Make a Dog Residuary Legatee, and Hang Him!
So oder ähnlich könnte ein englisches Sprichwort abgewandelt werden, wenn es darum geht, die Handlung von Die Erbschaft von Rantanplan (1973) zusammenzufassen, in dem der wohl dümmste Wachhund des Wilden Westens seinen achten Auftritt in der Lucky-Luke-Reihe feiert. Diesmal, immerhin, scheint ihm das Glück hold zu sein, denn ein ehemaliger Gefangener, der durch das Glückspiel zu Reichtum – und zu Tode – gekommen ist, hat Rantanplan zum Alleinerben seines Vermögens eingesetzt, weil er in ihm das einzige selbstlose Wesen, das er je getroffen habe, sah. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten – so auch in diesem Fall: Sollte Rantanplan aus dem Leben scheiden, geht das gesamte Erbe an Joe Dalton, den größten Halunken, den der Erblasser je getroffen hat. Man kann sich denken, daß es bei der Testamentsverlesung zu einem unschönen Zwischenfall kommt, da der gute Rantanplan und unser etwas cholerischer Joe durch eine Eisenkette miteinander verbunden sind, und nachdem dieser Zwischenfall in letzter Minute beigelegt werden konnte, besinnt sich der Gefängnisdirektor darauf, daß Lucky Luke genau der richtige Mann wäre, Rantanplan beim Antritt seines Erbes – immerhin leitet der Hund jetzt ein Luxushotel, eine Silbermine, und ihm gehören eine Menge Häuser – zu begleiten. Luke willigt denn nach erstem Zögern ein, wohl auch aus Neugierde, wie die Angestellten auf ihren neuen vierbeinigen Boss reagieren werden. Als dann auch noch die Daltons ausbrechen, muß sich unser einsamer Cowboy kurzerhand, jedoch nicht gänzlich unerwartet, als Leibwächter betätigen.
Das alles hört sich sehr skurril und vielversprechend an, doch irgendwie sind die Gags recht dünn gesät, vielleicht weil man sich auf die Originalität des der Geschichte zugrundeliegenden Einfalls verlassen hat. Am lustigsten sind wieder mal die Daltons, wenn Averell plötzlich mit einem aus Seife geschnitzten Revolver aufwartet, der ungemein echt aussieht, und wenig später auch den Grund für die Detailgetreue der Waffe liefert. Sic transit gloria mundi, möchte man sagen, wenn man nicht gerade den Mund voller Seife hat. Amüsant ist es auch, wenn die Daltons auf der Suche nach einer Verkleidung sind, und just in diesem Moment vier Chinesen ohne Kontrabaß durch die Prärie spazieren. Leider ist kein Chinese in Averells Größe dabei, doch Joe weist seinen Bruder an, zurückzubleiben und die vier Gefangenen zu bewachen, bis ein paßgenauer Chinese vorbeikomme. Natürlich dürfen auch die bei Lucky Luke immer wieder vorkommenden, eigentlich ja liebenswerten, nationalen Stereotype nicht fehlen, denn wie passen Chinesen und Rantanplan wohl zusammen? Averell jedenfalls hat es als erster begriffen und bekommt gewaltigen Appetit.
Alles in allem jedoch reitet Die Erbschaft von Rantanplan mit sehr, sehr kurzem Zaumzeug, und selbst ein kurzer Auftritt von Mark Twain als Journalist und eine Drogenphantasie Rantanplans können daran nichts ändern. Immerhin ist es noch ganz witzig mitzuerleben, wie die Angestellten Rantanplans sich nach kurzem Erstaunen an ihren neuen Boss gewöhnen und versuchen, das Beste für sich aus dieser Situation herauszuholen, doch auch aus diesem Nebenstrang der Handlung hätte man noch mehr herausholen können. So ist dieses Abenteuer trotz einer recht ungewöhnlichen Ausgangskonstellation doch wohl eher im oberen Bereich der soliden Mittelmäßigkeit anzusiedeln.