Schneiderin Rosa findet ein uraltes Tagebuch. Es sind die Aufzeichnungen von Augusta von Liesen, einer lange verstorbenen Verwandten ihrer Freundin Vicki. Die Einträge enden rätselhaft und Rosa erfährt, dass Augusta urplötzlich gestorben ist. Sie will unbedingt herausfinden, was damals passiert ist. Zumal die alte Geschichte hochbrisante Auswirkungen auf die Gegenwart hat. Wird es ihr gelingen, das alte Familiengeheimnis aufzuklären und dabei Ordnung in ihr eigenes turbulentes Leben zu bringen?
"Auf Regen folgt immer Sonnenschein" Die verträumte Rosa Redlich ist zurück und landet umgehend in einer turbulenten Dreiecksgeschichte!
Inhalt: Rosa Redlich kann ihr Glück kaum fassen. Nach dem verkorksten "Glückskeksommer" geht es steil bergauf. Sie hat in Basti einen tollen Freund gefunden, der nebenbei auch noch Arzt ist. Die Schneiderwerkstatt ist gerettet und floriert bestens und ihre Karriere als selbstständige Schneiderin läuft sehr gut an seit der Modenschau vor dem "Schraders". Die Schauspielerin Eva Andrees hat trotz der damaligen Panne wieder ein von Rosa geschneidertes Kleid präsentiert und ihre Freundin Vicki, die mittlerweile eine bekannte Bestsellerautorin geworden ist, heiratete sogar in einer ihrer Kreationen. Seither hält viel Prominenz vor der kleinen Weddinger Nähstube. Doch Rosa wäre nicht Rosa, wenn einfach alles so mir nichts, dir nichts nach Plan laufen würde. Rosa findet in der verstaubten Bibliothek in Vicky's Haus ein altes Tagebuch von Augusta von Liesen, einer Vorfahrin ihrer Freundin Vicki. Neugierig und romanisch wie sie nun mal ist, macht sie sich daran, die schwierige Kurrentschrift zu entziffern und taucht ab in eine Zeit vor genau 100 Jahren. Ihr wird bewusst, dass sie so einiges mit der ebenfalls sehr romantisch veranlagten Augusta gemeinsam hat und ehe sie sich versieht, sind derer beiden Leben plötzlich miteinander verbunden. Als dann noch unverhofft der bekannte Regisseur Leopold Weidenhain in der Schneiderei steht und Rosa mitteilt, dass er sie für ein neues Musical als Kostümdesignerin anheuern möchte, wird für sie aus künstlerischer Sicht ein Traum wahr. Doch sie ahnt noch nicht, in welche chaotische Dreiecksgeschichte sie da gerade hineinschlittert...
"Ich koche aus zwei Töpfen, esse aus beiden und kann mich nicht entscheiden, welche Suppe mir besser schmeckt. Und ich habe die ganze Zeit Bauchschmerzen dabei!" Seite 203
Handlung & Charaktere: In "Herbsttagebuch" gehen die turbulenten Erlebnisse der verträumten Rosa Redlich weiter, die man zuvor in "Glückskekssommer" kennen- und liebengelernt hatte. Auch mit diesem zweiten Teil ist der Autorin Kerstin Hohlfeld wieder ein bezaubernder Roman gelungen, der für alle Liebhaber der leicht-lockeren Literatur etwas zu bieten hat. Gefühlvoll, romantisch, spritzig, frech und sehr humorvoll geht es zu und es ist wieder eine wahre Freude, an der Seite von Rosa durch die Geschichte zu reisen. Wieder erlebt man aus ihrer Sicht die Geschehnisse, ist wieder hautnah dabei und ihre verträumte Gedankenwelt - in der es wie gewohnt sehr durcheinander zugeht - sorgt wieder für viele amüsante Lesemomente. Rosa hat ein Talent dafür, von einem Chaos in das nächste zu schlittern, sie scheint diese Momente geradezu anzuziehen. Grade erst alles ins Lot gebracht, fangen schon die nächsten Turbulenzen an. Das Tagebuch der Augusta von Liesen passt genau in Rosas romantische Welt, sie fühlt sich davon natürlich sofort angezogen. Und selbst der Leser kann sich dieser Faszination nicht entziehen, denn diese von Rosa so mühsam übersetzen Tagebuch-Ausschnitte ziehen sich wunderschön durch das ganze Buch. Sie werden in einer handschriftähnlichen Schrift dargestellt und man versinkt ebenfalls in diese Welt von vor 100 Jahren. Ein gelungener Mix zwischen alt und neu, der wirklich Lesefreude bereitet. Aber auch in diesem Teil möchte man Rosa gerne immer wieder schütteln und rütteln und ihr sagen, dass sie die Augen aufmachen soll, dass die ihr Glück quasi selbst immer von sich schubst. Sie handelt oft recht impulsiv, redet schneller als sie denken kann und verletzt dadurch oft ihre Freunde, auch wenn sie dies beim besten Willen nicht beabsichtigte. Ihre Freundin Vicky bezeichnet sie gerne als einen Schmetterling, der gerade dorthin fliegt, wo es ihm am besten gefällt. Und immer wieder passt dies sehr gut, auch wenn Rosa dies gerne abstreitet. Der berühmte und auch ich gut aussehende Regisseur entführt Rosa in eine gefühlte Märchenwelt, er verdreht ihr den Kopf und verführt sie.
"Oh Mann! So eine geniale Geschichte habe ich das letzte Mal gehört, als mir meine Mutter vor 20 Jahren Aschenputtel vorgelesen hat! Und jetzt passiert es mir!!! Ein Prinz kommt und führt mich hinweg." Seite 105
... Hinweg in die schillernde Welt des Musicals. Das gefällt ihr sehr gut und der eher pragmatische Basti steht da plötzlich im Hintergrund. Doch auch wenn sie oft recht flatterhaft erscheint, hat Rosa doch das Herz am rechten Fleck, wenn es darauf ankommt. Dies beweist sie, als sie sich im richtigen Moment statt für ein pompöses Leben für ihre Freundin Vicky entscheidet, als diese ihre Hilfe braucht, und ihr tatkräftig zur Seite steht. Wie auch schon im ersten Band findet man hier eine durch die Autorin wunderbar gestaltete Charakteristik der Protagonisten. Niemand wird nur oberflächlich dargestellt, alle bekommen ihre Aufmerksamkeit und dies macht die Geschichte, die wieder in Berlin spielt, so authentisch. Eine Geschichte, die gerade den Nachbarn eine Strasse weiter passieren könnte...
"Ich habe bestimmt nicht alles richtig gemacht in letzter Zeit. Nee, wahrscheinlich habe ich wieder traumwandlerisch jede Menge Mist gebaut. Aber diesen Erfolg, den habe ich mir hart erarbeitet, gegen Widerstände, gegen Neid und Missgunst. Und darauf bin ich stolz." Seite 297
Mein persönliches Fazit : Wieder hat mich die Autorin Kerstin Hohlfeld mit ihrem Fortsetzungsroman "Herbsttagebuch" völlig begeistert. Ein lockerer, wunderschöner Frauenroman, mit dem man sich gerne auf dem Sofa einkuschelt, der für tolle, entspannte Lesestunden sorgt. Ich hatte glücklicherweise beide Bände (Glückskekssommer und Herbsttagebuch) zur Hand und konnte so direkt ohne Unterbrechung weiterlesen. Ich habe beide Bücher zusammen in zwei Tagen verschlungen. Und dies spricht definitiv FÜR die schönen Bücher :-) Liebe Frau Hohlfeld, ich würde mich doch sehr über weitere Geschichten aus dem Berliner Wedding freuen und noch ein wenig im Kreise der liebevollen Clique verbringen. Ich warte sehnlichst auf die Fortsetzung! :-)
Ich muss gestehen, dass ich auf "Herbsttagebuch" von selbst wohl nie aufmerksam geworden wäre. Nachdem man es mir jedoch empfohlen hat, wurde ich neugierig und habe mir zumindest die Kurzbeschreibung durchgelesen und diese hat mich direkt überzeugt. Also war schnell klar, dass dieses Buch einen Platz in meinen Regalen finden wird.
"Herbsttagebuch" ist der Nachfolgeband von "Glückskekssommer", die Bücher können jedoch auch gut getrennt voneinander gelesen werden, da kaum auf den ersten Band eingegangen wird und quasi eine komplett neue Handlung erzählt wird, ohne immer wieder in die Geschehnisse vom ersten Band zurück zu blicken.
Kerstin Hohlfeld hat einen sehr angenehmen Schreibstil, mit dem sie mich auf Anhieb begeistern konnte. Als ich das Buch erstanden habe, wollte ich eigentlich nur das erste Kapitel anlesen und plötzlich hatte ich schon ein Drittel des Buches durch. Immer wieder schön, wenn Autoren so fesseln können, dass man direkt die Zeit vergisst. Die Geschichte liest sich leicht und flüssig, die Tagebucheinträge lesen sich manchmal unglaublich naiv, was jedoch gut in das Jahr 1912 passt. Dazu werden die Charaktere, sowie deren Gedanken und Gefühle gut beschrieben, sodass man diese während der Geschichte sehr gut kennen lernen kann.
Mit Rosa wurde eine unglaublich sympathische Protagonistin geschaffen, die mich so manches Mal beeindrucken konnte. Obwohl sie oftmals sehr romantisch und verträumt ist, steht sie dennoch mitten im Leben und hat meistens eine gute Meinung. In der Liebe ist sie jedoch oftmals zu gutgläubig, sodass ich sie am liebsten geschüttelt hätte. Das Tagebuch, das sie findet, weckt direkt ihre Neugierde und es ist schön zu sehen, wie sehr sie mit Augusta mitfühlt und es in ihrem Leben besser machen möchte. Ihre Mitbewohnerin Vicki und deren Ehemann Daniel sind ebenfalls sehr sympathisch, manchmal allerdings auch anstrengend, denn sie sind nicht unbedingt ein typisches Ehepaar. Obwohl sie erst kürzlich geheiratet haben, lieben sie ihre Freiheit und möchten überhaupt nicht zusammenleben, vielmehr leben sie in getrennten Wohnungen und sehen sich auch nicht unbedingt täglich. Mit Leo und Basti lernt man zwei Protagonisten kennen, die Rosas Leben vollkommen auf den Kopf stellen und auf ihre ganz eigene Art und Weise sympathisch sind. Basti ist jemand, der zwar nett erscheint, dem ich aber nie wirklich trauen konnte, gleiches gilt leider auch für Leo, dennoch sind die beiden Männer unverzichtbar und das Salz in der Suppe.
Dazu kommt noch Augusta, deren Tagebuch gefunden wird. Sie ist Vickis Urgroßtante und hat vor genau einhundert Jahren ihr Tagebuch verfasst, indem sie nicht immer glücklich klingt. Es wird eine Zwangsheirat angedeutet und es ist nur wenig über sie bekannt, außer, dass sie angeblich lebendig begraben wurde. Rosa nimmt Augustas Geschichte sehr mit und sie möchte noch viel mehr über sie erfahren.
Natürlich muss es bei so einem Buch auch eine Liebesgeschichte geben, diese ist jedoch sehr häufig unglaublich chaotisch und es werden Entscheidungen getroffen, die ich oftmals nur schwer nachvollziehen konnte. Dennoch finde ich es gut, wie mit diesen Entscheidungen umgegangen wird und welche Lehren Rosa aus diesen zieht. Obwohl sie selbst große Romantikerin ist, bleibt die Romantik jedoch sehr häufig auf der Spur. Man erlebt nüchterne Liebesmomente, die zwar ganz nett sind, bei denen der letzte Funken jedoch fehlt.
Das Cover ist ganz hübsch und passt auch recht gut zu Rosa, denn man erfährt im Laufe der Geschichte, dass sie niemals mit flachen Schuhen aus dem Haus geht. Auch der Herbst wird sehr gut ins Bild gebracht. Die Kurzbeschreibung liest sich gut und vielversprechend, sodass man dieses Buch direkt lesen möchte.
Insgesamt hat mir "Herbsttagebuch" gut gefallen und konnte mich sogar überraschen, da ich so eine tiefgehende Geschichte zunächst gar nicht erwartet habe. Ich werde mit Sicherheit noch weitere Bücher von Kerstin Hohlfeld lesen, denn der Schreibstil und ihre Ideen wissen eindeutig zu überzeugen. Empfehlenswert!