"Die Montagsgedichte" gehen auf die Jahre 1928 bis 1930 zurück, in denen der junge Kästner wöchentlich ein Gedicht in der Berliner Zeitung Montag Morgen veröffentlichte. Als bissige Anmerkungen zum Zeitgeschehen liefern diese Gedichte ein schillerndes Panorama des Alltags in der Weimarer Republik und dem Berlin der 20er Jahre. Dabei rückt die große Politik genauso in den Blick wie die Jagd nach einem als Nachtgespenst verkleideten Einbrecher, das traditionelle Berliner Sechstagerennen, die damals aktuelle Sommermode oder ganz einfach das Wetter. Zugleich nimmt Kästner immer wieder die kleinen und großen menschlichen Schwächen seiner Zeitgenossen aufs Korn und erweist sich dabei einmal mehr als unbestechlicher Humanist mit Witz und Herz.
Erich Kästner (1899–1974) was a German author, poet, screenwriter and satirist, known for his humorous, socially astute poetry and children's literature. A stout pacifist and democrat, he was expelled from the national writers' guild during the Nazi era, with many of his books being burned in public. Today, he is widely regarded as one of Germany's most prolific and beloved children's book authors.
Schwierig zu bewerten. Ich bin total durch die Gedichte gerast, weil der Großteil leider so gar nichts bei mir ausgelöst hat. Die Gedichte sind zwischen 1928 und 1930 in Zusammenhang mit einer Berliner Zeitung entstanden und repräsentieren einige interessante geschichtliche Fetzen aus dieser Zeit. Trotz der geschichtlichen Erläuterungen am Ende des jeweiligen Gedichts, fiel es mir schwer, wirklichen Bezug zu den Gedichten zu bekommen, weil mir einfach das Wissen um die damaligen politischen und öffentlich-gesellschaftlichen Personen fehlen. Eine Ausnahme war jedoch das Gedicht "Der eingeseifte Barbier". In diesem Gedicht von 1929 wird der antisemitische "Zeitgeist" der damals herrschte, schon sehr deutlich... Wenn man bedenkt, was alles noch folgen sollte, schnürt es einem die Luft weg...
Erich Kästner hat von 1928 bis 1930 knapp zwei Jahre lang jeden Montag ein Gedicht im Berliner "Montag Morgen" veröffentlicht, diese finden sich gesammelt in der hier gezeigten Ausgabe des Aufbau Verlags. In den meisten Gedichten kommentiert er das Zeitgeschehen, in gewohnter Manier kritisch, satirisch bis zynisch. Kästner rechnet ab mit der Kriegsverherrlichung, mit der Weltpolitik, mit Nazis und deren Toleranz in der Gesellschaft, aber auch mit der Leistungsgesellschaft und Ausbeutung der Arbeiter:innen. All das macht er mit einer herrlichen Leichtigkeit, die mir schon immer viel Spaß gemacht hat. Zwischendurch geht's auch einfach mal ums Wetter oder Aprilscherze.
Sicherlich finden sich unter den Montagsgedichten nicht seine Meisterwerke, auch stoßen in manchen Texten leider leicht misogyne Beschreibungen sauer auf. Ich will diese nicht verteidigen, würde sie aber in den Kontext der Satire der 30er Jahre stellen und demnach nicht so hart mit Kästner ins Gericht gehen.