Regentin, Rebellin, Heilige: wer war Elisabeth von Thüringen wirklich? Sabine Weigands Roman um die berühmteste Frau des deutschen Mittelalters. Seit ihrer Kindheit ist die junge Adlige Gisa die Vertraute von Elisabeth, der Landgräfin von Thüringen. Sie weiß, wie zerrissen Elisabeth ist zwischen ihrer Liebe zum machtbewussten Landgrafen Ludwig und ihrer Suche nach einem gottgefälligen, einfachen Leben. Gisa erlebt, wie Elisabeth gegen den Hof aufbegehrt, welche Unruhe ihre Spenden, ihre Fürsorge für die Armen auslöst. Sie sieht auch, wie der jüngere Bruder des Landgrafen mit unzufriedenen Adligen paktiert und sie gegen den Stauferkaiser Friedrich II. aufbringen will. Gisas drückendstes Geheimnis dreht sich um die verbotenen Treffen einer Ketzersekte, die sie belauscht hat. Als Elisabeth 1226 dem fanatischen Inquisitor Konrad von Marburg begegnet und ihr Leben radikal strengsten Glaubensregeln unterwirft, gerät Gisas Welt völlig aus den Fugen. Wie weit kann sie Elisabeth zur Seite stehen, ohne selbst unterzugehen?
In "Die Tore des Himmels" wird das Schicksal von Elisabeth von Thüringen verwoben mit dem der fiktiven Zofe Gisa. Durch ihre Perspektive erhalten wir einen wichtigen Blick von Außen auf Elisabeth, der unserer Modernen Perspektive von allen am nächsten kommt. Das fand ich persönlich sehr gut gelöst. Auch Primus Perspektive mochte ich sehr, als Teil einer Armen Familie im Mittelalter. Seine Perspektive sowie die von Raimund von Kaulberg haben sehr zu einem umfassenden Einblick in die Zeit des 13. Jahrhunderts gegeben.
Ich fand den Einblick in die damalige Gedankenwelt sehr interessant, auch wenn vieles davon aus unserer Perspektive nur schwer nachvollziehbar ist. Besonders Elisabeths streben nach der Erhebung zur Heiligen und ihre komplette Selbstaufopferung dafür, war manchmal nur schwer zu ertragen und ging mir wirklich unter die Haut. Ihr religoöser Wahn wird so eindrücklich beschreiben, das er nachvollziehbar wird, auch wenn ich selbst nie so handeln würde. Die enge Freundschaft zwischen ihr und Gisa und Gisas Loyalität fand ich sehr berührend.
Generell ist die Geschichte rund um Elisabeth und Gisa sehr spannend. Das Bild, dass hier vom Mittalalter gezeichnet wird, ist in meinen Augen nicht kitschig und verklärend, sondern sehr realistisch. Ich habe mich zuvor noch nie sonderlich intensiv mir Elisabeth von Thüringen beschäftigt, aber ich fand ihre Geschichte sehr fesselnd erzählt. Und auch wenn ich keine Expertin bin, hatte ich den Eindruck, dass das Buch gut recherchiert wurde.
Auch den schreibstil der Autorin gefiel mir sehr. Die damaligen Gegebenheiten und Lebensverhältnisse wurden sehr eindrücklich beschreiben.
Die Schriftstellerin Sabine Weigand nimmt sich einer der berühmtesten und am besten dokumentierten Frauen des deutschen Mittelalters an. Ich gebe zu, dass ich bis zur Lektüre dieses Romans noch nichts von Elisabeth von Thüringen gehört habe und nicht mal genau wusste wo Thüringen überhaupt liegt. Als Schweizer sei mir diese etwas peinliche Unkenntnis bitte verziehen. In diesem Buch habe ich mehrere höchst interessante und lesenswerte Handlungsstränge gefunden die sich mit dem Menschen hinter den zahlreichen Heiligenlegenden befassen. Doch was ist wahr an den Sagen rund um diese faszinierende Person? Aus Quellen und Vorlagen von Historikern zeichnet die Autorin ein Bild von Elisabeth das sie greifbar macht aber gleichzeitig auch eines das eine neurotische Persönlichkeit zwischen religiösem Wahn und christlicher Nächstenliebe zeigt. Vieles an ihrem Handeln bleibt für mich schwer verständlich und genau das ist es was diesen Historischen Roman auszeichnet: Eine beseelte Hauptfigur die an literarischer Tiefe und Komplexität kaum zu überbieten ist und an der ich mich gerieben habe und die mich in höchstem Masse zerrissen zurücklässt. Eine bewegender und aufwühlender Mensch diese Elisabeth von Thüringen!
Um das kurze Leben Elisabeths mit all dem Leid, den Schmerzen und der Unterwerfung zu schildern bedient sich die Autorin zweier fiktiver Personen im Umfeld der Hauptfigur. Jungfer Gisa von Tenneberg lebt als Dienerin direkt bei Elisabeth und erlebt sie hautnah mit ihren Gedanken und ihren Taten sowie Mechtel mit ihrer Familie, wobei ihr Sohn Primus heraussticht, die für die arme und verelendete Unterschicht stehen und indirekt von allen Entscheidungen Elisabeths betroffen sind. Zusammen mit den historisch verbürgten Personen wie etwa die des Kreuzzugspredigers und Inquisitors Konrad von Marburg oder Heinrich Raspe entsteht ein aufregendes, ja geradezu lebendiges Mengengemisch das die Aufmerksamkeit des Lesers/Leserin jederzeit fordert und zu einem kurzweiligen und lehrreichen Lesevergnügen macht.
Sabine Weigands Beruf, nebst dem Schreiben, ist Historikerin und dies ist in ihren Romanen stets deutlich bemerkbar. In den Geschichten findet sich eine Fülle an Fakten und Informationen rund um die Zeit des Wechsel vom 12. zum 13. Jahrhundert. Sie schreibt so, dass es schlicht nicht möglich ist schnell zu lesen und sie verbindet dokumentarische Sachlichkeit mit poetischer Fiktion und spricht so ganz direkt gleichzeitig das Gehirn und das Gemüt des Lesers/Leserin an. Durch das gedrosselte Lesetempo bleiben viele Details hängen so das die Geschehnisse von anno dazumals zu neuem Leben erweckt werden. Zwischen den Zeilen dieses Buches atmet die Vergangenheit und die historische Geschichte wird lebendiger vermittelt als es ein Geschichtsunterricht in der Schule jemals könnte. Für mich gehört Sabine Weigand definitiv zu den besten Schriftsteller/innen im Genre der Historischen Romane.
Regentin, Rebellin, Heilige: Wer war Elisabeth von Thüringen wirklich? Mit dieser Fragestellung habe ich mich über die gesamten 600 Seiten intensiv beschäftigt und obwohl ich in den zahlreichen Lesestunden viel erfahren habe, ist die Antwort nur sehr schwer in Worte zu fassen. Ich glaube, in dieser Sache müssen sich alle Leser/-innen ihre eigenen Gedanken machen und jede(r) wird für sich seine eigene Antwort finden. Das ist durchaus gewollt und auch gut so.
Elisabeth von Thüringen hat es sich zum Ziel gesetzt, einmal heilig gesprochen zu werden und betrachtet dies fast schon als eine Art Karriere. Ohne Rücksicht auf die eigene Person stürzt sie sich in Hilfsprojekte, zuerst unterstütz von ihrem Ehemann, dann später, nach seinem Tod, gegen den Willen des Schwagers, der sie wie die meisten Zeitgenossen, nicht verstehen kann. Sabine Weigand setzt sich mit dem Menschen Elisabeth auseinander und schafft es, ihren Charakter und ihr Wesen einzufangen, soweit man das aus historischer Perspektive überhaupt kann. Dabei wird auch klar, dass sie von ihrer Zeit geprägt war, genau wie ihre Mitmenschen, die sie damals sicher anders sahen als ein moderner Mensch es heute tut.
Neben der Lebensgeschichte der historischen Person Elisabeth gibt es noch zwei weitere Personen, die uns aus ihrem Leben erzählen. Aus der Perspektive von Primus, dem uneheliche Sohn einer mittellosen Frau, und Gisa, einer der Zofen Elisabeths, erfahren wir, wie Leben und Schicksal im Mittelalter aussehen konnten. Der Leser bekommt Einblicke ins Alltagsleben des 13. Jahrhunderts, allerdings wie immer bei Sabine Weigands Büchern, ohne den belehrend erhobenen Zeigefinger, sondern spannend und mitreissend erzählt. Sie schafft es wieder, Geschichte greifbar zu machen und beschert einen Lesegenuss, kombiniert mit interessantem Wissen, wie nur sie es kann.
Und wer irgendwie und irgendwann die Möglichkeit hat, eine Lesung von ihr zu besuchen, dem sei auch das wärmstens ans Herz gelegt!
Audiobuch--historical novel about Elisabeth of Thüringen. Elisabeth's wish was to become a saint--and how she lived her life to attain that.
Regentin, Rebellin, Heilige: wer war Elisabeth von Thüringen wirklich? Sabine Weigands Roman um die berühmteste Frau des deutschen Mittelalters. Seit ihrer Kindheit ist die junge Adlige Gisa die Vertraute von Elisabeth, der Landgräfin von Thüringen. Sie weiß, wie zerrissen Elisabeth ist zwischen ihrer Liebe zum machtbewussten Landgrafen Ludwig und ihrer Suche nach einem gottgefälligen, einfachen Leben. Gisa erlebt, wie Elisabeth gegen den Hof aufbegehrt, welche Unruhe ihre Spenden, ihre Fürsorge für die Armen auslöst. Sie sieht auch, wie der jüngere Bruder des Landgrafen mit unzufriedenen Adligen paktiert und sie gegen den Stauferkaiser Friedrich II. aufbringen will. Gisas drückendstes Geheimnis dreht sich um die verbotenen Treffen einer Ketzersekte, die sie belauscht hat. Als Elisabeth 1226 dem fanatischen Inquisitor Konrad von Marburg begegnet und ihr Leben radikal strengsten Glaubensregeln unterwirft, gerät Gisas Welt völlig aus den Fugen. Wie weit kann sie Elisabeth zur Seite stehen, ohne selbst unterzugehen?