Berühmt wurde Tom Kummer durch grandiose und vor allem sehr intime Interviews mit Hollywood-Stars, Sportlern und Promis. Er sprach mit Pamela Anderson über Sex, ihre gemachten Brüste, mit Mike Tyson über Nietzsche und mit Brad Pitt über seine innere Leere. Tom Kummer war der Mann, der so nah an die Stars heranzukommen schien, wie kein anderer Journalist. Diese Interviews klingen einfach zu schön, um wahr zu sein. Und wahr waren sie auch nicht. 2000 kam die Wahrheit ans Licht: Kummer hat den größten Teil seiner Gespräche einfach erfunden.
2007 entschied sich Kummer ein Buch über sein Leben zu schreiben: „Blow Up“! Allein der Titel verrät, wobei es in dem Buch geht. Blow Up ist eine Anspielung an den Sechziger-Jahre-Kultfilm von Michelangelo Antonioni. In diesem geht es um die Frage, was Realität ist und was Einbildung.
Kummer erzählt von seiner Jugend in Bern, seiner Schulzeit und seinem Drang raus in die Welt zu kommen. Besonders wichtig ist die Zeit der 1980er-Jahre in Berlin. Hier kultiviert Kummer sein Dasein als Künstler. So sieht er auch die Form seiner Interviews als Kunst an.
„Blow Up“ ist keine klassische Autobiografie, in der jede Lebensphase abgearbeitet wird. Es ist viel mehr ein philosophisches Buch über das Schreiben und die Frage, was Wahrheit ist. Kummer versucht nicht zu rechtfertigen, was er gemacht hat, sondern er erzählt nur davon, und was er erzählt, ist nicht nur unheimlich gut geschrieben, sondern auch verdammt spannend. Zwischen den Zeilen kann man aber dennoch lesen, dass Kummer auch stolz auf seine Arbeit ist, wie könnte er auch nicht. Die Kummer-Interviews sind viel mehr als reine Unterhaltungstexte, sie sind kleine literarische Meisterwerke.
Somit ist „Blow Up“ nicht nur ein Buch über Tom Kummer und den Boulevardjournalismus, sondern auch ein Buch über literarisches Schreiben.