Das hier ist mal wieder so ein Fall, wo meine Freude an "tragischen/interessanten Autorfiguren" die Wertung von einem Buch hochreißt.
Ein kurzes Dichterleben, bevor Rimbaud sich nach Afrika verzieht, auf 400 Seiten zusammengefasst. Teile der Gedichte haben mich vor allem an den Expressionismus erinnert, oder eben an jene andere Strömungen der literarischen Moderne, die er so maßgeblich geprägt hat. Allein deshalb ist die kleine Sammlung schon ein Lesen wert.
Mir bringt es immer irrsinnig viel Spaß, die Biografie der Autoren aufzusaugen, ihre Tagebücher und Briefe auseinander zu nehmen, während das Werk (für mich) dann eher in den Hintergrund rückt. Ich glaube gerade, dass Rimbauds Saison en Enfer durch das viele Kryptische für die Meisten spannend ist. Und auch dafür sorgt, dass Biographisten es nach Anhaltspunkten zu seiner Beziehung zu Verlaine durchforsten. Für mich persönlich machen manche Biografien von Autoren genau deshalb den Reiz ihres Werkes aus. Nicht umsonst lese ich deshalb gerne Plath oder Woolf.
Das Nachwort dieser Ausgabe ist besonders gelungen, weil hier "Das Schweigen und das Schreiben" zusammengebracht wird und ein Erklärungsversuch unternommen wird, warum Rimbaud das Dichten an den Nagel hing, um in Afrika Gewürze, Kaffee und/oder Waffen zu verkaufen. Wie das Schreiben sieht Eichhorn auch diesen Teil Rimbauds als eine Sinnsuche.