Ein schlechtes Buch zur rechten Zeit. Mit Blick nur auf die Zweckerreichung hätte ich vier oder fünf Sterne vergeben müssen, aber eine solche Wertungsverzerrung kann ich nicht einmal den Römern zugestehen.
Man bekommt von Scarrow genau, was man bestellt: Gewaltmärsche, Kriegslisten, Schwertergeklirr und Schlachtengeschrei. Eine klassische Actionstory mit zwei Helden und zwei Feinden, einem Verräter und genau einer Frau (die nur als ferne Fantasie im Hintergrund wabert). Daneben werden die Klassiker aufgeboten, wie sie die TV Spielfilm schöner nicht anpreisen könnte: Duelle, Debatten, Hinterhalte, wilde Verfolgungsjagden und natürlich der große doppelte Entscheidungskampf. Scarrow führt die Leser zu den erwarteten klassischen Sehenswürdigkeiten, er setzt gekonnt vorsichtige Hinweise auf die Handlung des vorigen Bandes und kündigt am Schluss natürlich den nächsten an.
Auf dem Sofa begeistert das. Einer Kritik würde es aber ebensowenig standhalten wie die Schädel der Feinde dem Schwert des Zenturios Macro. Das Reflexionsniveau des Buches bewegt sich in etwa zwischen James Bond und Tatort, die Dialogqualität erinnert an Age of Empires. Sicher, es gibt ein paar kluge Momente, wo echte Männer über innere Ängste und äußere Unverwundbarkeit, wahres Soldatensein und politisches Intrigieren sowie die Königsproblematik aller Römergeschichten nachsinnen: warum sind wir eigentlich hier die Guten? Doch denkerisch gehen diese Fragemomente fleischgewordener Kriegswerkzeuge nicht über die Selbstreflexion eines schlagenden Hammers, der auf die Schraube statt auf den Nagel haut, hinaus. Daneben häufen sich die Probleme, von durchrassifizierten Fremdendarstellungen und nicht einmal in der Antike plausibler Männlichkeitsbilder bis zum völligen Fehlen eigenständig denkender Frauen. Nicht mal einen Witz gibt es. Man kann all das von einem modernen Roman verlangen. Aber dann muss man auch leserisch aktiv werden, statt die Legionäre brüllen, Ballisten krachen und Ägypter rennen zu lassen.
Ein „Boulevardroman“, für Urlaub oder Krankheit. Oder für den heimischen Bildschirm, wenn Netflix zuschlägt.