“Ich werde immer wenige Menschen besitzen, damit ich ihren Verlust nie verschmerzen kann.“
„Vielleicht wäre in der Einsamkeit alles erträglich. Aber man spricht aus ihr heraus, und andere hören einen. Hören sie einen nicht, so spricht man lauter. Hören sie noch immer nicht, so schreit man. Es ist dann mehr ein tobendes Fürsichsein als Einsamkeit.“
„Es läßt sich nur einsam sein, wenn man in einiger Entfernung Menschen hat, die auf einen warten. Absolute Einsamkeit gibt e nicht. Es gibt nur die grausame Einsamkeit gegen die Wartenden.“
„So leben, als hätte man unbeschränkt Zeit vor sich. Verabredungen mit Menschen in hundert Jahren.“
„Ein Gott, der seine Schöpfung verheimlicht. »Und siehe da, es war nicht gut.«“
„Am meisten mißfallen mir Gedanken, wenn sie sich zu bald als richtig herausstellen. Was hat man denn schon gesagt, wenn es sich nach zwei Jahren bereits herausstellt, daß es richtig ist?“
„Die Worte, die man vor manchen Menschen nicht findet, kommen einem später, wenn man sie verlassen hat. Sie entstammen der Bestürztheit, in die einen die Gegenwart des anderen versetzt. Ohne sie würden sie überhaupt nicht entstehen; aber es gehört zu ihnen, daß sie nicht gleich dasein können. Ich glaube, es sind diese heftigen, aber verzögerten Worte, die den Dichter ausmachen.“
„Am besten sitzt es sich unter Menschen, die man nie wieder sehen wird, man hält sie genau so lange aus, als man glaubt, daß sie einem nie etwas tun werden.“
„In einer wirklich schönen Stadt läßt es sich auf die Dauer nicht leben: Sie treibt einem alle Sehnsucht aus.“
„Das Dümmste sind die Beschwerden: Immer grollt man jemand.
Immer ist der oder jener einem zu nahe getreten. Immer hat einem der oder jener ein Unrecht zugefügt. Wie kommt man dazu, was heißt: Das und das läßt man sich nicht gefallen. Diese kleinliche Unsinn geht einem im Kopf herum, kleinlich, denn es betrifft einen selbst, und auch da nur den geringsten Teil der eigenen Person, die immer künstliche Grenze. Mit diesen Beschwerden füllt sich das Leben an, als wären es Weisheiten. Sie nehmen überhand wie Ungeziefer, sie vermehren sich rascher als Läuse. Mit ihnen schläft man ein, mit ihnen wacht man auf; das ›Geschäftsleben‹ der Menschen besteht aus nichts anderem.“
„Die Leute, auf die man sich verläßt, und die Leute, die sich auf einen verlassen, ein Lustspiel.“
„Der Selbst Hasser: Eine Figur, die mit einer wütenden Rede gegen sich selbst auftritt. Es gibt nichts Böses, es gibt nichts Gemeines, das der Selbst-Hasser sich nicht zuschreibt.
Er weckt damit die einmütige Liebe aller. Wer immer seine Rede gehört hat, rennt ihm nach und ist ihm verfallen. Er aber wütet nur immer mehr, um sich der Nachläufer zu erwehren. Er beginnt so zu sein wie seine Behauptungen. Seine Selbstbeschul-digungen werden wahr, sein Erfolg wächst. Seine Gefährlichkeit steht in genauem Verhältnis zu seiner Anziehung. Sein Erfolg verschlägt ihm den Atem, er weiß sich nicht mehr zu helfen. In seiner Verzweiflung vergißt er sich einmal und läßt sich ein paar gute Worte über sich entschlüpfen. Auf der Stelle fallen alle von ihm ab, und er ist erlöst.“
„Das Verlorengegangene im anderen Menschen, der lebt, besteht, einen anblickt, zu einem spricht; die Suche in ihm hat etwas Verzweifeltes: »Wo hast du es?« sagt man zu ihm, »versteckst du es? es ist doch noch da?«, und so erforscht und durchsucht man ihn vergeblich, und alles ist versunken; aber kein Meer weit und breit, in das es hätte versinken können; und nichts mehr ist wichtig, außer dieser Suche, es ist die Suche nach dem Nichts, zu dem man im anderen geworden ist.“
„Die furchtbarste Masse, die sich denken ließe, wäre eine aus lauter Bekannten.“
„Man mag drei- oder viertausend Menschen gekannt haben, man spricht immer nur von sechs oder sieben.“
„Er wartet auf ein Wort, das ihm alle Worte rehabilitiert und rechtfertigt.“
„Ich will mich so lange zerbrechen, bis ich ganz bin.“
„Die meisten Religionen machen die Menschen nicht besser, aber vorsichtiger. Wieviel ist das wert?“
„Wäre es möglich, daß ihr Tod mich von Eifersucht kuriert hat? Ich bin gegen die Menschen, die ich liebe, toleranter geworden. Ich wache weniger über sie, ich gönne ihnen ihre Freiheit. Ich denke mir: Tut dies, tut jenes, tut, was euch Freude macht, wenn ihr nur lebt, tut, wenn es sein muß, alles mögliche gegen mich, kränkt mich, betrügt mich, schiebt mich beiseite, haßt mich - ich erwarte nichts, ich will nichts, nur das eine: daß ihr lebt.“