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Moral: Wie man richtig gut lebt

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Wir alle wollen gute Menschen sein. Wir alle wissen eigentlich, was dafür zu tun wäre. Doch dann wird es Darf ich lügen, wenn es die Situation erfordert? Wie viel Rücksicht muss ich auf meine Nachbarn nehmen? Muss ich mein Geld ethisch anlegen? Rainer Erlinger, Moralinstanz und Autor der inzwischen als Klassiker geltenden Kolumne ›Die Gewissensfrage‹ im Magazin der »Süddeutschen Zeitung«, kennt wie kein anderer die konkreten moralischen Probleme, die uns alle bewegen. Nun hat er endlich seinen großen Entwurf einer Moral für unsere Zeit vorgelegt – alltagstauglich, beispielgesättigt, philosophisch begründet, leicht verständlich und unterhaltsam.

368 pages, Paperback

First published January 1, 2011

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Rainer Erlinger

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Gerrit.
35 reviews1 follower
February 3, 2021
Insgesamt ne super Einführung, verständlich, alltagsnah, trotzdem theoretisch fundiert und überzeugend.

*Random Quotes die ich mochte:*

"Oliver Wendell Holmes Jr.:
'The right to swing my fist ends where the other man's nose begins.'"

"Allerdings hat Kant den Kategorischen Imperativ in seinem Werk in mehreren Varianten formuliert, von denen ich eine weitere, wesentlich unbekanntere, persönlich fast für noch wichtiger halte: die sogenannte Selbstzweckformel, Zweck-Mittel-Formel oder kurz Zweckformel.
»Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.«"

"Hätten nicht unsere Urahnen Toleranz für Menschen gezeigt, die einen anderen Wohnstil pflegen, säßen wir vermutlich immer noch in Höhlen."

"Bei der Gleichheit wird es schon schwieriger, denn wenn man den Anderen wirklich als gleich anerkennt, muss man dessen Einstellungen dieselbe Daseinsberechtigung zuerkennen, die man den eigenen zuerkennt.
Dieses Prinzip, dass man das gegenüber dem Anderen gebotene Verhalten aus seiner Anerkennung als Mensch herleiten kann, scheint mir wichtig."

Aristoteles: Die ethische Tugend ist das mittlere zwischen zwei schlechten Extremen:
»Die Tugend ist also ein Verhalten der Entscheidung, begründet in der Mitte im Bezug auf uns, einer Mitte, die durch Vernunft bestimmt wird und danach, wie sie der Verständige bestimmen würde. Die Mitte liegt aber zwischen zwei Schlechtigkeiten, dem Übermaß und dem Mangel. Während die Schlechtigkeiten in den Leidenschaften und Handlungen hinter dem Gesollten zurückbleiben oder über es hinausgehen, besteht die Tugend darin, die Mitte zu finden und zu wählen.
Darum ist die Tugend hinsichtlich ihres Wesens und der Bestimmung ihres Was-Seins eine Mitte, nach der Vorzüglichkeit und Vollkommenheit aber das Höchste.«

"Das Unterschiedsprinzip bedeutet faktisch, daß man die Verteilung der natürlichen Gaben in gewisser Hinsicht als Gemeinschaftssache betrachtet und in jedem Falle die größeren sozialen und wirtschaftlichen Vorteile aufteilt, die durch die Komplementaritäten dieser Verteilung ermöglicht werden. Wer von der Natur begünstigt ist, sei es, wer es wolle, der darf sich der Früchte nur soweit erfreuen, wie das auch die Lage der Benachteiligten verbessert.
Mehr noch, da die Begabungen, die man hat, einen unverdienten Vorteil darstellen, muss sich eine wirklich gerechte Gesellschaft vermehrt um die bemühen, »die mit weniger natürlichen Gaben oder in weniger günstige Positionen geboren werden«."

"Der Beitrag des Einzelnen zu großen Problemen (zb Konsum, Klimawandel, etc) ist gering, in der Summe aber entsteht der Schaden. Dann aber wäre es unlogisch, wenn jeder Einzelne sich auf die geringe Größe seines Beitrags berufen könnte. Denn jeder kann nur seinen kleinen eigenen Beitrag gestalten. Der jedoch steht dann in seiner Verantwortung, positiv wie negativ. Die Alternative wäre, politisch tätig zu werden."

"Eine Gesellschaft die nicht allen die gleichen Chancen ermöglicht, handelt dumm. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hat versucht, die Kosten unzureichender Bildung in der Zukunft hochzurechnen: Die Tatsache, dass heute jeder fünfte Jugendliche eine nur unzureichende Bildung erhält, führt diesen Berechnungen zufolge im Laufe des Lebens von heute geborenen Kindern zu volkswirtschaftlichen Kosten in Höhe von rund 2,8 Billionen Euro." (Rainer Erlinger, Moral)

"Zudem ist der Staat nicht allwissend und hat im Gegensatz zur Auffassung totalitärer Regime - keinesfalls immer recht. Dann kann und sollte sich jeder wehren und den Staat in die Schranken weisen! Das ist kein Problem und umgekehrt für eine Demokratie gesund. Aber im Allgemeinen ist der Staat eben nicht die Krake, gegen die wir uns wehren müssen, sondern die Organisationsform der Gemeinschaft." (Rainer Erlinger, Moral)

"Für Bentham war schon 1789 klar, dass auch Tiere dazugehören müssen:
»Vielleicht wird man eines Tages erkennen, dass die Anzahl der Beine, die Behaarung der Haut oder das Ende des Kreuzbeins gleichermaßen ungenügende Argumente sind, um ein empfindungsfähiges Wesens dem gleichen Schicksal zu überlassen [gemeint war, den Launen eines Peinigers ausgesetzt zu sein]. Warum soll sonst die unüberwindbare Grenze gerade hier liegen? Ist es die Fähigkeit zu denken oder vielleicht die Fähigkeit zu sprechen? Aber ein ausgewachsenes Pferd oder ein Hund ist ein unvergleichlich vernünftigeres sowie mitteilsameres Wesen als ein einen Tag, eine Woche, oder gar einen Monat alter Säugling. Aber angenommen dies wäre nicht so, was würde das ausmachen? Die Frage ist nicht 'Können sie denken?' Auch nicht 'Können sie reden?' Sondern 'Können sie leiden?'.«!" (Rainer Erlinger, Moral)

"Treffen sich zwei Planeten. Fragt der eine: »Wie geht's?« Der andere antwortet: »Schlecht, ich hab Homo Sapiens.« Darauf der erste, tröstend: »Das geht vorbei.«."
Ein Lebensstil, der drei Erden benötigt, ist nicht vertretbar. Entweder man schränkt sich ein, oder man findet Alternativen.

"Wenn man sich auf die Suche macht nach einem Grundsatz, der dem Umgang mit den Mitmenschen zugrunde liegt, landet man meine Erachtens bei einem Begriff: Achtung. Sie steht jedem zu. Unabhängig davon, was er gemacht hat, im positiven wie im negativen Sinn. Man kann ihn sich nicht verdienen, und man kann ihn nicht verlieren. Es handelt sich nicht um Hoch-Achtung, sondern um Achtung. Die Achtung des Gegenübers, seine Anerkennung als Mitmensch. Ich würde es gerne so formulieren:
Man anerkennt im Anderen den Menschen, so wie man selbst einer ist." (Rainer Erlinger, Moral)

"Die Achtung des anderen beinhaltet die Verpflichtung, dessen Meinungen als die eines anderen Menschen zu achten." (Rainer Erlinger, Moral)

"Eine befreundete Psychotherapeutin erzählte mir einmal, sie habe in ihrer Arbeit gelernt, das Schwierigste in einer Beziehung scheint zu sein, auszuhalten, dass der Partner anders ist. Mir scheint, dabei handelt es sich um dasselbe Phänomen wie das, mit dem wir uns eben beschäftigt haben: der Respekt nicht nur vor dem Partner, sondern auch vor seinen Wünschen und Eigenheiten, die anders sind als die eigenen, den eigenen womöglich entgegenstehen. Vielleicht ist das auch eine wichtige Grundlage von Beziehungen, nicht nur der Respekt vor dem Anderen als Mensch, sondern auch vor seinen Eigenheiten. Vor der Tatsache, dass er anders ist." (Rainer Erlinger, Moral)
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November 5, 2020
Der Autor zitiert in etwas kleinerer Schrift immer wieder lange Abschnitte u.a. von Philosophen, vor allem Kant, um sie danach zu interpretieren oder zu erklären. Hierfür nimmt er sich wirklich viel Zeit. Es geizt auch nicht mit Beispielen für die jeweiligen Themen wie Höflichkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Sex, Umweltschutz usw.

Aber wenn es dann darum geht, ein Thema wirklich von allen Seiten zu beleuchten, macht er eigentlich nur seine eigene Meinung deutlich. Beim Sex z.B. schreibt er zwar immer wieder von der "seelischen und körperlichen Verletzlichkeit der anderen Person", aber die Risiken von Schwangerschaft oder übertragbaren Krankheiten erwähnt er mit keiner Silbe.

Dieses Buch kann als Ausgangspunkt für Diskussionen genutzt werden. Allerdings gibt es dafür sicher auch genügend kostenlose Listen im Internet.
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