Christopher und Luisa haben geheiratet und sich im Leben eingerichtet: Er ist angehender Professor für Biologie, sie erfolgreiche Kunsthistorikerin. Die Altbauwohnung ihrer Studentenzeit haben sie gegen ein Haus am Stadtrand getauscht, als sichtbares Zeichen ihrer Ambitionen. Hier in der Straße am Kuhlmühlgraben muss sich ihre Ehe bewähren, hier messen sie ihre Träume am Erreichten. Doch nicht alles lässt sich mit Willenskraft und Selbstinszenierung herbeiführen, das müssen die beiden ebenso erfahren wie die anderen Bewohner des Viertels.
In kunstvollen Szenen, mit Abstechern nach Venedig und New York, erzählt Silke Scheuermann in DIE HÄUSER DER ANDEREN von zerbrechlichen Wünschen, Ängsten und Hoffnungen. Unsentimental und einfühlsam schildert sie, was geschieht, wenn Menschen ihr Leben nach anderen ausrichten und ihre vermeintliche Überlegenheit ins Wanken gerät oder wenn sie vom Glück überrascht werden.
Ich bin ja Scheuermann-Fan seit dem ersten Lyrikband, deshalb kann ich nichts wirklich Objektives dazu sagen. Also, eine Straße in Frankfurt, oder eher: am Rande der Stadt, einige wohlhabende Menschen, einige weniger Wohlhabende, die bei den Wohlhabenden putzen. Hoffnungen machen sie sich alle, alle wollen wohin, nur die Inneneinrichtung variiert und der Rassereinheitsgrad ihrer Hunde. Ich mag sowas ja, so eine Reihe von Kurzgeschichten mit beschränktem Personal, in denen sich die Handlungsstränge teilweise überkreuzen, in dem man Dinge aus verschiedenen Perspektiven erfährt und manchmal ganz beiläufig die größten Knaller von anderen beim Bierchen erzählt werden. Und ich mag Frau Scheuermanns Sprache einfach wahnsinnig gern, weil sie elegant ist und trotzdem zupacken kann und Humor hat.
Müssen eigentlich alle Figuren deutscher Gegenwartsliteratur hauptsächlich unsympathisch wirken? Silke Scheuermann konfrontiert ihre Leser*innen jedenfalls mit Einblicken in das Leben eben solcher Figuren, die gefangen in ihrem Alltag, der zumindest nach außen hin ganz „normal“ wirken soll, ihr Leben verstreichen lassen. Das ist manchmal komisch, manchmal tragisch, aber immer sprachlich präzise.
Nettes Buch über ein straße in einem gutbürgerlichen Viertel am Rande von Frankfurt. Sprachlich eher schlicht und prägnant beschreibt es in einzelnen Episoden, die teilweise lose miteinander verknüpft sind, die kleinen und größeren Probleme und Schicksalsschläge ganz normaler Menschen. Mal lustig, mal traurig sind es genaue charakterzeichnungen, die manchmal ein bisschen ins Klischee abdriften. Man kann das Buch gut lesen, hat jetzt aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, daher nur 3 Sterne.