163 Jahre ist es her, dass Angela und Tommy, die Vorfahren von „The Family“, auf einem dunklen Planeten ohne Sonnenlicht strandeten. In Ermangelung von Tageszeiten haben sich mehrere Gruppen gebildet, die jeweils einen Teil des Tals bewohnen, in dem sie sich niedergelassen haben, und die jeweils einen unterschiedlichen Wach-Schlaf-Rhythmus einhalten. Die Inzucht ist nicht folgenlos geblieben, viele Menschen haben Missbildungen. Ihre Sprache hat sich entwickelt, vereinfacht, um es genauer zu sagen. Auch ihre Gesellschaft ist von Rückschritten geprägt, früher hatten sie noch eine Schule, bis beschlossen wurde, dass die Kinder für die Beschaffung von Lebensmitteln gebraucht werden. Und der Platz und die Nahrung werden immer knapper. Oberstes Gebot ist jedoch, in der Nähe des Platzes zu bleiben, wo einst das Landefahrzeug landete. Denn drei der fünf Astronauten kehrten damit zurück, um Hilfe zu holen. Irgendwann werden dort wieder Menschen landen und die Familie zur Erde zurückbringen, davon sind sie überzeugt. Ein Jugendlicher, John Redlantern, erkennt, dass das Festhalten an dieser Geschichte, die schon etwas Mythenhaftes hat, die Menschen daran hindert, sich weiterzuentwickeln und neue Lebensräume zu erschließen. Und er wird etwas dagegen unternehmen.
Kann es das geben, einen Planeten ohne Sonne, auf dem sich darüber hinaus noch Leben entwickelt hat? Ist es vielleicht ein äußerer Planet eines Sonnensystems, auf dem kaum noch Licht ankommt? Ich bin mir nicht sicher, ob Chris Becketts Schöpfung im Bereich des Möglichen liegt, aber seine Welt ist faszinierend. In ihr sind es die Pflanzen, die Wärme erzeugen und sie aus den Tiefen des Planeten an die Oberfläche transportieren. Pflanzen und Tiere verfügen über Lichtquellen, die dafür sorgen, dass die Dunkelheit nicht absolut ist. Am interessantesten ist aber, wie sich The Family auf dem Planeten entwickelt hat, wie sich innerhalb eines relativ geringen Zeitraums eine Quasi-Religion mit Traditionen bildete und sich eine Gruppe von Jugendlichen beginnt, sich gegen diese aufzulehnen, weil sie den Fortschritt verhindert. Da steckt natürlich eine indirekte Religionskritik dahinter. Doch die Folgen sind nicht nur positiv, es kommt zu Gewalttaten, für die die Familie bisher nicht einmal einen Namen hatte, das Matriarchat beginnt, sich in ein Patriarchat umzuwandeln.
Der erste Teil von Chris Becketts Dark Eden-Trilogie hat mich daran erinnert, warum ich Science-Fiction und speziell Dystopien liebe. Das World Building ist fantastisch, die Entwicklungen und auch Rückentwicklungen in der entstandenen Gesellschaft und ihrer Sprache sind wahnsinnig interessant und spannend.
Und gegen Ende erfahren wir außerdem noch eine Wahrheit, die die Leserin das ganze Buch über erahnt hat, deren Bestätigung aber einen Gänsehauteffekt erzeugt.
Ich kann es kaum erwarten, den zweiten Teil zu lesen und zu erfahren, was Chris Beckett sich für die weitere Entwicklung hat einfallen lassen. Genial!
P.S. Es gibt so manche Sexszene in dem Buch, aber ich finde nicht, dass es damit überfrachtet ist.