Wie in den anderen Rezensionen zu lesen ist, ist "Gebrauchsanweisung für die Welt" ein polarisierendes Buch.
Der Autor spart nicht an harscher Kritik und Verurteilungen diverser Arten von Menschen.
Anfangs empfand ich dabei ähnlich wie die 1-Sterne-Bewertenden. Bei einem so betitelten Reisebuch erwartete ich keine derart prävalente von oben herab Haltung.
Je mehr ich las, desto sympathischer wurde mir Altmann dann schließlich doch.
Öfter konnte ich seine Kritiken teils teilen, auch wenn ich hier ein paar Probleme aufgreifen möchte.
Erstens werden manchmal Strohmannargumente angebracht. Beim Kapitel über Drogen argumentiert er gegen Gesundheitsfanatiker, Nichtraucher, Bioesser.
Es sei spießig und genussfeindlich zu fordern, man solle auf Fleisch verzichten und nur in Bioläden einkaufen.
Die ethische Dimension wird hier aber komplett ausgeblendet.
Andere zu kritisieren oder gar anzufeinden, weil sie nicht gesund leben, halte ich auch für idiotisch. Dass uns gerade das Ökosystem unter den Fingern zusammenbricht und dass die Tierprodukteindustrie gigantisches Leid erzeugt, ist aber weitaus wichtiger als das Recht auf eine selbstzerstörerische Lebensweise.
Genau so ging es mir bei Altmanns Attacken gegen Menschen, die behaupten, Reisende würden von ihren Verantwortungen davon laufen und seien Drückeberger, die sich lieber um ihre Arbeit zuhause kümmern sollten.
Auch das halte ich für angebrachte Kritik.
Das Problem vom davon Laufen vor den gesellschaftlichen Problemen, das Reisen, um nicht für politische Änderungen der Dinge zu kämpfen, die einen stören und die das Leben in dem Land, in dem man wohnt, unlebenswert machen, ist da doch der viel trifftiger Grund für Skepsis vor diesem Eskapismus.
Nur so ein paar Gedanken.
Sehr gut hat mir das Kapitel über Drogen gefallen, da Altmann schamlos über seinen Drogenkonsum, auch von den stigmatisiertesten Substanzen (Heroin, Crack, Opium) berichtet.
Das ist mutig, beweist Willen zum Aufstand und zur Auflehnung gegen Normen und Dogmen.
In einer Medienwelt, die fast ausschließlich Horrorszenarien im Hinblick auf Drogen zeichnet, ist eine ehrliche Darstellung der Licht- und Schattenseiten etwas Besonderes. Was es nicht sein sollte.
My brain, my choice!
Zuletzt möchte ich noch erwähnen, dass der Titel etwas clickbaity ist, um es mit einem aktuellen Begriff zu beschreiben.
Das ist keineswegs eine Gebrauchsanleitung, kein Reiseführer.
Es ist eine Ansammlung von Anekdoten und Meinungsstücken, in die immer wieder Tipps eingestreut werden.
Damit muss man rechnen, dann kann man dem Buch durchaus viel abgewinnen.
Sprachlich ist Altmann nämlich auf hohem Niveau, er vermag zu fesseln, schreibt kurzweilig und weiß Liebe, Schönheit und Dunkelheit unpolemisch in Worte zu fassen.
Ich fühlte mich bei der Lektüre an den wunderbaren Roger Willemsen erinnert, und das ist ein großes Kompliment für einen Reiseautor.
Wenn ihr es vertragt, provoziert zu werden und auch mal Unbehagen zu empfinden, würde ich euch dieses Buch durchaus empfehlen!