Es gibt so Bücher, bei denen muss man nach dem Lesen erstmal etwas überlegen, wie man sie denn fand. Nephilim gehörte bei mir dazu. Zunächst möchte ich anerkennen, dass die Autorin Wert darauf legt, Umweltsünden anzuprangern. Ganz besonders interessant fand ich die Aktion, bei der nach vorne hin vom Konzern Unterschriften für ein besseres Klima gesammelt wurden, das Ergebnis in Wahrheit aber nur dazu führen soll, dass größere Klimasünden weniger hart bestraft werden. Leider ist es eine traurige Wahrheit geworden, dass man heutzutage alles hinterfragen muss, was besonders große Konzerne im vermeintlich guten Sinn anbieten.
Auch merkt man, dass eine gewisse Vorliebe für italienische Speisen vorhanden scheint und fast hätte ich am Ende noch ein paar Hinweise erwartet, wo es gute Snacks zu kaufen gibt.
Als frischgebackene Mutter ist mir natürlich Amanda Festhalten an der Schwangerschaft sehr nahe gegangen, aber da beginnt es schon: Ihr werden beide Eierstöcke durch den Schuss zerstört, aber das Baby überlebt? Und was inhaltlich viel spannender ist: Wieso haben diese ach so mächtigen Nephilim zugelassen, dass sie den Jungen zur Welt bringt und das Blut weiter verwässert wird? Überhaupt Amanda: Soll die Geschichte mit der vollgekotzten Designertasche wirklich beweisen, wie tough sie ist? Offenbar hat sie ja schon bewiesen, dass sie zu den Besten gehört, wie auch immer das sein kann, wenn doch immer wieder Nova belangt wird, sogar nachdem sie (offenbar ohne jeden Blutfleck) neben einer soeben enthaupteten Leiche gefunden wurde. Es mag ja sein, dass die Schwangerschaft Amanda in Verwirrung stürzt, aber so unfähig ihr sonstiges Team auch dargestellt wird, irgendjemandem wird doch wohl mal aufgefallen sein müssen, dass das alles nicht zusammenpasst.
Besonders schade finde ich, dass die Nephilim so relativ kurz kommen, die meinem Empfinden nach eine sehr gute Basis für eine spannende Geschichte bildeten. Nur die wenigen, die man kennenlernt, gehen eher mit der Holzhammermethode zu Werke. Ein Hauch von "an der Sache könnte etwas dran sein" verbleibt (vermutlich aber leider unbeabsichtigt) durch die schnelle Heilungsfähigkeit, die Nova von ihrem Vater geerbt hat.
In der Summe bleibt für mich ein erhobener Zeigefinger verpackt in einen Krimi mit dem leichten, aber gescheiterten Versuch, eine geheime Großorganisation als wahre Bedrohung darzustellen.