgehalten, mit der stärke und emotionalen Kraft ihrer Wörter. Mit “Bevor ich falle” hat sie nun ihren zweiten Roman (der erste war “Shattered“, welches bald erscheinen soll, aber schon mal als Ebook erschienen ist) geschrieben und ich bin mehr als beeindruckt über diese Frau.
Dieses Buch ist meiner Meinung nach schon etwas speziell und anders. Für mich hatte es den Eindruck, als ob der Verlag ihr gesagt hätte “Mach du mal Lilly, dir sind keine Grenzen gesetzt.” Denn zum einem hat Lilly Lindner viel mit der Satzstellung gespielt und überhaupt hat sie viel mit der Grammatik gespielt, um sehr viele wunderschön-tragische Wortspiele zu schaffen. Hier ein Beispiel was mir sehr nah ging:
“Jede Woche die gleichen sieben Tage. Nachtschattenversprechungen und Lichtlügen. Tagein, tagaus. Wochenendanfänge und Wochenanfangsendlosschleifen.”
Mich hat es nicht wirklich gestört, ich fand es sogar wunderbar und es hat auch wirklich toll zur Geschichte gepasst. Diese ist auch nicht eine einfache Chronologische Handlung. Lilly lässt gerne mal mehrere Monate und Jahre zwischen einzelnen Kapitel vergehen. Auch sehr toll fand ich, dass der Verlag erlaubt hat, dass die Songtexte die Cherry im Lauf der Geschichte schreibt auf Englisch abgedruckt wurden. Ich kann verstehen, wenn einige das nicht ganz so toll finden, ich war aber von diesem Mix der beiden Sprachen sehr begeistert.
An Emotionen hat das Buch wirklich die ganze Palette füllen können. Zwar denke ich haben die ernsteren und traurigeren Szenen überwogen, aber Lilly Lindner lässt zwischen drin oft mal eine ziemlich lustige Pointe raus und schafft es auch einen schallend zum lachen oder auch zum Schmunzeln zu bringen. Wut empfand man zum einem wegen dem Vater. Dieser ist der wahrhaftige Tyrann und wirklich nicht nett zu Cherry. Das macht den Leser dann noch etwas wütender, den dieser schließt Lilly sofort ins Herz. Die Lilly, die man durch “Splitterfasernackt” kennen gelernt hat und die Cherry hier hatten schon Ähnlichkeiten, weshalb vielleicht auch viele Leser dieses Buch als eine Art weiteren oder fortführenden (besser zurückführenden) Teil vom ersten sehen. Cherry ist eine durch die Vergangenheit gezeichnete Person, die man ihre Wunden durch die gedruckten Wörter hindurch ansieht.
Lilly Lindner hat ihre Protagonistin hauptsächlich mit drei Personen beschäftigen lassen. Zum einem ihr Vater, der, wie schon gesagt, sie alles andere als gut behandelt und ihre Wunden nur weiter reißt. Dann gibt es noch Landon, ihren Schwimmlehrer,der ihr etwas gibt, was sie lange nicht mehr empfand, Geborgenheit. Und so zur Mitte des Buches hin trifft sie auf Scratch. Ein rebellierender Rocker mit einem Kaninchen und einer Vorliebe zum Texten die er durch Cherry erst wirklich entdeckt. Landon und Scratch wurden wirklich toll von der Autorin in die Geschichte eingeführt und haben sich in die Herzen der Leser graviert.
Fazit:
“Bevor ich falle” ist ein fantastisches Buch. Es überzeugt mit seinen starken Charakteren und seinen Emotionen, die durch einen sehr tragisch schönen Schreibstil überzeugen. Es sind wirklich “Sätze mit Papierhaftung”.
Orginal auf meinen Blog: diversionforyou.wordpress.com
Bei diesem Buch möchte ich am liebsten nur Lilly Lindner selbst sprechen lassen. Es war mein erster Roman von ihr, doch ich weiß: Da muss ich mehr lesen. Lilly Lindners Schreibstil ist so außergewöhnlich wie der von Zoran Drvenkar. Aber auf einer ganz anderen Ebene. Nicht umsonst wird Lilly Lindner als Ausnahmetalent bezeichnet. Sie schreibt einen Roman voller Poesie, bei dem man sich jeden zweite Satz oder die aussagekräftigen Wortkreationen aufschreiben möchte. Wer ein Buch von Lilly Lindner liest muss sich dessen bewusst sein und kann dann keineswegs enttäuscht werden. Ist nicht euer Genre? Egal, meins auch nicht, aber das Buch hat mich trotzdem komplett überzeugt. Und hier konnte ich am Ende meine Tränen nicht zurückhalten. Ein so berührendes Buch, welches jeden Nerv einzeln trifft. Ein Buch, welches erschüttert, einen die Welt mit anderen Augen sehen lässt, ein Buch mit so viel Intensität, wie ich sie selten gelesen habe. Und weil ich einfach nicht in der Lage bin, die Worte zu finde, die Lilly Lindner findet, möchte ich in diesem einen Ausnahmefall ihren Klappentext und ein paar "Zitate" aus dem Buch sprechen lassen. Wer dann nicht überzeugt ist, sollte das Buch nicht lesen, obwohl es unbedingt lesenswert ist und jeder das Buch gelesen haben sollte. Um die Welt mit Cherrys Augen zu sehen. Um ihre Verletzlichkeit zu spüren. Um zu spüren, das man lebt und wie gut man es im Leben hat. Danke Lilly, für solch ein Meisterwerk.
Klappentext: Ich war neun Jahre alt, als meine Mutter beschlossen hat, dass sie das Leben nicht mehr mag. Sie hat mich hochgehoben und ganz fest in ihre Arme geschlossen, dann hat sie mir einen Gutenachtkuss gegeben und mich in mein Bett gelegt. Meine gelbe Giraffe lag neben mir und die bunte Kuscheldecke auch. Ich weiß das noch so genau, als wäre es heute gewesen. Dabei sind Jahre vergangen, seit diesem letzten Tag in meinem Leben.
Zitate: - Du weißt nicht , wie sich Stille anfühlt. Bis sie dich anschreit. - Definitiv mein allerliebstes Zitat, welches so wahr ist, das ich mich frage, wieso es niemand zuvor es geschafft hat, das so in Worte zu packen.
- Vielleicht hätte ich es verdient zu sterben. Als Strafe für den Todesübermut.
- Zusammengezählt sind wir immer mehr als alleine, aber jeder Einzelne von uns zählt; und wenn man zu sehr berechnet, dann verliert man sowieso jeden unbegrenzten Wert.
- Da war ich für die Dauer eines Augenblicks wortstill. Denn schöne Sätze haben einen Ausklang verdient. Ohne Unterbrechung.
- Denn kein Geräusch der Welt berührt einen Raum. Wenn er nicht umgeben ist. Von Stille.
- Wir haben gelächelt, aus vollkommen verschiedenen Gründen. Wir haben gelesen, mit einem Stapel Bücher zwischen uns. Und wir sind durch die Straßen gelaufen, ohne den gleichen Boden zu berühren oder uns anzusehen. Wir waren zusammen. Zusammenhangslos.
- Zwischendurch habe ich Texte geschrieben, als ginge es um mein Leben, dabei wollte ich es gar nicht mehr haben. Ich wollte nur meine Mutter wiedersehen. Ich habe sie so sehr vermisst, dass ich vergessen habe, wie andere Gefühle aussehen und wie viel Platz in einem menschlichen Gehirn für Achtsamkeit reserviert sein sollte. Mein pochendes Blut hat mich überflutet.
- Aber wenn ich schon falle, dann wenigstens hoch durch die Luft.
- Und manchmal. Manchmal. Haben wir uns gegenseitig dabei beobachtet. Wie wir die anderen beobachten.
- Damals am Meer. Du warst noch so klein, dass die Welt größer war als die Zeit.
Lilly Lindner hat es mal wieder geschafft. Nicht umsonst ist sie meine Lieblingsautorin und ganz, ganz großes Vorbild. Sowohl menschlich, als auch sprachlich. Im Hinterkopf hatte ich beim Lesen immer ihre zwei Autobiografien - kein Wunder, ähnliche Themen wie Depression, Selbstmord, Selbstverletzen und Magersucht stehen hier auf dem Plan. Ich muss sagen, diese zwei aus dem Leben gegriffenen Geschichten haben mich doch ein Stück weit mehr bewegt. Aber bei Lilly Lindner kann ich nur auf höchstem Niveau meckern - und das nicht, weil ich mich blind dem allgemeinen Begeisterungssturm anschließe, sondern weil mich so viele Wörter und Sätze treffen - direkt ins Herz. Für mich gibt es nichts Besseres, als dieses Gefühl: mitzuerleben und mitzufühlen, weil man so oder so ähnlich denkt oder gedacht hat, weil man die gleiche Kälte, den gleichen Stillstand mal empfunden hat. Die Hauptfigur Cherry hat mich in vielen Teilen natürlich an Lilly selbst erinnert, wie man sie in ihren Autobiografien kennengelernt hat, weil sie ähnliche Abwärtsspiralen nach unten ziehen, wenn auch aus anderen Gründen. Sie hat Schwächen, wie jeder von uns, aber sie kämpft, gegen diese schwarze Denkmuster in ihrem Kopf. Nicht immer, aber sie versucht es. Von Landon habe ich eigentlich das ganze Buch über ziemlich viel gehalten, er stellt eine tolle Stütze dar, keine Frage, nur eine Sache gegen Ende des Buches fand ich doch etwas seltsam - sei hier aber nicht gespoilert. Die Geschichte erzählt über viele Jahre hinweg den Kampf von Cherry mit sich selbst und dem Leben, was sie zu ersticken droht, nachdem sich ihre Mutter umgebracht hat, als sie selbst gerade mal 9 Jahre alt war. Schuldgefühle graben sich wortwörtlich tief unter ihre Haut. Und irgendwie, immer wieder, findet sie dann doch Halt bei den Worten, wie Lilly Lindner das so großartig auch selbst tut. Der Schreibstil ist einfach der Wahnsinn - manches muss man mehrmals lesen und ich bin sicher, manches wird man nie verstehen. Aber muss man das? Man kann so viel aus Lillys Sätzen ziehen, so viel Verständnis für Gleichgesinnte. So viel Schönheit in einzelnen Wörtern, dass es sich wie pure Inspiration anfühlt. Deswegen lese ich. Um vollkommen eingenommen zu werden von Welten, die sich nur durch Sprache öffnen. Es gibt nichts weiteres zu sagen, nur Bewundern und eben dieses: Sprachlosigkeit. Feuchte Augen vielleicht, am Ende.
Das Buch hat mir eine Freundin empfohlen und es ist ein sehr realistisch geschriebenes buch mit vielen Hochs und Tiefs so wie es im Leben auch ist. Das Buch zeigt einen nochmal wie krass unfair das Leben sein kann und wie die Protagonistin cherry damit umgeht. Sie hat in dem Sinne Glück das sie Landon (z.b.) hat der sie immer wieder unterstützt und sie so nimmt wie sie ist. Das Buch regt zum nachdenken an vor allem durch den Schreibstil und den vielen Gedichten/Songtexten
Lilly Lindner hat einen einzigartigen Schreibstill, der mich sehr begeistert hat. Die Geschichte von "Bevor ich Falle" ist im Grunde ganz simpel, doch ihre Schreibweise und der Aufbau ist einfach fesselnd! Dieses Buch habe ich mit wirklich viel Freude gelesen und ist nur weiter zu empfehlen!
Gute 3,5 Sterne! Die Wahl der Wörter war wirklich überwältigend, dadurch aber manchmal auch schwierig zu lesen. Fande jedoch die Verhaltensweise von cherry, trotz ihrer Erfahrungen, grenzwertig und wiederholend.
Ich freue mich sehr dieses Buch zu lesen, weil mich das Thema interessiert. Verlust ist mir nicht ganz neu und ich bin gespannt, ob das Buch meine Erwartungen erfüllen kann.