Don't look down.
Mehr Science als Fiction (oder auch: "Ein wissenschaftlich-phantastischer Roman"), was es teilweise arg technokratisch und wissenschaftlich-kleinteilig macht, gerade in der ersten Buchhälfte. Die Geduld zahlt sich in Hälfte zwei aber voll aus, denn am Ende steht eine eindringliche, zeitlose Parabel, wie Gesellschaften, Regierungen und die Menschen selbst sich verheerenden Naturkatastrophen stellen - wenngleich sich zahlreiche Muster hier auch auf eigens verursachte Krisen (Hello Klimawandeln) anwenden lassen.
Die politische Mentalität des Japans der 1960er ist der optimale Nährboden, um den sterilen Drang abzubilden, alle aufkommenden Probleme zu bürokratisieren, zwangsläufig in Schockstarre zu verfallen und gleichzeitig auf unmögliche Rettung zu hoffen, während letztlich oftmals das Essentielle aus den Augen verloren wird.
In "Japan sinkt" steckt schrecklich viel Wahres drin, wie Entscheidungsträger:Innen Krisen begegnen, damals wie heute. Aber auch, was angesichts solcher Herausforderungen in den Menschen steckt, Negatives wie Positives. Am Ende wird es gar noch poetisch-wehmütig, fast etwas schwülstig, aber das hat sich Sakyo Komatsu durchaus verdient. Ein smartes Buch, der Zeit voraus, auch heute noch.
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Professor Tadokoro tauchte in einem zerknitterten Laborkittel im Flur auf. Als er ins Zimmer trat, bemerkte Onodera, dass seine Augen blutunterlaufen waren, er machte einen völlig erschöpften Eindruck.
„Der Asama-Yama, hm?" sagte Tadokoro heiser. „Kein Grund zur Aufregung."
„Aber Professor", protestierte Onodera, „es sieht doch so aus, als ob die ganze Welt in die Luft fliegt."
„Lassen Sie sie fliegen", erwiderte Tadokoro und unterdrückte ein Gähnen.
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"Da es notwendig gewesen wäre, ein unparteiisches Komitee zu schaffen, das sich mit dieser Krise befasst", sagte der Führer der größten Oppositionspartei mit gerunzelter Stirn, "werden Sie mir verzeihen, dass ich über so eine Nachricht ungehalten bin. Die Führung der Regierungspartei informiert seit einiger Zeit heimlich die Geschäftswelt über diese Angelegenheit, und wir erfahren nichts."
"Es ist schon so weit, dass unsere Industrien die Reise nach Übersee antreten, ohne dass jemand davon weiß. Die Regierung hat die Pflicht, allen die gleichen Rechte zu gewähren, aber dieses Verhalten gegenüber dem Kapital und der Industrie ist nichts anderes als die übelste Form der Ungleichheit. Ich sehe hierin nur ein weiteres Beispiel für den verderbten Charakter der Regierungspartei."
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Trotz dieser Ereignisse blieb die Bevölkerung ruhig und wartete gehorsam ab, was die Regierung anordnen würde, aber der Bekanntgabe des allgemeinen Evakuierungsplanes waren noch keinerlei detaillierte Bestimmungen gefolgt. So vergingen die Tage, und die Leute, die in der Nähe internationaler Flughäfen wohnten, fanden sich zusammen, den eiligen Abflügen der großen Düsenmaschinen zuzusehen, die bevorzugte Personen ausflogen.
Obwohl die Gesichter der Menschen ausdruckslos schienen, spiegelte sich in ihren Augen in wachsendem Maße Angst und Misstrauen. Wer sind diese Menschen, so fragten sie sich, mit denen jetzt die Flugzeuge besetzt sind, wo doch die Regierung alles leitet? Die Reichen? Die Familien der Beamten? Parteischmarotzer? Und was ist mit uns? Sollen wir die letzten sein und dann zurückbleiben, wenn es zu gefährlich wird? Noch gaben sie ihrer Unzufriedenheit nicht laut Ausdruck, aber sie wurde mit jedem Düsenflugzeug, das sich in die Luft erhob, größer.
Immerhin hatten sie noch ihren Glauben an Japan, ihren Glauben an die Regierung, ja, sie bemühten sich, diesen Glauben noch zu stärken. Die Regierung würde etwas unternehmen. Die Regierung würde sie nicht einfach aufgeben. Politiker und Beamte waren doch trotz allem Japaner, wie sie selbst mit einem in der Geschichte wurzelnden Gefühl der Gemeinsamkeit, das in jedem von ihnen lebte.
Der Kaiser hatte nur ein Wort zu sprechen brauchen, und der Krieg war zu Ende gewesen. Und in der gegenwärtigen Krise wartete das Volk ergeben, was die Regierung verkünden würde, und es räumte ihr in allen Zweifelsfällen Kredit ein. Das war die elementare Grundhaltung des Japaners, so kritisch, entrüstet oder tadelnd er gelegentlich seinem Land gegenüber war.
Diese Einstellung wurde nun jedoch einer Prüfung unterzogen.
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Onodera kochte vor Empörung. „Was, zum Teufel, haben Sie sich eigentlich bei diesem Abenteuer gedacht? Wissen Sie denn nicht, was los ist?"
„Doch, das schon", sagte ein Jugendlicher mit hohen Wangenknochen erschöpft. „Unsere Eltern und alle haben versucht, es uns auszureden. Aber wir lieben eben das Bergsteigen. Darin liegt für uns der Sinn des Lebens. Da diese schönen japanischen Alpen vom Angesicht der Erde verschwinden, wollten wir ihnen nur ein letztes Lebewohl sagen. Was ist denn daran so schlimm? Wir sind mit dem Bewusstsein hergekommen, eventuell hier sterben zu müssen, na und wenn schon, was soll's?"
„Ich verstehe", sagte Onodera, wandte sich um und machte sich auf den Rückweg zum Hubschrauber. „Wenn Sie so darüber denken, ist die Sache für uns nur einfacher."
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Die einfachen Menschen beklagten das Geschehen als eine große Tragödie der Menschheit, aber es war für sie auch ein Schauspiel von ungeheurer Faszination. Was dort im Ozean versank, war kein schattenhaftes, legendäres Atlantis, sondern ein moderner, unglaublich reicher und mächtiger Industriestaat, eine Nation, die außerdem reich war an Geschichte und Kultur.
Ein großes Inselreich, das durch irgendeine gewaltige Kraft tief im Inneren unseres Planeten auseinanderbrach, durch Eruptionen zerriß, in Stücke zerfiel und schließlich hinabsank in die Tiefe des Meeres. Für Wissenschaftler lag die Ursache für diese Faszination natürlich weit tiefer. Niemals zuvor hatten sie Gelegenheit gehabt, ein solches Ereignis mit anzusehen, und sie würden es auch nie wieder können.
Was hatte dieses Phänomen für eine Bedeutung? Hatte die Erde ein neues Existenzstadium erreicht?