Postkoloniale Theorien sind ein transdiszplinäres Unternehmen und thematisieren die vielfältigen Nachwirkungen von Imperialismus und Kolonialismus. Sie umfassen aktuelle Formen des »Orientalismus« und der Konstruktion des globalen Südens als »unterentwickelt« ebenso wie die identitären Effekte von Diaspora- und Migrationserfahrungen, eine Kritik des westlichen modernen Selbstverständnisses nicht weniger als die Analyse alter und neuer Formen von Rassismus. Ferner beschäftigen sie sich mit globalisierten Formen des Regierens, Fragen von Staatlichkeit sowie der Genese und Gültigkeit weltweiter Normen und Rechte. Die Wurzeln postkolonialer Theorien liegen in der Reflexion über antikolonialen Widerstand und in der Auseinandersetzung mit der Literatur aus ehemaligen Kolonien.
Top Einführung, die den diversen Kanon und die verschiedenen Ansätze gut einführt und die postkoloniale Theorie am Ende gar als eine globale Kritische Theorie versteht!
Mit Blick ins Literaturverzeichnis ist die Leseliste wieder gewachsen!
super interessant und gut einführend aber auch sehr akademisch geschrieben, wobei viele fachbegriffe vorausgesetzt werden. also eher was für mäuse, die tief in die akademische postkolonial sphäre tauchen wollen
Obwohl das Feld an sich sehr breitgefächert und relativ neu ist, bietet die Autorin eine gute Übersicht. Vorwissen ist bedingt vorgesetzt und auch eher für die Akademikerinnen unter uns gedacht - zumindest sprachlich.
An sich recht zugängliche, nach Themen gegliederte Einführung - meine Theorietradition werden die postkolonialen Ansätze in diesem Leben aber nicht mehr. Immerhin scheint es, als wäre das in der Wissenschaft Diskutierte gehaltvoller, differenzierter und unaufgeregter als das, was am Ende der popkulturellen Pipeline auf Instagram landet. Ich frage mich aber schon, was jetzt hängenbleiben wird. Denn die vorgestellten Ansätze sind dermaßen vielgestaltig (und leider auch hochgradig abstrakt), dass ich außer einem Problembewusstsein für machtbesetzte Dichotomien (die so ohnehin kaum noch jemand vertritt) vermutlich wenig mitnehmen werde. Interessant ist evtl. noch das Thema der Identitätsbildung jenseits naturalisierter Kollektive und im Kontext der Globalisierung.
Die Einführung ist stark konzeptionell ausgerichtet - damit habe ich kein grundsätzliches Problem; ein paar Zahlen bzw. ein stärker quantitativ-empirisch ausgerichteter Zugang wäre aber mMn zuträglich gewesen. Mglw. sind solche Ansätze auch erst im Entstehen begriffen, da die PKT v.a. in der Literatur- und Kulturwissenschaft beheimatet ist und von dort aus in andere Disziplinen expandiert. So bleibt es aber abstrakt: PKT beschreibt Diskurse - hier wird diese Beschreibung beschrieben. Wie die Diskurse im Einzelnen funktionieren kann also nicht Anliegen des Buchs sein, hätte mich aber interessiert. Bzw interessiert mich, ob PKT ähnlich abstrakt-globale Aussagen und Darstellungen macht, wie es hier scheint, oder ob der „kolonialistische Diskurs“ am Beispiel dekonstruiert wird. So scheint es leider wenig greifbar und letztlich arbiträr, weil keine Beispiele dafür angeführt werden, WIE GENAU „der Westen“ sich und sein Anderes konstruiert.
Und auch auf konzeptioneller Ebene wäre mehr Konkretion wünschenswert gewesen. Wie wird der kritisch-sozialrevolutionäre Impetus plausibilisiert? Was unterscheidet den europäischen Kolonialismus von länger vergangenen politischen Expansionen? Wie sahen koloniale Praktiken konkret aus und welche Auswirkungen haben diese jeweils heute? Denn: Auch Indien und Shanghai sind ehemalige Kolonien - worin liegen Unterschiede zu afrikanischen Ländern? Wie ist denn eigentlich der Gegenstand dieser Theorien? Klar, zunächst der historische, europäische Kolonialismus. Aber fällt auch das us-amerikanische „Engagement“ in Lateinamerika darunter? Letzteres wird immerhin problematisiert, aber eine definitorische Eingrenzung fehlt. Das ist wohl der inneren Differenziertheit der Theorien geschuldet und deshalb der sei Führung eigentlich nicht anzulasten. Insgesamt bleibe ich aber einigermaßen ratlos zurück.
Hält was es verspricht, super Einführung in das weite Feld der Postkolonialen Theorien. Ina Kerner gibt einen Überblick über die wichtigsten Autor:innen und Wissenschaftler:innen und schafft es deren meist sehr komplexe Theoriegebilde gut und verständlich darzulegen.