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Winterkind

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Eigentlich müsste Blanka von Rapp glücklich sein: Sie ist schön, ihre Haut ist weiß wie Schnee, ihre Haare sind schwarz wie Ebenholz. Und sie ist reich, ihrem Mann gehört die Glasfabrik, deren Turm das Dorf überragt. Trotzdem ist sie unglücklich. Wie ein Schatten liegt die Angst über allem, was sie tut, die Angst vor einer Toten.

Als die Geschäfte ihres Mannes schlechter laufen, wächst unter den Arbeitern in der Glashütte die Unzufriedenheit. Gerüchte über einem Aufstand häufen sich. Während Blankas Mann verreist, eskaliert die Situation. Blanka muss sich nicht nur der Gegenwart, sondern auch den Geheimnissen der Vergangenheit stellen. Denn der tiefe Schnee, der das Herrenhaus umschließt, lässt sie nicht entkommen.

280 pages, Paperback

First published September 1, 2012

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About the author

Lilach Mer

4 books3 followers

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Community Reviews

5 stars
7 (26%)
4 stars
8 (30%)
3 stars
8 (30%)
2 stars
2 (7%)
1 star
1 (3%)
Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Wal.li.
2,552 reviews69 followers
April 11, 2019
Spieglein

Sehnsüchtig wartet Blanka von Rapp darauf, dass ihre kleine Tochter Johanna, ihr Mann und das Kindermädchen Sophie zurückkehren. Seit langem schon kann Blanka das Haus nicht mehr verlassen und so konnte sie nicht einmal der Bestattung ihrer Mutter beiwohnen. Es ist kalt, es ist Winter. Endlich kommen sie und sie bringen das einzige Erbe, einen Spiegel. Obwohl Blanka erfreut ist, dass ihre Familie endlich um sie vereint ist, herrscht doch eine gedrückte Stimmung. Und bald schon muss ihr Mann wieder fort. Der Zahltag für die Arbeiter der Glashütte naht und noch steht das Geld nicht parat.

Ein Winterroman, den man lieber in der helleren Jahreszeit liest. Zu düster ist die Stimmung, die verbreitet wird. Es steht nicht gut um die Familie von Rapp, sowohl was das zwischenmenschliche angeht als auch, was die finanzielle Seite anbetrifft. Der von Rapp war einmal ihr Traummann, für ihn ist sie andere Wege gegangen. Doch was ist geblieben, nach den Ehejahren. Nur ihr liebstes und einziges Kind. Als Johanna nach der Fahrt durch die Winterluft schwer erkrankt, ist ihre Mutter untröstlich. Gemeinsam mit Sophie versucht sie alles, um dem Kind zu helfen. Nicht immer allerdings ist gut gemeint auch gut gemacht. So bringt Blanka ihre Tochter in noch größere Gefahr.

Erinnert an das Märchen vom Schneewittchen wird man bei der Lektüre dieses Buches. Doch die Vorstellung von einem happily ever after sollte man beim Lesen dieses Romans nochmal überdenken. Man muss damit rechnen, aus seinen romantischen Vorstellungen gerissen zu werden. Nach dem Happy End geht das Leben erst los. Und nicht immer schwebt man auf rosa Wolken. Blanka jedenfalls ist in ihrer Vergangenheit gefangen und sie kann sich nur mit ihrer Fowlerschen Lösung aufrecht halten. Doch Blanka kämpft gegen die Dunkelheit in ihrem Inneren und für ihre Tochter. Und damit nährt sich auch der Glaube, dass es wieder aufwärts geht, wenn ein Tal durchwandert ist.

Ein spannender, düsterer Roman, der in einer alten Zeit spielt, in welcher schon der Umbruch in die Moderne zu spüren ist.

3,5 Sterne
Profile Image for Rina.P.
299 reviews4 followers
March 1, 2024
Geärgert habe ich mich nur durch das Fishing for Reader – Man wurde gelockt mit einer Fortsetzung eines beliebten Märchens das ich persönlich nicht so empfand. Aber hätte ich sonst dazu gegriffen. Vielleicht durch Zufall. Aber ich bin sehr froh, dass ich es gelesen habe. Diese düstere Stimmung und Blankas Veränderung von einer liebenden Mutter zu einer Tyrannin ihrer Tochter gegenüber und auch was sie selbst verdrängt hatte war ziemlich gut heraus gearbeitet und das Buch war sehr spannend. Es ist ein Buch für Fans historischer Bücher, die gerne auch was über das Joch der Frauen der gehobenen Gesellschaft lesen wollen. Ich sage nur wundgescheuerte Rippen durch die Korsette und ähnliches. Ich mochte es
148 reviews3 followers
December 1, 2012
Winterkind ist der zweite Roman, den ich von der Autorin Lilach Mer lesen durfte. Mit Der siebte Schwan hat die Autorin ja schon bewiesen, dass sie Märchenelemente neu arrangieren kann. Ihr Sprachstil ist dabei unverkennbar, denn er ist lyrisch, locker und extrem fesselnd. Sie fängt eine Melancholie ein, die absolut perfekt zum Geschehen passt. In Winterkind lässt sie den Leser zusätzlich 200 Jahre in die Vergangenheit reisen und erfahren, was nach dem Märchen "Schneewittchen" geschehen sein könnte. In erster Linie ist Winterkind damit ein historischer Roman, bei dem sich alle Begebenheiten logisch erklären lassen. Mir gefiel es allerdings sehr gut, dass man alles zweifach deuten konnte: Sowohl logisch, aber genauso eben auch magisch. Dadurch entstand eine ganz besondere Atmosphäre im Roman.

Blanka von Rapp ist einer der bestimmenden Charaktere in Winterkind. Sie ist vermögend, hat aus Liebe geheiratet (was um 1800 nicht selbstverständlich war) und eine wundervolle Tochter bekommen. Ihr Mann ist Eigentümer einer Glasfabrik, die mehrere Arbeiter beschäftigt. Ihr Haar und Schwarz wie Ebenholz und ihre Haut Weiß wie Schnee. Als ihre Mutter stirbt, erbt Blanka einen monströsen Spiegel, der sie zurück in ihre Vergangenheit katapultiert und viele verdrängte Verletzungen wieder an die Oberfläche holt.
Ein weiterer wichtiger Charakter ist Sophie, die Gouvernante, die sich wunderbar um Johanna kümmert und Blanka unter die Arme greift. Ich habe Sophie viel schneller ins Herz geschlossen, weil sie ein freundlicher, offener Charakter ist, der im rechten Moment auch selbstständige Entscheidungen trifft. Blanka hingegen kam oft sehr zögerlich, kränklich herüber, was aber auch an ihrem labilen Geisteszustand gelegen haben mag, der sehr gut herausgestellt wurde.

Man merkt sofort: Lilach Mer hat sich besondere Mühe mit den Charakteren gegeben und die Liebe fürs Detail, für die Gefüwhle, Wünsche und Träume der beiden Heldinnen werden sehr gut dargestellt. Die unterschiedlichen Perspektiven lassen den Roman sehr fesselnd werden, denn es entsteht bei jeden Wechsel eine immer wieder neue Grundstimmung: Während es bei Blanka immer sehr düster, verwirrend und traurig zu sein scheint, ist die Schilderung aus der Sicht von Sophie viel freundlicher. Man erfährt je nach dem Charakter, der gerade erzählt, auch immer etwas über den Stand, dem die Person angehört und wie die Konventionen damals waren. Zusätzlich gibt es am Ende eines jeden Kapitels noch einige Abschnitte in kursiver Schrift, die nach und nach viel offenbaren. Jede der Figuren hat eine eigene Einstellung und bewertet die Situationen völlig anders. Besonders gefallen hat mir auch die Darstellung der Zeit um 1800 in Norddeutschland. Von der Sprache bis hin zu den damaligen Art sich zu kleiden, von den Arbeitsverhältnissen bis hin zur Kindererziehung - Winterkind zeigt sehr aufwühlend, wie es um 1800 war.

Bewertung
Winterkind ist ein wundervoller historischer Roman mit einer dichten Atmosphäre und einem spannenden Setting. Die Charaktere habe ich gleich ins Herz geschlossen. Nach Der siebte Schwan ist der Autorin erneut eine märchenhafte Geschichte gelungen, die den Leser diesmal um 200 Jahre in die Vergangenheit entführt.
Profile Image for Seychella.
173 reviews16 followers
January 27, 2013
Was wäre passiert, wenn Schneewittchen eine Tochter gehabt hätte? Blanka von Rapp müsste glücklich sein, denn sie ist schön, wird geliebt und lebt mit ihrer Familie in einem Herrenhaus. Dennoch ist ihr Leben von Ängsten geprägt, die sich noch verstärken, als sie den Spiegel ihrer Mutter erbt. Die eskalierende Unzufriedenheit unter den Arbeitern in der Glashütte und die Abwesenheit ihres Mannes zwingen Blanka dazu, sich nicht nur der Gegenwart, sondern auch ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen.

Dieser Roman ist im Jahr 1880 angesiedelt und spielt in einem Dorf in Niedersachsen, in dem es auch eine Glasfabrik gibt, die Blankas Mann gehört. Die Details dazu haben mich gefesselt, sowohl was die Herstellung als auch die Entwicklung betrifft, die weg vom künstlerischen Anspruch hin zur Massenfertigung führt. In dieses historische Setting wurde eine sehr spannende Geschichte eingebettet, die für mich durch den Bezug zum Schneewittchen-Märchen aber auch etwas phantastisches hatte.

Das Buch hatte mich von der ersten Seite an am Haken, weil mir die dichte Atmosphäre so gut gefiel und ich auch zu den Figuren einen direkten Draht hatte. Sie waren sehr präsent, nah bei mir und haben sich schnell in mein Leserherz geschlichen. Blanka ist rätselhaft und sensibel, geprägt von ihrer Vergangenheit, voller Andeutungen und Stimmungen, hell und dunkel. Die Gouvernante Sophie, eine weitere Hauptfigur, war mir in einer viel direkteren Art sympathisch. Sie ist intelligent, bodenständig und tatkräftig.

Die wunderbare poetische Sprache hat auch dafür gesorgt, dass ich mich mit dem Buch so wohl gefühlt habe. Sie hat mir Gefühle, Stimmungen und Bilder sehr intensiv vermittelt, so dass ich mich wie ein Teil der Geschichte fühlte und nicht wie ein außen stehender Beobachter. Diese teilweise unheimliche Geschichte hat mich gefesselt, mitgerissen und auf vielfältige Weise berührt. Sie hat viele Eindrücke hinterlassen, die mich noch länger begleiten. Eine sehr spannende und stimmungsvolle Lektüre, die ich einfach nur genossen habe!
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