Jeder stirbt nur einen Tod
Nach den Kapiteln über die Qin-Dynastie, die im ersten Band der Übersetzungen des Shiji von Burton Watson gesammelt sind (Records of the Grand Historian: Sima Qian), finden sich in diesem vorliegenden Band der erste Teil der Kapitel, die sich mit dem Untergang der Qin und dem Aufstieg der Han beschäftigen. Wie auch schon beim Qin-Band wechseln sich etwas mühselige Kalendereinträge ab mit spannenden Episoden aus dem Leben einiger Notablen der damaligen Gesellschaft. Mit feinem Humor schreckt Sima Qian auch vor Spitzen und versteckter Kritik nicht zurück; sein Leben hat ihm gezeigt, dass er eh nichts mehr zu verlieren hat.
Leider lesen sich bereits die ersten fast 100 Seiten eher unangenehm, was viele Leser abschrecken könnte:
"When Tian Rong heard that Xiang Yu had moved Shi, the king of Qi, to Jiaodong and set up Tian Du, a general of Qi, as the new king of Qi, he was very angry and refused to send Shi to Jiaodong. Instead he declared Qi to be in revolt, and marched forth to attack Tian Du. Tian Du fled to Chu. Tian Shi, king of Qi, fearful of Xiang Yu, fled to Jiaodong, thus reaching his new realm. Tian Rong, in a rage, pursued and attacked him. killing him at Jimo. Tian Rong then set himself up as king of Qi, marched west, and attacked and killed Tian An, the new king of Jibei." (S. 35f)
Doch ein gewisses Durchhaltevermögen und Leidensfähigkeit werden belohnt: Die Folgekapitel mit den Biografien sind unterhaltsam und sehr viel lesbarer, machen teilweise sogar richtig Spaß. Die Kaiser Gaozu und Wen, deren Minister und Generäle wie Shen Yiji und Han Xin, sowie die berüchtigte Kaiserin Lü und der Widersacher Gaozus, Xiang Yu, fehlen natürlich nicht in diesem Strudel aus Verrat und Loyalität.
Unklar bleibt, was in der zweiten, revidierten Auflage geändert wurde - ich vermute, die Romanisierung wurde auf Pinyin geändert, was der Lesbarkeit nicht schadet, im Gegenteil. Die sonstige Aufmachung ist spartanisch, ein für die Bedeutung des Werks recht knappes Vorwort, wenige, dafür aber hilfreiche Fußnoten und vor allem die Karten am Ende erlauben dem Leser eine gewisse Zuordnung der Ereignisse im geografischen Rahmen. Papier und Bindung sind makellos, der Druck etwas uneinheitlich, aber größtenteils gut gelungen.
Natürlich ist dies ein historisch unschätzbares Werk; die Bewertung beziehe ich aber auf Leser, die nicht nur Historiker sind, sondern interessierte Laien, und für die ist es einfach stellenweise fast unlesbar. Wer sich nicht abschrecken lässt, erhält dafür aber einmalige Einblicke in die Han-Zeit, und wird trotz der Längen auch gut unterhalten. Mehr editoriale Beigaben hätten aber sicherlich gut getan.