Frankfurt 1511: Am Gedenktag von Maria Magdalena wird die Leiche der Hübscherin Roswitha entdeckt. Ursel Zimmer, die Vorsteherin der städtischen Hurengilde, findet heraus, wer der letzte Freier war. Doch als man seiner habhaft wird, beteuert der verzweifelte Mann, er habe nur einen Auftrag erfüllt. Er erwähnt einen geheimnisvollen Ring, der die Hurenkönigin zwar auf eine heiße Spur bringt, sie aber auch höchster Gefahr aussetzt …
Ursula Neeb, geboren 1957 in Bad Nauheim, betreute nach ihrem Studium der Kulturwissenschaften, Geschichte und Soziologie über viele Jahre hinweg die fotografische Sammlung im Deutschen Filmmuseum Frankfurt, bevor sie zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung in die Bildredaktion wechselte. Ursula Neeb lebt und arbeitet als freie Archivarin und Autorin in Schmitten im Taunus.
Die Leiterin des Frankfurter Hurenhauses anno 1511 – allgemein als die Hurenkönigin bezeichnet – ermittelt auf eigene Faust über die Morde der ihr anvertrauten Hübschlerinnen. Von der Stadtverwaltung bekommt die Frauenhauswirtin Ursel Zimmer dabei wenig Unterstützung. Was allerdings auch niemanden verwundern dürfte, da die Huren der damaligen Zeit zu den Unehrlichen gehörten und gerade mal in den Stadtmauern als geduldet anzusehen waren.
Im Ansatz werden auch die Vergangenheiten der einzelnen Beteiligten umrissen. Leider nur nicht ausführlich genug, um den wünschenswerten Tiefgang zu erreichen. Das unbestimmte Gefühl, gerade einmal an der Oberfläche der Ursel Zimmer und später auch des Mörders zu kratzen, taucht hartnäckig immer wieder auf. Dabei gäbe es dazu bestimmt noch viel mehr zu erzählen. Das Leben einer Hübschlerin war ja – wie auch in der Erzählung mehrmals angedeutet – nicht frei von einigen Höhen und Tiefen.
Zum Ablauf des Romans ist schwer etwas zu sagen, ohne die Hintergründe aufzudecken. Der Verlauf der Morde und die Gründe dazu sind nicht völlig von der Hand zu weisen. Trotzdem – als ein mittelalterlicher Krimi überzeugt mich ‘Die Hurenkönigin nicht. Die Handlungsweise gerade der Hauptprotagonistin ist zu ‘modern’. Nicht einmal scheint ihr auch nur im Ansatz der Gedanke zu kommen, daß der Bürgermeister sie wie jede andere Frau ihres Gewerbes jederzeit vor die Tore der Stadt setzen kann – wozu es dann ja auch letztendlich fast kommt. Im Gegenteil geht Ursel Zimmer die Stadtoberen in einer herausfordernden Art und Weise an, die für eine Zeit, in der Frauen schon von vornherein wenig Eigenverantwortlichkeit besaßen, wenig Glaubwürdigkeit besitzt.
Wäre die ganze Handlung beispielsweise in das 19. Jahrhundert verlegt worden, hätte sie wohl eher überzeugen können.
“Die Vorsteherin der Hurengilde, die auch mit über fünfzig Jahren noch eine schöne Frau war, legte mütterlich den Arm um Rosi.”
Diese Beschreibung über das Aussehen der Frauenhauswirtin tritt ziemlich zu Anfang des Buches auf und ist auch einer der Gründe, weswegen mich der Roman nicht wirklich überzeugen konnte. Sicher gab es auch in der Zeit um 1500 Frauen, die im vergleichsweise hohen Alter ihr gutes Aussehen erhalten hatten. Aber dass es einer Frau gelungen sein soll, die eine lange Zeit in dem ‘Beruf’ einer Hübschlerin tätig war und – wie im Lauf der Geschichte auch offenbar wird – eine lange Zeit der Drogensucht hinter sich hat, erscheint mir nicht überzeugend.
Nachdem ich vom 1. Teil (Das Geheimnis der Totenmagd) nicht so überzeugt war, aber “Die Hurenkönigin” noch in meinem Bücherregal lagerte und ich das Buch nicht ungelesen abgeben wollte, habe ich mich zum Lesen überreden können.
In diesem Band geht es wirklich um Ursel Zimmer, die Hurenkönigin. Im ersten Buch wurde sie nur erwähnt und fand weiter keine Beachtung, aber hier gab es schöne Einblicke in das Leben der Huren und wie die Gildemeisterin nun wirklich arbeitet.
Schreibstil: Ursula Neeb verwendet wieder eine Menge Adjektive und bemüht sich viele unterschiedliche Wörter für Personen zu finden, so wirkt es einfach zu gekünstelt, wenn in einem Gespräch der eine immer “der Frauenhausknecht” und sein Gesprächspartner “der Geliebte”, “der Gelehrte”, “der Doktor” oder “Berthold” genannt wird. Kurz: Auch dieses Buch erinnert vom Stil eher an einen Schulaufsatz. Allerdings ist dieser Band spannender und auch flüssiger zu lesen als der erste Teil. Was ich aber immer noch gruselig fand ist diese gestellte “alte” Sprache. Wer weiß denn heute noch wirklich wie die Menschen früher miteinander kommuniziert haben? Und wenn ich dann lese, dass Menschen in der dritten Person angeredet wurden und es wirklich gestelzt klingt und einen Satz später kommt “ach wir haben uns halt verkracht”, dann finde ich diese Aussage irgendwie lächerlich und unpassend.
Charaktere: Ursel Zimmer scheint eine interessante Persönlichkeit zu sein, aber sehr einfach. Ihr Herz liegt ihr auf der Zunge und sie lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen. War dies damals so? Eine Frau die so eigenständig ist, ich kann es mir schwer vorstellen fand Ursel aber sympathisch.
Die Huren fand ich alle sehr liebenswürdig und auch gewisse Praktiken schienen damals schon sehr auf dem Vormarsch zu sein, interessant.
Probleme hatte ich wieder mit anderen Figuren, die für mich ohne Hirn handelten und absolut verbohrt waren. Die Handlungen waren für mich unverständlich und es ging mir zu leicht für diese, doch sehr harte, Zeit.
Cover: Das Cover ist wunderschö. Rot – verrucht – mit leichtem Gold …
Fazit: Der zweite Band kann unabhängig vom ersten Band gelesen werden und zeigt stilistisch eine deutliche Besserung, dennoch wirkt der Ausdruck zu gestellt. Ich finde, dass es bessere historische Romane gibt und spreche daher keine Leseempfehlung aus, als Lückenfüller ist dieses Buch aber allemal geeignet.