Serginho, der Protagonist von Ich war in Lissabon und dachte an Dich, ist ein sympathischer Loser, der sich in einer verschnarchten Kleinstadt im brasilianischen Hinterland mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt, die falsche Frau heiratet, keine Arbeit mehr findet und sich – nach einem dubiosen Immobilien-Deal über den Tisch gezogen – für die Emigration nach Portugal entscheidet, um dort das große Glück & Geld zu machen. In Lissabon wartet weder das eine noch das andere auf ihn & all’ die anderen Glückssucher, sondern das Prekären aus aller Welt vorgesehene Schicksal: schlechtbezahlte Knochen-Jobs, falsche Freunde und – schon wieder – eine Frau, mit der es nicht klappt.-
Luiz Ruffato bringt diese moderne Kolonialgeschichte mit umgekehrten Vorzeichen zum Leser, indem er sie als mild-amüsante Parabel über das Scheitern moderner Mythen inszeniert. In einer Art ›Bewußtseinsstrom‹, in dem direkte und indirekte Rede sehr geschickt miteinander verwoben werden, erzählt er die kurze, tragisch-heitere Geschichte zum sinnfälligen, offenen Schluß. Und da das gelungen Fremdsprachige nicht ohne die unermüdliche Arbeit der Übersetzenden zu haben ist, wird an dieser Stelle auch Michael Keglers Leistung lobend erwähnt.