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Das Lehnswesen
Wann und wie sind Lehen entstanden? Welche Funktionen haben sie im Mittelalter erfüllt? Wie sah die Beziehung zwischen Lehnsherren und Vasallen aus? Ja - gab es im Mittelalter überhaupt ein Lehnswesen? Steffen Patzold hat sich in diesem Band mit fast 1000 Jahren Lehnsgeschichte auseinandergesetzt und allgemeinverständlich zusammengefasst, was man darüber wissen sollte - und auch, was man darüber kaum wissen kann.
128 pages, Paperback
First published February 8, 2012
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Community Reviews
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
October 7, 2026
Als ich noch in Tübingen Geschichte studierte hatte ich einmal eine Vorlesung zum Thema "Europa um das Jahr 500" bei Steffen Patzold.
Diese Vorlesung ist mir so sehr in Erinnerung geblieben, dass ich spontan zugriff, als ich dieses Büchlein vor ein paar Jahren in einer Buchhandlung sah.
Es bietet einen sehr interessanten Überblick, vor allem über die Forschungsgeschichte zum Lehnswesen - falls man überhaupt von einem Lehnswesen sprechen kann.
Die Kernthesen des Buches sind nämlich zum einen, dass das Lehnswesen nicht schon im 9. Jahrhundert im Frankenreich begann, sondern sich erst im Laufe des 11. Jahrhunderts entwickelte - und zwar an unterschiedlichen Orten in unterschiedlicher Ausprägung. Diese Thesen werden anhand ausgewählter Quellen überzeugend argumentiert.
Am Ende stellt Patzold ganz infrage, inwiefern das Lehnswesen überhaupt ein wissenschaftlich nützlicher Begriff ist, da er so viele verschiedene Dinge bezeichnen kann.
Klar wird auf jeden Fall, dass das Lehnswesen nie das alles dominierende Gesellschaftssystem des Mittelalters war, wie ich es noch in der Schule gelernt habe (Lehnspyramide).
Was mir ein bisschen gefehlt hat, war der Blick nach unten, besonders auf die Unfreien und welche Rolle sie bei der Vergabe von Lehen gespielt haben.
Sonst aber eine sehr gute Lektüre.
Diese Vorlesung ist mir so sehr in Erinnerung geblieben, dass ich spontan zugriff, als ich dieses Büchlein vor ein paar Jahren in einer Buchhandlung sah.
Es bietet einen sehr interessanten Überblick, vor allem über die Forschungsgeschichte zum Lehnswesen - falls man überhaupt von einem Lehnswesen sprechen kann.
Die Kernthesen des Buches sind nämlich zum einen, dass das Lehnswesen nicht schon im 9. Jahrhundert im Frankenreich begann, sondern sich erst im Laufe des 11. Jahrhunderts entwickelte - und zwar an unterschiedlichen Orten in unterschiedlicher Ausprägung. Diese Thesen werden anhand ausgewählter Quellen überzeugend argumentiert.
Am Ende stellt Patzold ganz infrage, inwiefern das Lehnswesen überhaupt ein wissenschaftlich nützlicher Begriff ist, da er so viele verschiedene Dinge bezeichnen kann.
Klar wird auf jeden Fall, dass das Lehnswesen nie das alles dominierende Gesellschaftssystem des Mittelalters war, wie ich es noch in der Schule gelernt habe (Lehnspyramide).
Was mir ein bisschen gefehlt hat, war der Blick nach unten, besonders auf die Unfreien und welche Rolle sie bei der Vergabe von Lehen gespielt haben.
Sonst aber eine sehr gute Lektüre.
November 23, 2024
Die Hauptaussage des Buches ganz kurz: Das Lehnswesen ist überhaupt nicht einheitlich, hat sich in den verschiedenen Teilen des heutigen Europas zu unterschiedlichen Zeiten entwickelt. Der beste Ausgangspunkt unseres Modells des Lehnswesens (mit der Verknüpfung von Lehen und Vasallität) ist entgegen älterer Forschung erst um das 11. Jahrhundert sinnvoll (da es hier die ersten normativen Systematisierungen gab), und selbst im Zuge des Spätmittelalters wurde es zwar immer einheitlicher, aber die Praxis unterschied sich wohl immer noch sehr stark von allen normativen Regelungen.
Das Buch geht wegen der damaligen Irrungen älterer Forschung sehr stark wissenschaftsgeschichtlich an das Thema ran, was aber wegen der weit verbreiteten veralteten Forschung, die immer noch in Schulbüchern zu finden ist (z.B. die Lehnspyramide), dringend notwendig ist. Einziger Nachteil ist, dass oft seitenlang bereits widerlegte Theorien dargestellt werden. Wenn man nicht aufmerksam liest, speichert man da vielleicht die eine oder andere nett klingende Beobachtung fälschlicherweise als Fakt ab.
Das Glossar ist super, die Literaturangaben sind systematisch sortiert - das Buch wird mich auch deshalb noch 'ne Weile begleiten.
Das Buch geht wegen der damaligen Irrungen älterer Forschung sehr stark wissenschaftsgeschichtlich an das Thema ran, was aber wegen der weit verbreiteten veralteten Forschung, die immer noch in Schulbüchern zu finden ist (z.B. die Lehnspyramide), dringend notwendig ist. Einziger Nachteil ist, dass oft seitenlang bereits widerlegte Theorien dargestellt werden. Wenn man nicht aufmerksam liest, speichert man da vielleicht die eine oder andere nett klingende Beobachtung fälschlicherweise als Fakt ab.
Das Glossar ist super, die Literaturangaben sind systematisch sortiert - das Buch wird mich auch deshalb noch 'ne Weile begleiten.
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