Es ist eine unkonventionelle Art, wie Yoko Tawada in ihrem Buch Talisman, mithilfe verschiedener kleiner Geschichtsfragmente, für jegliche Lesende alltägliche Dinge unalltäglich beschreibt. Sie schreibt in ganz einfacher Sprache, in Blockbuchstaben aber dennoch kommt das Gefühl auf, dass sie irgendwie kursiv schreibt. Einige kleine Aspekte im Buch sind augenöffnend. Dazu zählt insbesondere der Anfang mit einer Geschichte der Animalisierung von Gegenständen im Deutschen, oder auch ihr interessanter Blick auf das Wort Mutter, sowie eine Analyse der Gedichte Paul Celans und ihre Koresspondenz mit dem japanischen Schriftzeichen bzw. auch Radikal für Tor 門. Allerdings befinden sich dazwischen viele Wörter, die man auslassen könnte, sowie es bleibt sehr ich zentriert und es enthält Geschichten, die sehr gewollt "neu" klingen wollen. Für mich ist das lyrische Ich nicht authentisch, insbesondere würde ich das an der Geschichte Talisman sowie auch der Buchtitel lautet, festmachen, Ohrringe sind für Japaner keine Neuigkeiten. In Japan gibt es viele Schulmädchen, die sich insbesondere unechte Ohrringe kaufen und später auch echte. Es ist für mich komisch, diese Geschichte so in das Zentrum des Buches zu stellen und so zu tun, als würde das lyrische Ich als Japanerin keine Ohrringe kennen und diese fälschlicherweise als Talisman erkennen. Dies ist nur ein Beispiel aber zieht sich über das ganze Buch hinweg. Es fehlt mir die Authentizität und die facettenreiche Darstellung ihrer Wahrnehmung. Es ist zu simpel und noch dazu, nicht wahr. Deshalb finde ich für dieses Buch zwei Sterne angemessen für diese durchaus unter anderem auch interessanten, originellen Aspekte trotz meiner Kritik.