Als ich das Buchrücken dieses Werks in einem Bücherschrank entdeckte und danach griff war mein Motiv zunächst zu sehen, was das für ein afrikanischer Name ist der hier etwas über seine Wünsche schrieb. Als ich dann ferner das "Cover" sah erkannte ich sofort in welche Richtung das Buch geht und worum es handelt. Ohne auch nur das Buchrücken durchzulesen entschied ich mich, es mitzunehmen und mein Gemüt im Dunstkreis der literarischen Moderne zu erquicken.
Ich wüsste indessen nichts zu diesem Buch zu sagen was nicht bereits jeder der die heutige Welt kennt ahnen kann, folglich ist eine Rezension hierzu im Grunde überflüssig. Und doch vermag man kaum einige Worte eines halbwegs gesunden Menschenverstandes hierzu zu unterdrücken, zumal man es mit einem zeitgenössischen und nigerianischen Baldwin zu tun hat, nur dass der junge Ibeh überraschenderweise mehr zu sagen hat und es auch redegewandter rüberbringt; sehr viel weniger Plumpheit als bei seinem amerikanischen Vorgänger, gleichwohl dieselben, niederen Motive.
Den Inhalt braucht man gewiß nicht lange zu erörtern. Alles was man wissen muss steht hinten auf dem Buchrücken und es bietet eben genau das was man erwarten kann; die Hauptprotagonisten leiden, der eine weil er unbedingt seine sexuellen Neigungen öffentlich ausleben will, die andere weil sie aufgrund diverser Umstände krank wird. Ein Entwicklungs- oder Bildungsroman zeitgenössischer Art also, gleichsam lässt sich keine Spur von einer Entwicklung finden, dafür sehr viele Gelüste und der äußerliche und innerliche Kampf gegen die Unterdrückung derselben. Nigeria ist bekanntlich kein Ort wo man gerne Männer beim Analsex zuschauen möchte, geschweige denn bereit ist zu tolerieren, wie der eine Mann den Penis des anderen in den Mund nimmt. Soweit so klar.
Doch worum geht es dem nigerianischen Jüngling mit seinen geschriebenen Wünschen, dessen Prosa an manchen Stellen übrigens überraschend eloquenter ist, als es sich für ein zeitgenössisches Buch geziemt? Aufklärung natürlich, doch welcher Art? Nun der Leser soll wissen wie z.B. Obiefuna neben Aboy im Bett lag, dessen Erektion in seinen Unterhosen er an seinem Oberschenkel spürt und wie ihn diese Tatsache in Ekstase versetzte. Wie er fürderhin seine rauhen Lippen und Wangenknochen streichelte und wie Aboy diese Liebkosung natürlich bemerkt hatte, aber aus Angst vor seiner Umgebung unterdrücken musste.
Die paar Wenigen nun, die die Weisheit der Götter herbeirufen, sollten wissen, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist. Später gehen die sexuellen Neigungen und emotionalen Gelüste erst richtig los.
Was dann darauf folgt sind naturgemäß oft Drama und Leid, denn man ist schließlich in Nigeria. Dadurch soll insbesondere der westliche Leser darüber aufgeklärt werden wie schwer und schlimm es für Homosexuelle ist ihre Gelüste verheimlichen zu müssen, da die ignorante Umwelt eben einfach nicht verstehen will wie ein Mann den Anus eines anderen Mannes mit seinem Penis begehren kann. Diese Sphäre glaubt, ganz närrisch wie sie ist, ein Penis gehöre, zumindest sexuell gesehen, in die Vagina einer Frau und sonst nirgends. Wirklich töricht.
Ferner soll man verstehen, wie schwer es für Homosexuelle ist ihre Gelüste und ernsthaften Absichten ihren Eltern gegenüber zu äußern. Ja nun, das versteht sich in Nigeria von selbst, wer soll dadurch aufgeklärt werden? Aufgeklärt soll der Leser aber auch über folgendes werden; es ist in Nigeria grundsätzlich und generell nicht leicht zu überleben, da überall offen Korruption, Elend und Gewalt herrschen. War im Westen noch jemand vor dem Erscheinen dieses Büchleins hierüber im Unklaren gewesen oder ist noch jemanden Nigeria's tragische Geschichte ein Rätsel geblieben?
Die Ausbeutung und Zerstörung Nigerias durch die Briten ist hinlänglich belegt, gleichsam auch der für den natürlichen Geist der mittelalterlichen Nigerianer verheerende Einfluss des Islam, den die Araber zu früh über die Sahelzone, wo man übrigens die Überreste des Sahelanthropus entdeckte, ins Land brachten. Die politischen Zustände des Landes die der junge Ibeh zum Schluss in einem Essay hier anprangert wären dann vermutlich nicht vorhanden. Doch all diese Entwicklungen beeinflussten die nigerianische Bevölkerung insoweit, dass sie sich ganz notwendig so entwickeln musste wie sie es dann tat. Hätte man Afrika generell seine natürliche Entwicklung gelassen, ohne die Einwirkung von außen, wäre der Zustand des Kontinents und seiner Bevölkerung heute eine gänzlich andere, viel Natürlichere und daher weniger Verfallende.
Dem Shooting Star Ibeh geht es aber zuvorderst darum seine Homosexualität ausleben zu dürfen: er will "blasen", er will "bumsen" und bitte ohne dass einer kommt und fragt, wieso in aller Welt er diesen Wunsch hat. Seine Hauptfigur ist nämlich er selbst und reflektiert seine Erlebnisse. Doch die Hoffnung, dass Nigeria irgendwann für seine Gelüste Verständis entwickelt, hat Ibeh, mutig wie er ist, nicht aufgegeben und deswegen zeigt er auch, wie das bewerkstelligt werden kann, indem er Obiefuna später in eine quere Gang schickt, mit denen sie dann die oben genannte Aufklärung betreiben können während sie gleichsam feuchtfröhlich den Anus des jeweils anderen zweckentfremden.
So meine Freunde, geht große Literatur!