Mein erster Superman seit Kindheitstagen. Warum habe ich mir das angetan, wo ich den Kerl schon als 10-Jähriger nicht richtig leiden konnte?
Eigentlich nicht ganz fair, den Wälzer zu bewerten, wo ich nur 10 Prozent gelesen habe. Aber die Handlung ist bislang so desaströs, dass ich mich nicht weiter durch das Buch quälen will.
Muskeln, Muskeln, Muskeln... über 100 Seiten wird immer wieder mächtig draufgehauen und die Kernfrage ist einzig und allein: wer hat den Größeren(Muskelberg natürlich)???
Das ist absolut nicht spannend erzählt, und die Artwork ist für meinen Geschmack absolut enttäuschend, so kindisch konzipiert wie die Handlung.
Mag sein, dass das Buch nach Supermans Tod an Spannung gewinnt - genau genommen kann es nach dem flauen Anfang gar nicht anders sein -, aber meine Toleranz wurde im Vorfeld leider nachhaltig aufgebraucht. Keine weiteren Kompromisse mit diesem Mann aus Stahl.
P.S.: Da die Bewertung so abseits der meisten anderen Meinungen liegt, doch einige Ausführungen dazu:
Dass DC einen der ersten und bekanntesten Superhelden nach rund 5 Jahrzehnten über die Klinge springen läßt, ja, das war schon ein Wagnis. Jerry Ordway war es, der in einem Teamtreffen flapsig vorschlug: "Let's just kill 'im." Aus der Idee, die zunächst ein running gag war, wurde schließlich ernst, und das Ergebnis liegt vor mir auf dem Lesetisch. Ja, es war erstaunlich, dass der verantwortliche Herausgeber Mike Carlin der Idee schließlich zustimmte. Aber das Wagnis hat sich gelohnt, jedenfalls für DC, denn dieses Kapitel des Mann-aus-Stahl-Mythos erfreute sich allergrößter Beliebtheit und bekam schon bald Kultstatus. Entsprechend klingelten und klingeln bei DC die Kassen.
Allein, meine Rezension bezieht sich nicht auf die kultur- und comicgeschichtliche Bedeutung dieses wahrhaft biblischen Mythos von Tod und Auferstehung des größten Helden der Comicgeschichte, sondern auf die Aspekte Artwork und Story.
Bevor ich mir ein Comic kaufe, dass ich nicht kenne, schaue ich mir gerne Bilder an, die im Internet davon eingestellt sind. Im vorliegenden Fall hat mir diese Praxis leider nicht geholfen, denn bei über 1200 Seiten Umfang sind natürlich unterschiedliche Zeichner mit unterschiedlichen Stilen vertreten, von denen mir zahlreiche überhaupt nicht gefallen haben. Die Zeichnungen sind grell-großflächig und zumeist detailarm, Perspektive und Anatomie wurden oft gekonnt außer Acht gelassen. Und es gibt zahlreiche Panels, die - Achtung, ich provoziere noch einmal - in ihrer Qualität auch von einem (un)begabten Hobbyzeichner hätten gefertigt werden können und kaum über Strichmännchenqualität hinausgehen. Wie gesagt, das gilt lange nicht für alle Hefte und auch nicht durchgehend, ist aber doch ein massives Ärgernis für mich gewesen.
Nun korrespondieren Artwork und Story in diesem Omnibus sehr gut miteinander, was grundsätzlich ja ein Lob wäre. Hier bedeutet es allerdings, dass eine sehr einfach gehaltene Handlung pathetisch, heroisch und erz-patriotisch erzählt wird. Die Handlung ist ganz augenscheinlich für ein jugendliches Publikum geschrieben, dem immer wieder Kinder und Jugendliche als Identifikationsfiguren angeboten werden, um so besser mitfiebern zu können. Allerdings dürfte das Buch aufgrund des Kaufpreises doch eher bei einem erwachsenen Publikum landen, das - sofern es kein Fan von Sups ist - leicht enttäuscht sein kann. Dass ausgerechnet ein charakterloser und unansprechender Bösewicht wie Doomsday Superman zur Strecke bringt, hat meine Begeisterung auch nicht vorangetrieben. Doomsday ist so böse, dass er sogar einen Kanarienvogel - den die jugendlichen Leser vielleicht von zuhause kennen und lieben - mit bloßer Hand zerdrückt. Woher nun in freier Wildbahn ein Kanari kommt, und warum er ausgerechnet bei Doomsday in der Hand landen sollte, ach ich will da gar nicht weiter drüber nachdenken. Das sind halt die Konzessionen an das Publikum.
Der Gerechtigkeit wegen habe ich darauf hingewiesen, dass ich das Buch nur ungefähr zu einem Fünftel gelesen und dann entnervt aus der Hand gelegt habe. Es mag also sein, dass die Handlung danach Fahrt aufnimmt, Zug in den Kamin kommt und alles besser wird. Wer weiß. Und doch bleibt es bei diesem Befund: Mir hat dieses Buch überhaupt nicht gefallen!