Wertung: ****
Cover: Sehr sehr schön, die Aufmachung ist super, der Einband in tollen Pastelltönen gehalten, wahrlich ein Buch, welches ich im Laden aus dem Regal genommen hätte.
Meinung: Ich durfte im Zuge einer Lovelybooks-Leserunde mitmachen und freute mich riesig - bis es dann losging. Dieses Buch schaffte es, auf den ersten Seiten, in mir einen Aberglauben zu wecken. Ich las etwa das erste Drittel sehr mühselig, immer wenn ich es zur Hand nahm, wuchs ein beklemmendes Gefühl in meiner Brust.
Der Prolog fesselte mich sofort, man wird direkt Zeuge von etwas Furchtbarem. Mit wenigen Worten erzeugt die Autorin eine Stimmung, die unheimlich und beängstigend ist, was wahrlich auch daran liegt, dass Kinder beteiligt sind.
Ab da ging es dann los, immer wenn ich es zur Hand nahm, geschah zu Hause etwas: die Kinder wurden krank, ohne Vorwarnung, ich wurde krank, meine Tochter schlief nicht mehr durch.
Nach langem hin und her beschloss ich, nicht weiterzulesen.
Bis vor kurzem. Ich sagte mir, wie man denn so dämlich sein könnte und diese Vorfälle mit einem Buch in Verbindung bringen könnte und zwang mich, es zur Hand zu nehmen und weiter zu machen und siehe da - nichts.
Außer, dass es mich fesselte.
Man lernt Pearl Tatlow, eine verrückte Autorin, eine Lebefrau kennen, deren Schicksal bald einen dramatischen Höhepunkt findet. Zeitgleich tritt Sadie ins Leben, ihre Urenkelin, die in das Poet's Cottage zieht und gewillt ist, dem Geheimnis um Pearls Tod auf die Spur zu kommen. Dies erhofft sie sich, indem sie das Buch von Birdie Pinkerton, Die Netzesspinnerin, liest. Birdie lebt heute noch und hat in diesem Manuskript niedergeschrieben, wie ihr Leben in Bezug auf Pearl war.
Zeitgleich streift scheinbar ein Geist durch das Poet's Cottage. Sadie wird scheinbar bedroht, wieder ein gefundenes Fressen für den Puls, aber auch einige Seiten, die zum Schmunzeln einladen.
Die Autorin hat es geschafft, ihre Figuren super miteinander zu verweben, man fiebert mit, rätselt mit und verdächtigt mit. Jedoch, und das muss ich deutlich sagen, auch sehr viel Geredet wird, was man durchaus auch hätte weglassen können, bzw. mit weniger Worten ausdrücken können.
SPOILER:
Dann das Ende. Es war, ehrlich gesagt, etwas enttäuschend. Nach all dem Rätseln hätte ich mir gewünscht, dass es auch jemand aus dem direkten Umfeld gewesen war, doch dem war nicht so - es handelte sich, indirekt, wirklich um einen "fremden".
Es wird auch nicht näher auf die Wahrsagerin Jean und ihren Bruder Louis eingegangen, sie waren es eben, sie machten dies andauernd etc. Wobei es, rein von der Logik her, mehr Sinn gemacht hätte, Pearl zu schröpfen, anstelle eine einmalige Zahlung zu erhalten und Pearl daraufhin zu killen. Weiter machte es in diesem Zuge keinen Sinn, weshalb die beiden nur einige Zeit zuvor Teddy umgebracht haben, zumal sie von dem armen Fischer wahrlich kein Geld zu erwarten hatten.
Darüber hinaus die Tatsache, dass Thomasina wusste, wer der Mörder ist und der Fall dennoch, bisher, nie aufgeklärt werden konnte. Zweifellos, sie war ein verstörtes Mädchen, dennoch wäre die Polizei, hier allerdings nur eine Vermutung, nicht abzuschütteln gewesen, wenn sie zugibt, den Teufel gesehen zu haben.
Nun denn ...
Fazit:
Ein tolles Buch, tolle Aufmachung, tolle Beschreibungen, man ist mitten in Pencubitt und mitten im Poets Cottage. Man empfindet Sympathie für manchen Charakter und verabscheut wiederum andere. Man verzweifelt und muss sogar eine Träne verdrücken. Man empfindet Spaß und Zorn - ein gelungenes Buch, wenngleich das Ende leider nicht überzeugt. Daher vier gut gemeinte Sterne.