Eli Samuels hat gerade seine High-School beendet. Uni steht jedoch erst einmal außer Frage. Seine Mutter hat Chorea Huntington im finalen Stadium, die Rechnungen stapeln sich und die Ungewissheit, ob Eli selber die tödliche Mutation trägt, belastet das Verhältnis zu seinem Vater.
Um ein wenig (finazielle) Freiheit zu erlangen und seinen Vater zu entlasten, bewirbt sich Eli in einem Biotechunternehmen auf eine Laborassistentenstelle. Sein Vater ist sauer, denn er kennt Dr. Wyatt aus der Vergangenheit, einer Vergangenheit, die auch mit Eli zu tun hat.
Eli will herausfinden, was es mit dem Hass seines Vaters auf diesen eigentlich recht netten Wissenschaftler auf sich hat, der ein ungewöhnliches Interesse in Eli zeigt.
Das Thema Biotechnologie ist einer der Themenbereiche, die in Klasse 12/13 (11/12 G8) abgehandelt werden. Die Buchtexte sind meist extrem veraltet und nicht sonderlich spannend. Hier bietet es sich wirklich an, diesen Roman zu lesen und zwar aus mehreren Gründen.
1. Er ist wissenschaftlich korrekt. Ich kann das beurteilen, ich bin selber Biologe/Genetiker. Die teilweise, auf normale Menschen schockierend wirkenden Ansichten, sind leider tatsächlich verbreitet in Biotechnologischen Laboren. Es geht um Wissenschaft, die Folgen interessieren nicht, das müssen andere klären, wie der Gesetzgeber. Einer der Gründe, warum ich dem Labor den Rücken gekehrt habe.
2. Das Biotechvokabular ist natürlich und sinnvoll aber nicht ausufernd integriert. Die meisten Vokabeln lassen sich gut mit dem korrekten, teilweise ein wenig veralteten Anhang bearbeitet.
3. Alle ethischen Probleme sind recht explizit angesprochen:
a. Sollen Menschen mit genetischer, tödlicher Krankheit überhaupt Kinder bekommen?
b. Soll/Darf man Embryonen aussortieren, die das tödliche Gen tragen?
c. Die Probleme, die die Unwissenheit mit sich bringt, ob man Genträger ist oder nicht.
d. Die Angst, ob man sich testen lassen soll oder nicht und wie man mit dem Ergebnis umgehen soll.
e. Darf man Beziehungen eingehen und lieben, wenn man weiß, dass der geliebte Mensch einen irgendwann pflegen muss, wenn die Krankheit ausbricht.
f. Wie die Familienmitglieder darunter leiden, wenn die Krankheit den geliebten Menschen für immer verändert.
g. Wie einen diejenigen, die die Mutter im Hospiz pflegen, mitleidig betrachten, weil sie wissen, dass man eine 50% Chance hat, die Krankheit zu entwickeln.
Hier wird nicht schwarz/weiß gemalt, es werden die Vor-und Nachteile beleuchtet und es wird klar, dass das keine einfache Entscheidung ist.
Das Laborleben wird soweit korrekt dargestellt. Es fehlen die wirklichen Insiderwitze, man merkt, dass die Autorin selber nicht im Labor gearbeitet hat, aber sie kommt der Realität sehr nahe.
Einiges, was übertrieben wirken mag, ist tatsächlich so korrekt, ich konnte keine wirklichen Schnitzer feststellen. Bei mir im Labor hingen aber eher andere Poster (Amargeddon: Der letzte macht das Licht aus und District 9: Make sure the lab does not look like District 9). Morbide Witze und Realismus, der auf nicht Naturwissenschaftler zynisch wirkt, sind mein Alltag.
So gesehen auch ein gutes Buch um kulturelle Unterschiede durchzuarbeiten, denn zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften liegen kulturelle Welten, sag ich mal aus eigener Erfahrung nach 4 Semester Kulturschock in einem Geisteswissenschaftlichen Institut. Es hat mich einiges an Zeit gekostet herauszufinden, wo die Unterschiede sind und es sind viele und sie gehen sehr tief.
Daneben gibt es für Lehrer, die selber keinen Naturwissenschaftlichen Hintergrund haben auch die üblichen Klassiker:
• Vater – Sohn Konflikt
• Junger Mann der an der „Logik“ und den Reaktionen von Frauen verzweifelt und zur Standardstrategie „Entschuldigen“ greift, um jede Situation irgendwie zu kitten, die er nicht wirklich versteht. (Die Szenen sind besonders putzig)
• Liebe: Vertrauen oder den anderen Beschützen?
Ja, insgesamt reflektiert Eli für einen Achtzehnjährigen ein wenig viel und betreibt zu erwachsene Nabelschau und Selbstanalyse. Andererseits ist die Krankheit seiner Mutter und seine eigene 50% Chance an Chorea Huntington zu erkranken durchaus eine valide Möglichkeit sein doch recht erwachsenes Gefühlsleben und dessen Reflexion zu begründen, auch wenn es dadurch nicht wirklich realistischer wird.
Fazit: Perfekte Schullektüre für die Oberstufe, um das Thema Biotechnologie und kulturelle Unterschiede Naturwissenschaften – Geisteswissenschaften durchzuarbeiten. Der Englischlehrer sollte aber einen soliden Biotechhintergrund haben, um vor allem den Anhang ordentlich durcharbeiten zu können und aktuelle Beispiele zu haben.