Brenna Spector, eine Privatdetektivin aus New York, leidet seit dem Tag, an dem ihre größere Schwester Clea in ein fremdes Auto eingestiegen und verschwunden ist, am hyperthymestischen Syndrom. Die Tatsache, dass sie sich dadurch an alles Erlebte erinnern kann, ist für Brennas Arbeit sehr hilfreich - wenngleich es auf privater Ebene eher ein Fluch ist -, aber auch das Gefühl, dass sie Menschen sucht und findet, denn auch nach all den Jahren hat sie die Hoffnung nicht verloren, dass ihr Schwester noch am Leben ist.
Nun wird sie von Nelson Wentz mit der Suche nach seiner Frau Carol betraut - eine hilfsbereite, etwas unscheinbare Frau aus Tally Ridge, einem Vorort von New York. Doch schon beim Namen der Frau erinnert sich Brenna an einen ein paar Jahre zurückliegenden Fall: da verschwand ein kleines Mädchen, Iris, aus der Nachbarschaft von Carol. Und Brenna wird schnell klar, dass die vermisste Frau seit diesem Tag nach dem Nachbarmädchen sucht - auch mit ungewöhnlichen Mitteln... Zudem weist der damalige Fall einige Ähnlichkeiten zu ihrem eigenen traumatischen Verlust der Schwester auf.
Alison Gaylin hat einen dichten Thriller geschrieben, bei dem mir vor allem die Figur der Privatdetektivin Brenna Spector sehr gut gefällt. Sie hat ein ungewöhnliches "Leiden", das ihre Persönlichkeit natürlich besonders interessant macht und trotzdem ist sie mit all ihren - auch daraus entstehenden - Problemen sehr plausibel. Brenna wird nicht nur in ihrem beruflichen Alltag gezeigt, sondern auch in ihrem privaten Umfeld mit ihrer Tochter und dem Ex-Mann, was die Figur sehr rund und zudem auch sympathisch macht. Hinzu kommt, dass die Geschichte um die vermisste Carol und den älteren Fall der kleinen Iris an sich sehr spannend und engmaschig ist und alle Fäden konsequent zu Ende gedacht sind. So kommt es vielleicht nicht zum großen Showdown, dennoch gab es für mich die ein oder andere Überraschung und ich hatte das Gefühl, dass das Ende ein authentisches sein könnte.
Letztlich verzeiht dies dann auch die kleinen Längen vor allem im ersten Drittel, wo ich immer mal wieder die Befürchtung hatte, dass sich die Autorin eventuell verzetteln könnte, was sie dann aber nicht tat. Bleibt zu hoffen, dass es weitere Fälle mit Brenna (und vielleicht sogar Detective Morasco) geben wird - Potential gibt es meiner Meinung nach reichlich!
Fazit: Alison Gaylin hat einen durchaus glaubhaften, solide spannenden Thriller geschrieben, der mir vor allem auch wegen seiner Hauptfigur Brenna Spector gefallen hat!