Wie geht man damit um, dass die beste Freundin an einer psychischen Krankheit leidet? Gute Frage, Agneta tut es nämlich nicht (gut). Selten hat mich ein Buch dermaßen aufgeregt, dass ich es Monate später immer noch vor mir sehe und mich weiter aufregen könnte.
Ich wollte das Buch lesen, um mich mehr in die Thematik einzulesen. Laut meiner Recherche gibt es wenige Bücher, die sich mit Borderline beschäftigten, vor allem aus der Sicht einer Angehörigen und einer Betroffenen. Es hätte so ein schöner Sichtwechsel werden können. Wie fühlt sich Lola? Wie fühlt sich Agneta? Wie gehen sie miteinander um? Was bedeutet es, eine Borderlinerin als Freundin zu haben?
Ich finde nicht, dass die Fragen ausreichend beantwortet worden sind. Tatsächlich habe ich das Gefühl gehabt, dass das Buch in erster Linie von Agneta handelt, genauer gesagt ihrer Hochzeit. Liebe Agneta, wenn du ein Buch über deine Freundin und über Borderline schreibst, geht es nicht um dich oder deine Hochzeit. Ja, es ist verständlich, dass du enttäuscht bist und sie gerne mehr eingebunden hättest. Ich kann beide Seiten sehr gut nachvollziehen - sowohl Agneta, der der wichtigste Tag ihres Lebens bevorsteht und sie gerne ihre beste Freundin an ihrer Seite hätte, die jedoch derzeit etwas ungreifbar ist; als auch Lola, die mit ihrer psychischen Erkrankung mehr denn je struggelt. Trotzdem habe ich bei diesem Buch das Gefühl, dass es primär von Agnetas Hochzeit handelt - und das sollte nicht so sein.
Agneta ist Journalistin und auch das liest man aus dem Buch heraus. Es ist wenig emotional oder einfühlsam geschrieben. Was leider auch Agneta zu einer etwas emotionslosen bzw. empathielosen Person macht. Mir tut Lola in dem Buch auch etwas leid, sie wird oft auch als sehr weinerlich und hilflos dargestellt. Ihre starken Seiten, die sie angeblich hat, werden zwar erwähnt, aber nicht gezeigt. Show, don't tell, liebe Agneta. Erzählen kann man viel, aber wenn man es nicht zeigt, verliert es an Glaubwürdigkeit.
Summa summarum: Ja, man hat (ersten) Kontakt zum Thema Borderline, aber nach der Lektüre ist man immer noch nicht schlauer, was es genau bedeutet oder wie Betroffene / Angehörige reagieren. Wenigstens ist das Buch schnell zu lesen, wobei ich sagen muss, dass ich irgendwann Agnetas Sicht schon halb überflogen habe.