Halldór und Pétur - Vater und Sohn, die eine recht eigentümliche Beziehung zueinander haben. Von dieser Beziehung erzählt der stark poetische, leicht philosophische Roman.
Als Kulisse fungiert ein düsteres, kaltes und doch sehr kraftvolles, aber auch einsames Island, das sich über alle Sätze legt. Ebenso ist es als Spiegel der Charaktere zu sehen. Halldór, ein berühmter isländischer Nachrichtensprecher, der seinen Sohn allein erzieht, aber auch scheinbar sämtlichen Frauen Islands verfallen scheint, ist für Pétur in jungen Jahren ein Idol. Die Beziehung der beiden erhält später allerdings tiefe Brüche und kann nie wieder ganz zu einem Ganzen gemacht werden. Des Weiteren gibt es viel Musik, viele kleine Erdbeben, einen wertvollen Fußball, einen verärgerten französischen Botschafter, eine ganze Menge Fisch und noch mehr Island-Klischees.
Auch wenn mir der ironische Unterton und die poetische Sprache des Romans sehr gefallen hat, war mir ein bisschen zu viel immer wieder thematisierte Lüsternheit Halldórs dabei, die zwar wichtig für das Geschehen war, aber diesen Zweck auch nach nur zweimaligem Aufgreifen erfüllt hätte. So erschien mir die Handlung immer wieder unnötig durchbrochen, ebenso wie auch das Ende vorhersehbar war. Trotzdem: die Sprache konnte so einiges wieder wettmachen. Deswegen hier auch ein paar Zitate, die mir besonders gut gefallen haben:
- "Die Krampen, die seine Psyche am Körper festgehalten hatten, hatten sich gelockert, und jetzt herrschte nur noch Munterkeit." (S. 143)
- "Wir tragen unsere Eigenschaften, unsere Lächerlichkeit, damit andere sich durch uns kennenlernen." (S. 181)
- "Am Ende haben wir unser Leben doch gedichtet, ein Lied geschrieben, das sich eine kurze Minute auf der Erdoberfläche hält, nachdem der letzte Ton verflogen ist." (S. 262)